The Backyard (2002)

The Backyard (2002)

Oder: Fight Club is for pussies

Deal or No Deal?

Deal or No Deal?

Wrestling. Im TV ein grosses Spektakel und live in der jeweiligen Halle ein Riesengaudi. Dass das ganze eine grosse und abgekarterte Show ist, dürfte inzwischen jedermann wissen. Da ja aber der Zuschauer nicht weiss, was passieren wird, bleibt die Spannung aufrecht und sogenannte Storylines (Geschichten) werden hier im Ring gelöst, anstatt auf der Strasse. Wer in den Ring kommt, bestimmen die Promoter. Da gibt es Ausbildungszentren, Lehrgänge und Schulen. Ohne diese zu besuchen, schafft mans nicht. Oder nicht ganz....

Denn The Backyard nimmt sich diesen Menschen an, die es kaum zu grossen Ehren in irgendwelchen ausverkauften Hallen bringen können, sondern ihrer Leidenschaft in den Hinterhöfen der Vorstadt, in der Wüste oder sonst in irgendwelchen Gärten frönen. Dort werden provisorische Ringe aufgestellt und eigene Geschichten erzählt. Und weil das alleine kaum cool ist, wird der halbe Baumarkt dahingeschleppt und man holt sich die "Uuhs" und "Oohs" damit ab, in dem man sich gegenseitig mit Stacheldraht, Strassenschildern, Glühbirnen oder sonstigen Werkzeugen in die Fresse haut, bis das Blut literweise fliesst.

Blood is cool

Blood is cool

The Backyard geht diesem Phänomen nach. Einer Erscheinung, die immer mehr junge Menschen zwar von der Strasse holt, aber sich schlussendlich als brutale, tumbe und gefährliche Art der Unterhaltung herausstellt. Kids ohne jegliches Grundtraining springen von Leitern durch Tische, schneiden sich mit Rasierklingen die Stirn auf oder lassen sich in Reisszwecken werfen. Warum? Weils cool ist. In deren Sicht auf jeden Fall.

Die verbleibenden Zähne müssen sauber sein

Die verbleibenden Zähne müssen sauber sein

Hinterhofstars wie "The Lizard", der sich für ein Vorsprechen der grossen Wrestling-Federation beworben hat, "Scar", "The Retarded Butcher" kommen zu Wort und demonstrieren ihr "Können". Ebenso hat einer ders geschafft hat, einen Auftritt und lässt uns seine Meinung über die "Backyarder" hören. Der "WWE"-Superstar Rob Van Dam.

Was ist die Motivation dieser jungen Leute? Von wo kommen sie? Was ist ihr gesellschaftlicher Hintergrund? Wieso tun sie sich das an? Was ist der Unterschied zwischen den einzelnen Gruppierungen? Wieso verabscheuen die einen das "blading" und andere stecken sich bei jeder Gelegenheit eine Rasierklinge in die Stirn? Finden wir es raus....


DVD-Rating

Wrestling. Sport? Show? Sportliche Show oder einfach nur "än Seich"? Diese Frage wird man einfach so nicht beantworten können. Denn obwohl die Abläufe, Matchausgänge und Figuren natürlich eine einzige grosse Show sind, stecken die trainierten Athleten harte Bumps ein, kriegen Schläge verpasst oder fliegen (resp. fallen) diverse Mal auf ihren Körper. Dass so einer dann natürlich gut trainiert sein soll, versteht sich von selbst. Wenn man aber die Jungs aus dem Hinterhof so anschaut, dann fragt man sich definitiv, ob die nicht mehr alle Tassen im Schrank haben oder sonst irgendwie einen an der Waffel.

Leitern, Tische, Stühle, Glühbirnen, Reissnägel oder Baseballschläger. Es wird alles gebraucht, das irgendwie Schmerzen bereitet und schön viel Blut fliessen lässt. Wer sich auf The Backyard einlässt, braucht starke Nerven. Nicht unbedingt wegen den blutig geprügelten Kids oder den halsbrecherischen Aktionen, sondern aufgrund der Frage nach der Motivation der Kids. Wie kommt man dazu, sich freiwillig anzünden zu lassen, nur das eine kleine Meute von Jugendlichen "holy Shit" ruft? Wieviel Hirnschmalz braucht es, sich seinen Arm in einen Haufen Reisszwecke zu drücken und dann hörbar "it's not bleeding, do it again" zu rufen? Hallo? *kopfschüttel*

Ich mag Wrestling. Die Show im Ring, die Charaktere, die Fehden, die Figuren und natürlich die spektakulären Moves. Aber diese Herrschaften da im Hinterhof haben gar nichts von diesem zu bieten. Wenn bei den grossen Organisationen von "Hardcore"-Wrestling gesprochen wird, fliesst auch Blut. Aber diese Jungs sind trainiert, wissen was sie machen, sind geschützt und verdienen ihren Lebensunterhalt damit. Der Junge von nebenan, der stolz seine Narben zeigt und "Pain is cool" ruft, sollte man definitiv mal unter die psychologische Lupe nehmen. Der Wrestler und einziger "richtiger" Wrestler in diesem Film, Rob van Dam sagts richtig: "The Guys are taking the "Wrestling" out of "Hardcore Wrestling"... Mit anderen Worten, es ist einfach ein Geprügel, ein Geschlachte und ein Gemetzel. Dass es durchaus Todesfälle in solchen Aktionen gibt, ist bekannt. Das hindert die Kerle aber nicht daran, sich weiter zu verstümmeln.

Nach diesem Plädoyer gegen das Backyard-Wrestling, sollte man diese Doku erst recht anschauen. Denn es werden nicht nur die brutalen Kämpfe gezeigt, sondern auch die Personen dahinter. Jungs mit Träumen. Jungs die weg von der Strasse wollen und Wrestling dem Leben in einer Gang vorziehen. Organisatoren, die Nachbarskinder zusammentrommeln und mit Flyern und Postern auf die nächste Show hinweisen. Es ist nicht alles traurig, was da geboten wird. Ein paar Figuren in diesem Zirkus haben tatsächlich mehr im Kopf als sich rumprügeln. Denn mit Wrestling haben diese Aktionen im Hinterhof weiss Gott nichts zu tun.

Fazit: The Backyard zeigt auf eindrucksvolle Weise, wie in den Hinterhöfen von Amerika und England geprügelt wird und wie sich der Einfluss von z.B. Jackass deutlich macht. Die Personen mögen vereinzelt sympathisch sein oder auch kreativ. Und grundsätzlich sollten Eltern wirklich ihre Kids unterstützen, in dem was sie tun. Aber bei Backyard-Wrestling würde ich persönlich jetzt eine Ausnahme machen. Und gerade deswegen ist diese Dokumentation so wertvoll. Sie richtet nicht über die Leute, die das betreiben. Sie stellt vor und zeigt, wie schmerzhaft es sein kann. Aber nicht muss...

Die DVD hat zusätzlich zum Film ein Musikvideo von "Fozzy" (einer Band, in der der Wrestler Chris Jericho gar nicht mal so schlecht singt), ein paar längere Kommentare von Rob van Dam als "deleted Scenes", sowie eine Trailershow der speziellen Art. Denn die Filme, die da vorgestellt werden, machen den Eindruck von Amateurprojekten und sehen auch dementsprechend aus. Den Audiokommentar sprechen hier der Regisseur und ein paar der Jungs aus dem Film.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.54.5

 

02.08.2005 / muri

Community:

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