im juli. (2000)

im juli. (2000)

Oder: Da brauchst Du keinen Pulli

im juli.

Lehrer sein = Loser sein?

Da hats der junge Referendar - Mathelehrer - Daniel (Moritz Bleibtreu) aber schwer. Seine SchülerInnen sind etwas eigenwillig. Oder Daniel ist viel zu nett. So eine Ausgabe des absolut geliebten Schwiegersohnes. Mit intellektuellem Job, Zukunftsaussichten in punkto Liebesleben vage (vielleicht nützt die Erstehung eines kleinen, schmucken Häuschens im Grünen und eines härzigen, kinderfreundlichen Hund etwas weiter), gar keinem Hang zur Adrenalinsuche und natürlich bebrillt.

Ach Daniel, Daniel, Daniel... Sogar der Kiffernachbar ist ein viel originellerer Typ als er. (Kiffen ist aber ungesund, gell. Immer aufpassen mit dem THC. Lieber THX!)

im juli.

"Warum Du mir nicht sagen, dass Auto scheisse?"

... nur die Liebe-auf-den-ersten-Blick zur schönen Melek (Idil Üner) lässt Danielus umspiessen: Melek, die sexy, verführerische Frau. Er trifft sie und ihr reist er ungestüm hinterher. Einfach so nach Istanbul. Weil er glaubt, verliebt zu sein. In die Melek dänk. Und vielleicht ist er es auch. Nun. Die flippig gesunde Schmuckverkäuferin Juli (Christine Paul), die schon längst eines ihrer bezaubernden Augen auf Dani geworfen hat, begleitet ihn von Hamburg bis in die Türkei. Oha! Das wird interessant. Da reisen sich Leute hinterher, die füreinander etwas empfinden. Da bekommt das Wort "verliebt" eine abenteuerliche Seite mehr.

im juli.

Die Sonne, wie sie scheint

Was unterwegs in einem Superkiffer-Auto, im Super-Truck, aufm Super-Kahn mit den beiden passiert, lässt so einiges in Daniels Leben verändern. Prügel, Verführung, Drogenkonsum... da kannste alles haben. Sogar ein Close Encounter mit einem türkischen Regieführungs-Grenzpolizisten fehlt da nicht. Der angehängte Knastbesuch ist auch nicht ohne.

Das alles und menschlicherweise noch viel mehr bringen Dani dazu die wichtigen Dinge im Leben zu erkennen... für sein Glück zu kämpfen. Sein Glück ist eine Menge obendrauf als blosse Mathematik (versteh' ich eh nid)... nämlich Liebe. *seufz*


DVD-Rating

Im Juli. ist Fatih Akins zweiter Langfilm nach Kurz und schmerzlos. Die beiden Filme könnten unterschiedlicher nicht sein. Im Juli. ist farbig wie ein knalliges Bonbon, in halb Europa gedreht und spielte, in Deutschland als "der neue Bleibtreu" promotet, eine Stange Geld ein. Kurz und schmerzlos ist ein grimmiger Krimi in Hamburg-Altona, ein kleiner Erfolg auf vielen Festivals, aber nicht mehr. Beide Filme hat Akin aber schon während dem Abitur geschrieben. Kurz und schmerzlos wurde nur vorher gedreht, weil er einfacher zu realisieren schien.

Im Juli. ist ein Märchen voller Symbolik. Fast schon ein bisschen überladen mit Sonne, Mond, Physik, den Anleihen bei der Odyssee und den Bollywood-Musicals. Mit Totalen wie im Western, Kranfahrten und bildlich umgesetzten Drogentrips hat Akin vieles in den Film gepackt, was er an technischen Spielereien schon immer mal machen wollte. Unglaubwürdige Wendungen gehören auch dazu. Aber in einer Geschichte über eine fantastischen Reise eines frisch Verliebten an den Bosporus sind diese Zufälle verzeihlich. Moritz Bleibtreu und Christiane Paul sind als zu Beginn ungleiches Paar nicht nur hübsch anzusehen sondern durchaus auch glaubhafte Charaktere. Das gilt auch für all das Volk, das die beiden auf ihrer Irrfahrt antreffen. Mein Favorit: der böse Rumäne, dem sie das Auto klauen. Im Juli. ist romantisch und trotzdem cool. Ein Film für die Sommerferien.

Die DVD ist neben dem 35mm Film, die beste Möglichkeit die Farben von Im Juli. so richtig zur Geltung zu bringen. Die hier vorliegende Disk meistert diese Aufgabe bravourös. Tontechnisch liefert sie Surround-Sound im Dolby Digital 5.1 Verfahren. Es gibt nur die deutsche Tonspur. Wenn die Protagonisten eine der vielen Fremdsprachen verwenden, sind die Dialoge mit weissen Untertiteln eingeblendet.

Wie es sich für eine DVD von Fatih Akin gehört, ist auch Im Juli. vollgepackt mit interessantem Zusatzmaterial. Als erstes ist der screenspezifische Audiokommentar zu erwähnen, den Fatih Akin alleine bestreitet und der ohne den Originalfilmton im Hintergrund abgemischt wurde. Speziell weil Akin viel zur im Film verwendeten Musik zu erzählen hat, ist das schon ein bisschen ärgerlich. Des weiteren rechtfertigt sich Akin gegenüber einigen der Einwänden von Kritikern und zieht interessante Vergleiche zu den Tim und Struppi Comics. Ein sehr hörenswerter Track.

Im Audiokommentar werden ein Teil der sechs rausgeschmissenen Szenen schon erwähnt, die wenn sie im Film geblieben wären, eine grosse Überraschung schon viel früher präsentiert hätten. Sie sind ebenso anamorph abgetastet wie die 16 verpatzten Szenen. Ein Novum sind die Geburtstagsgrüsse, die während den Dreharbeiten für Idil, Moritz und Fatih auf Film gebannt wurden. Ich finde solche überraschenden Gesangseinlagen immer sehr emotional. Ein Storyboard zur Verfolgungsjagd, ein Blick in die Trickkiste bei der Kifferszene und ein paar Interviews mit den Beteiligten runden den ersten Teil der Extras ab. Im DVD-Rom Part gibt es ausser den obligaten Weblinks Auszüge aus dem Roman von Selim Özdogan, der mehr von den weiblichen Figuren Juli und Melek erzählt. Eine sehr gute DVD.


OutNow.CH:

Bewertung: 4.54.5

 

28.04.2004 / rm

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