8 femmes (2002)
8 Frauen
8 femmes (2002) 8 Frauen
Oder: Wer war's nicht?
Frankreich in den 50er Jahren: In einer tiefverschneiten Landschaft steht die grosszügige Villa einer Grossfamilie. Man trifft sich um die Weihnachtstage gemeinsam zu verbringen. Anstatt die Bescherung geniessen zu können, findet man allerdings das Familienoberhaupt, und einziges männliches Mitglied der Familie, rücklings erstochen in seinem Bett.
Die Mörderin kann sich nur unter den 8 Frauen befinden, die dem Mann am nächsten standen. 8 Frauen, jede ist verdächtig, jede hat ein Motiv und jede verstrickt sich in Lügen und Geheimnisse. Eine von ihnen ist schuldig, aber welche ist es?
DVD-Rating
Mit 8 femmes gelang François Ozon ein riesiger Erfolg, nicht nur in unseren Kinos. Die skurril anmutende Familiengeschichte um Mord und Lüge bietet herrliche Leistungen des versammelten Damencasts und charakteristischen Bezug mit Augenzwinkern zu Altmeister Hitchcock (Ozon beschränkte die Szenerien auf das Innere der Villa, ähnlich wie Hitchcock in Rope kaum das Appartment verliess) und als kleine Überraschung Gesangeinlagen der Darstellerinnen, in denen feine Hinweise ihre Beweggründe, Charaktere und Geheimnisse zu finden sind. Es geht dabei also weniger um stimmlich prägnante Musicalnummern als eher um witzige gesangliche Einlagen, die man nicht nach ihrer Musikalität bewerten sollte als vielmehr im filmdramaturgischen, aber durchaus ironischen Zusammenhang.
Sowieso nimmt sich der Film selber, wie auch seine Mitstreiterinnen, nicht allzu ernst. Die Charaktere sind oft überzeichnet und doch liebenswert, ein Spiegelbild unserer kleinen, unstabilen Gesellschaft, in der jeder mehr oder minder für sich selber schaut. Darunter leidet(e) freilich der gute Papa, ob mit oder ohne Messer im Rücken. Es entzücken insbesondere Isabelle Huppert als redselige, neurotische Tante Augustine, Danielle Darrieux als trinkfeste Oma, Ludivine Sagnier als aufgeweckter Teenie (*schmelz*) und Catherine Deneuve als Gaby. Dieses who's who des französischen Films trägt die Geschichte mit Wucht vor und macht aus 8 femmes einen ganz grossen Ensemblefilm.
Wunderschön fängt Ozon die Atmosphäre der 50er Jahre ein, setzt auf knallig bunte Farbakzente und lässt peu à peu die Fassade des konservativen Hauses abbröckeln. Ein flottes, witzig groteskes und bissiges Filmerlebnis für alle, die den französischen Film mögen und einem guten, alten Kriminalstück nicht abgeneigt sind.
Wer dem Französisch wirklich gut mächtig ist, sollte sich unbedingt die Originalfassung anschauen. Den deutschen Untertiteln zu folgen wird bei dem rasanten Sprechtempo nicht ganz einfach sein. Auf der Extras Seite gibt's ein 60minütiges Making Of, einen Audiokommentar von Regisseur und Darstellerinnen sowie Videoclips zu 2 Chansons (deren Filmversionen alle separat anwählbar sind). Bildqualitativ wird die DVD nach anfänglichen Problemen (Bildzittern) doch noch ganz ordentlich, wenn ich auch meine, vielleicht täusche ich mich, im Kino doch etwas knallbuntere Farben gesehen zu haben. Der Ton geht nicht über den Durchschnitt hinaus, kann man bei einem eher dialoglastigen Film wie diesem aber auch nicht erwarten.
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4.6 Sterne (35 Bewertungen) | 4 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 07.11.2002
- Bildformat: 1.85:1
- Sprachen: Deutsch, Französisch (DD 5.1)
- Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Französisch
- Extras: Audiokommentar des Regisseurs und der Schauspielerinnen; Making Of (ca. 60 Min.); 2 Videoclips (mit C. Denevue und L. Sagnier); Cast & Crew Infos.


