Girlfight (2000)
Girlfight - Auf eigene Faust
Girlfight (2000) Girlfight - Auf eigene Faust
Oder: 2 Fäuste für ein Halleluja
Diana Guzman (Michelle Rodriguez) ist ein 18-jähriges Mädchen, das seit dem Selbstmord ihrer Mutter ein sehr verbitterter Teenager geworden ist, der zu grausamen Gewaltausbrüchen neigt und nach mehreren Schlägereien kurz vor dem Rauswurf aus der Schule steht. Wäre diese Perspektivlosigkeit nicht schon schlimm genug, erhält sie auch von Zuhause absolut keine Unterstützung. Während ihr Bruder Tiny (Ray Santiago) die volle Aufmerksamkeit des Vaters (Paul Calderon) erhält, wird sie regelrecht ignoriert. Schliesslich kommt Diana durch ihren Bruder mit dem Box-Sport in Berührung, denn sein Vater zwingt ihn, dort Unterricht zu nehmen, damit mal ein ordentlicher Mann aus ihm wird. Diana ist davon fasziniert, hat jedoch nicht das nötige Geld für Stunden.
Schliesslich kann sie genügend Geld auftreiben. Skeptisch nimmt sich Hector (Jaime Tirelli) ihrer an, verlangt aber vollen Einsatz. So betritt Diana die Männerdomäne und muss erstmals beweisen, dass sie im Ring bestehen kann. Langsam lernt Diana, ihre animalische Wut zu kontrollieren, und während sie im beinharten Training Disziplin und Technik lernt, findet sie langsam zu sich selbst und nimmt ihr Schicksal in die eigene Hand. Bald kann sie sich, während sie im Ring die ersten Erfolge feiert, sogar verlieben...
DVD-Rating
Für Karyn Kusama war Girlfight nicht nur das Regiedebut, der Film basierte auch auf ihrem Drehbuch. Sie ging zudem noch das Risiko ein, eine Hauptdarstellerin anzuheuern, die bisher überhaupt keinen Schauspielunterricht hatte. Für die damals 18-jährige Michelle Rodriguez war dies nämlich nicht nur das erste Vorsprechen, sondern auch der erste Film, und bevor überhaupt die erste Klappe fiel, musste sie sich noch gegen über 600 Konkurrentinnen durchsetzen.
Auf sich alleine gestellt zu sein ist ein Thema, dass sich durch den ganzen Film zieht. Diana Guzman ist von der Mutter verlassen, wird vom Vater ignoriert und sogar von ihrem Bruder im Stich gelassen. Erst durch das Boxen kann Diana langsam ihre Aggression abbauen und so kanalisieren, damit sie auch etwas Gutes erreichen kann. Deshalb ist Girlfight auch nicht eine Zelebrierung von brutaler Gewalt im Ring sondern zeigt das Boxen als Therapie und Selbstfindung, was dem Betreten des Ringes eine ganz andere Dimension verleiht.
Wer jetzt aber einer der vielen "vom Zero zum Hero"- Filme erwartet, welche in Hollywood massenweise vom Stapel gelassen werden, der liegt hier falsch. Girlfight ist sehr nüchtern, deprimierend und düster und lässt den typischen Hollywood-Pathos sowie die ewigen Feel-Good Klischees links liegen. Er präsentiert die harte Realität, in der die Menschen doch einiges komplexer sind und sich daher auch wirklich entwickeln können. Diese Entwicklung, vom wutzerfressenen Teenager bis hin zur kühlen, ergeizigen Kämpferin, wird zudem durch den Rohdiamanten Michelle Rodriguez sehr authentisch verkörpert und gibt Girlfight eine sehr hohe Qualität.
Girlfight bleibt auch in der Kameraführung und der Inszenierung ein nüchterner und dokumentarisch angehauchter Film, der sich genug Zeit nimmt, die Geschichte zu entwickeln. Sorgfältig ausgewählte Einstellungen, ein etwas zu langsamer Schnitt in den Kämpfen, aber in Verknüpfung mit epischem Soundtrack, entwickeln die einzelnen Szenen eine energetische Wirking, die einfach mitreisst. Da kann man auch verzeihen, dass einige der anderen Teenager eher mässige Leistungen bringen, denn die wichtigsten Rollen, wie auch Jaime Tirelli als der Coach, sind sehr gut besetzt.
Fazit: Girlfight ist ein sehr starker Film geworden, der Emotionen, raue Kämpfe und eine charismtatischen Hauptdartellerin präsentiert, die den Screen zu 100% beherrscht. Michelle Rodriguez schafft es ohne jegliche Schauspielschule und nur einer kurzen Vorbereitungszeit eine Performence hinzulegen, bei der man ihr die verletztliche Szenen wie auch die knallharten Boxkämpfe absolut abnimmt und bis zum Schluss mitfiebert. Ein eindrückliches Regiedebut mit einem grossartigen Soundtrack und packender Kameraführung, das zu Recht für Regisseurin Kasuma wie auch für die Hauptdarstellerin den Durchbruch bedeutete. Sehr zu empfehlen.
Die neu aufgelegte DVD stammt leider immer noch aus dem Jahr 2000 und ist qualitativ auch entsprechend schlecht. Die englische Tonspur wird nur in Stereo geliefert, Untertitel gibt es keine, das Bild ist unscharf, hat sehr starken Schnee und ist auch farblich sehr matt. Beim Bonusmaterial gibt es neben dem Trailer des Films nur ein kurzes Interview mit Rodriguez und Regisseurin Kasuma. Schade, da hätte ich gerne mehr darüber erfahren.
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4.0 Sterne (8 Bewertungen) | 0 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 10.11.2008
- Bildformat: Widescreen 1.85:1
- Sprachen: Englisch (DD 5.1); Deutsch (DD 5.1)
- Untertitel: -
- Extras: Interviews; Trailer



