Pulse - Kairo (2001)
Pulse - Kairo (2001)
Oder: Tödliche Computerviren
Tokio ist eine Millionenmetropole mit einem Stadtkern der auf einer Fläche von 621 km² gleich viele Einwohner gepfercht hat, wie zurzeit in der ganzen Schweiz leben. Mit allen angrenzenden Aussenbezirken erstreckt sich die Megastadt über eine Fläche, die etwa einem Viertel der Schweiz entspricht und ist mit 34 Millionen Menschen eine der grössten zusammenhängenden Stadtgebiete der Erde. Das ergibt eine kaum vorstellbare Ballung, die komplett auf Wirtschaft und Leistung getrimmt ist und in der sich die neuen Technologien, wie das Internet und das Handy, schon lange in der Gesellschaft verankert haben. Nicht ohne Grund gehört Tokio aber zu der Stadt mit den tiefsten Geburtsraten des Landes, denn die Einwohner vereinsamen immer mehr, da sie durch die neuen Technologien den sozialen Kontakt scheuen und sich lieber hinter dem Computer verkriechen.
Dass dies äusserst schlimme Folgen haben kann, erleben die Kollegen des Computerspezialisten Taguchi (Kenji Mizuhashi) am eigenen Leibe, denn ohne dass sie es bemerkten, ist Taguchi anscheinend in eine so tiefe Depression gefallen, dass er sich still und leise in seiner Wohnung erhängt hat. Während sich seine Freunde noch fragen, was ihn zu diesem Schritt veranlasst habe, wird ihnen nach und nach klar, dass dies erst der Vorbote einer riesigen Katastrophe war. Bald darauf erschüttert Tokio nämlich eine Suizidepidemie: Menschen springen reihenweise von den Häusern, andere verschwinden spurlos, und die einst bis zum Bersten vollen U-Bahnen sind plötzlich gähnend leer. Was ist dafür verantwortlich, was treibt die Menschen in den Selbstmord? Bald wird klar, dass die Flucht die einzige Möglichkeit ist zu überleben...
DVD-Rating
Als ich das amerikanische Remake von Kairo gesehen hatte, begeisterte mich vor allem das Konzept, dass sich die Technologien, auf die wir uns tagtäglich verlassen, plötzlich gegen uns wenden und gerade weil wir alles so global vernetzt haben, sozusagen selber unseren Untergang herbeigeführt haben. Inzwischen wurde das Konzept, seit dem Erscheinen von Kairo, in mehreren Filmen aufgegriffen und sei es in The Signal oder One Missed Call, es wird immer beliebter, völlig alltägliche Gegenstände als apokalyptische Reiter einzusetzen.
Kairo entstand unter dem bekannten Regisseur Kiyoshi Kurosawa, der sich schon einige Male als Horrorregisseur bewiesen hat. Er hat auch das Drehbuch verfasst, welches auf dem gleichnamigen Buch basiert und wollte mit dem Film vor allem den Aspekt der japanischen Kultur anprangern, dass nämlich die neuen Technologien viel zu stark in das Leben der Menschen eindringen. Dies hat nämlich immer mehr zur Folge, dass sich die Menschen emotional voneinander distanzieren, anstatt zusammen zu wachsen. Dieser extreme "soziale Entzug" und die Einsamkeit sind die Kernthemen von Kairo und bauen über den Handlungsverlauf eine sehr deprimierende Stimmung auf, welche sich gegen Ende immer mehr ins apokalyptische steigert.
Was jetzt sehr nach Endzeitstimmung und überzeugendem Gruseln klingt, ist leider auch eine langfädige, wenn nicht schon langweilige Sache geworden. Mit 113 Minuten ist Kairo zu lang und durch die starke Gewichtung auf die sozialen Probleme wird die eigentliche Drohung durch die Geister sehr nebensächlich und dazu noch sehr oberflächlich behandelt. Nur einige spirituelle Erklärungen werden geliefert, doch auf eine sachliche Erklärung oder eine genauere Erkundung des Problems wartet man vergebens. Dazu kommt noch, dass, obwohl die Umsetzung ansonsten sehr gelungen ist, die Schockmomente nicht funktionieren und überhaupt nichts zur Spannung beitragen, sowie die Special Effects schlichtweg grottig aussehen. Dennoch, öde wird es nicht, denn die Handlung setzt sich aus mehreren separaten Handlungsfäden zusammen, welche über den Verlauf des Filmes schrittweise zusammengeführt werden. So wird die Geschichte sehr abwechslungsreich erzählt und da der Film von Anfang an keinen fest definierten Hauptdarsteller hat, ist man nie sicher, wen es demnächst erwischt.
Fazit: Kairo ist ein Film geworden, der sich stark von dem normalen Horror-Genrefilm distanziert und einen eher sozialkritischen und Mysterypfad einschlägt. So überzeugend die düstere Stimmung und die gut konstruierte Handlung auch sind, es dümpelt leider sehr spannungslos dahin, wenige Informationen werden geliefert und trotz des guten Szenarios ist es eher enttäuschend. Unter dem Strich kann gesagt werden, wer eher Mystery und düstere Stimmung sucht, der kann sich Kairo ansehen, wer den Horror und spektakulär inszenierte Action sucht, der kann sich das Remake anschauen, auch wenn dieses qualitativ nicht besser ist.
Die DVD ist trotz der "Special Edition" nicht wirklich berauschend. Das Bild wirkt auf mittleren und grossen Bildschirmen sehr körnig und unscharf, und weder die original noch die deutsche Tonspur überzeugen. Die japanische Tonspur hat ein permanentes Hintergrundrauschen. Die Syncho kommt sehr dumpf und matt daher, als ob ein Tuch auf die Boxen gelegt worden wäre. Das Bonusmaterial beschränkt sich auf einige Trailer und ein B-Roll, das Szenen zeigt, die auf dem Set mitgeschnitten wurden sowie ein paar Interviews.
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4.8 Sterne (5 Bewertungen) | 0 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 16.11.2006
- Bildformat: Widescreen 1.85:1 (Anamorphisch)
- Sprachen: Deutsch (DD 5.1), Japanisch (DD 2.0)
- Untertitel: Deutsch
- Extras: Behind the Scenes, Interviews, Trailer



