Iris (2001)

Iris (2001)

Oder: Zeit des Vergessens?

Iris

Küss mich, Frosch!!

1950 (plus ein paar Jährchen mehr) lebt, studiert und arbeitet Iris Murdoch (Kate Winslet) im englischen Oxford. Ihre einzigartigen, harmonischen und äusserst wertvollen Gedanken - welche aus ihrem hochintelligenten Geist entstehen - verhelfen ihr zu einer grandiosen Karriere als Philosophin und Schriftstellerin. Intellektuell aussergewöhnlich, im Alltagsleben genauso speziell: Iris ist ein extravertiert aufgewecktes, forwärtsdrängendes Energiebündel, das gelegentlich eine etwas sehr interessante Lebensauffassung verfolgt. So ist es auch für ihren Freund John Bayley (Hugh Bonneville) nicht immer einfach, Iris' Art zu verstehen. Dennoch wird aus der Freundschaft alsbald Liebe und die beiden Turteltauben beschliessen, in den Bund der Ehe zu treten.

Iris

Wo kömmt heut' das Vöglein her?

Bekanntlich werden Menschen älter und weiser. Iris (Judi Dench) hingegen geht einen anderen Weg. Mit zunehmendem Alter wird ihr Gedächtnis allmählich schlechter, bis schliesslich die erschütternde Diagnose steht - Alzheimer wird fortan Iris' täglicher Begleiter sein. Ihr Mann John (Hugh Bonneville) ist vor völlig neue Tatsachen gestellt und muss lernen, gemeinsam mit Iris - und doch alleine - das Leben zu meistern. Doch da bekanntlich Alzheimer kaum aufhaltbar ist, wird John früher oder später nicht mehr ohne fremde Hilfe mit dem geistigen Zerfall seiner Iris fertig...


Kinofilm-Rating

Die Tagebücher von John Bayley, Ehemann der genialen Iris Murdoch, dienten diesem Film als Quelle. So endet der Film 1999 mit dem Tod Iris'. Kate Winslet sagte an den Oscarverleihungen, sie sei sehr stolz, dass dieser kleine englische Film ein derart positives Echo auslösen durfte. Die vorwiegend positive Kritik ist auf jeden Fall auf die Verteilung der Hauptrollen zurückzuführen. Sowohl Judi Dench als auch Kate Winslet verkörpern Iris Murdoch (einmal jünger, dann wieder älter - Oscar Nominationen) trotz Tragik und Unaufhaltsamkeit der Alzheimerkrankheit in wundervoll menschlicher Weise. Es ist v.a. Winslets verdienst, dass eine glaubwürdige Darstellung dieser definitiv undurchschnittlichen jungen Frau dem Kinobesucher geboten wird.

Iris ist wahrhaftig ein kleiner Film, der eine grosse Botschaft in sich trägt: Alzheimer kann jeden treffen, ungeachtet des IQs oder des Lebenswandels. Dass diese Krankheit fast ausschliesslich im höheren Alter ausbricht verheisst zudem, dass der Ehepartner fortan eine schwierige und noch verantwortungsvollere Aufgabe zu tragen hat.

Der ethisch-moralische Aspekt des Films ist stets erkennbar. Es lohnt sich, bei speziellem Gefallen an Denchs und Winslets Arbeitsergebnis dem Kino einen Besuch abzustatten. Mit einem Jahrhundertfilm darf jedoch definitiv NICHT gerechnet werden. Qualität (Gesamtpaket) okay - Winslets Dialekt wunderbar funny! Eine Biografie halt. Zum Nachdenken, sich informieren, Einblick in ein Lebenswerk erhalten... für Interessierte.

4.2 Sterne
4.2 Sterne (20 Bewertungen) | 0 Kommentare

4.54.5
02.04.2002 / nd