The Green Mile (1999)

The Green Mile (1999)

Oder: Wunder dauern etwas länger

The Green Mile

*AAH, schon wieder ein Fleck"

Paul Edgecomb (Tom Hanks) ist Gefängniswärter in der Anstalt von Cold Mountain. Wir schreiben das Jahr 1930, die Depression ist im vollen Gang, 30% der amerikanischen Bevölkerung ohne Arbeit und das Gesindel macht Überstunden. Edgecomb ist Chef der Green Mile, wie der Todestrakt im Gefängnis heisst, an dessen Ende der elektrische Stuhl steht. Der Boden ist mit gründem Linoleum überzogen, welches dem Gang den Namen gibt. Zusammen mit Brutus "Brutal" Howell (David Morse), Dean Stanton (Barry Pepper) und Harry Terwilliger (Jeffrey De Munn) ist er darauf bedacht, "seinen" Häftlingen die restliche Zeit ihres Lebens mit Würde, Anstand und Respekt so human wie möglich zu machen.

Eines Tages ändert sich diese Situation grundlegen, als das Ekelpaket Percy Wetmore (Doug Hutchison) den schwarzen Hünen John Coffey (Michael Clarke Duncan) einliefert. Dieser soll zwei kleine, weisse Mädchen ermordet haben und nun dafür büssen. Dass dieser Riese aber Angst vor dem Schlafen im Dunkeln hat und in jedem Satz grammatikalische Fehler macht, lässt Edgecomb aufhorchen. Sollte dieses Kind im Manneskörper wirklich fähig sein, jemanden zu ermorden?

The Green Mile

Na? Gemütlich?

Ein stetiges Problem von Edgecomb ist ausserdem seine Blasenentzündung, die ihn regelmässig "Rasierklingen pissen lässt". Als ihn jedoch Coffey auf mirakulöse und mysteriöse Art von diesem Leiden befreit, fängt der Gefängniswärter an zu sehen, dass dieser Hühne von Mann etwas Besonderes ist. Zusätzlich kriegt der Trakt einen Besucher auf vier Pfötchen. "Mr. Jingles", eine Maus, wird von einem der Todeskandidaten adoptiert und natürlich vom Quälmax Wetmore verstampft. Coffey hilft auch hier aus, verliert aber bei jeder Heilung mehr an Kraft und Stärke.

Edgecombe weiss nicht mehr, an was er glauben soll. Ist dieser Mann mit den wundersamen Händen wirklich ein Doppelmörder? Wie kann der Herrgott seine Gaben an einen Mann verteilen, der nun im Todestrakt sitzt? Und kann John Coffey etwa auch der krebskranken Frau des Direktors (James Cromwell) helfen? Wenn ja, dann ist ein nächtlicher Ausflug mit einem bärenhaften Doppelmörder ein Risiko, das den Begleitern mehr als nur den Job kosten könnte.


DVD-Rating

Wenn Stephen King ein neues Buch schreibt, steht Hollywood meist schon vor dem Veröffentlichungstermin mit dem Checkbuch in der Hand vor seiner Tür und holt sich die Filmrechte. Und zwischendurch bringen die Herrschaften aus Kalifornien auch mal eine Verfilmung so in die Kinos, wie sich der Zuschauer das vorstellt. Shining war so eine (obwohl der Autor später eine Version produzierte, die eher nach seinem Geschmack war) und natürlich The Shawshank Redemption. Aus einer seiner Geschichte, die man damals in monatlich erscheinenden Fortsetzungsbüchlein kaufen konnte, wurde ein Film, der, trotz Überlänge, zum beeindruckendsten zu zählen ist, was je über die Leinwand flimmerte. The Green Mile.

Für vier Oscars wurde der Film 2000 nominiert, erhielt aber *shame on you* keinen einzigen. Die Geschichte um den Todestrakt und dessen Insassen wird in aller Ruhe erzählt. Jede Figur bekommt ein bisschen Zeit, sich zu entwickeln und sobald Michael Clarke Duncan seinen Auftritt hat, kriegt man die Augen eh nicht mehr vom Bildschirm weg. Das Drama um die Figur, die Leiden nach den Heilungen, die Empfindungen von Schmerz und das unschuldige Auftreten dieses Mannes ist perfekt wiedergegeben und hätte mit einem Oscar belohnt werden müssen. (Aber gegen Michael Caine aus The Cider House Rules zu "verlieren" ist keine Schande)

Neben dem überragenden Michael Clarke Duncan gibt sich eine Schar von hervorragenden Darstellern die Klinke in die Hand. Allen voran natürlich Tom Hanks, der nicht umsonst als der beste Schauspieler Hollywoods gilt. Seine Performance passt zum Rest des Films und ist einfach genial. Auch Gesichter aus der "zweiten" Reihe Hollywoods wachsen über sich hinaus. David Morse oder Doug Hutchison, den man als X-Files-Nerd natürlich als "Victor Tooms" in Erinnerung hat.

Erstaunlich ebenfalls, dass (inzwischen) etablierte Darsteller in The Green Mile in den kleineren Rollen zu sehen sind. So rebelliert Zaphod Beeblebrox als "Wild Bill" auf ekligste Art und Weise, ein alter Bekannter aus Alien spielt die Testperson für den elektrischen Stuhl und auch der Entwickler der Wharp-Antriebes mischelt mit.

Fazit: The Green Mile hat das ganze Paket an Gefühlen zu bieten, was ein (sehr) guter Film zu bieten hat. Es wird geschmunzelt, mitgefiebert, getrauert und gestaunt. Persönlich setze ich den Film auf gleiche Höhe wie Shining als Spitzenreiter der verfilmten Romane von Stephen King. Einfach ein fantastisches und trotz seinen 188 Minuten nie langweilig wirkendes Epos.

Die erhältliche Doppel-DVD wurde neu auf den Markt gebracht und geizt nicht an interessanten Extras. Der Film wurde aufgeteilt in zwei Sequenzen. Man wird also auch zuhause (leider) während des Filmes aus dem Sessel knorzen müssen, die Disc wechseln und dann weitergucken. Dafür hats auf Disc 1 einen Screen-Test von Michael Clarke Duncan und einen Make-up-Test von Tom Hanks, der anfänglich sein altes Ich selber darstellen sollte. Dieser Plan wurde dann aber fallengelassen. Im kurzen Feature sieht man, das der Mann halt im Alter nicht mehr ganz so überzeugend aussieht. Wie man einen Teaser-Trailer macht und wie es dann aussehen soll wird uns auch noch näher gebracht. Deleted Scenes und der interessante Audiokommentar sollten ebenfalls einen Blick wert sein.

Im halbstündigen Making-Of, das die zweite Disc eröffnet, bekommt der Fan einen gelungenen Blick hinter die Produktion und hört auch Gary Sinise (mit dem Tom Hanks vorher schon Forrest Gump gedreht hatte) ein paar Gedanken zum Thema sagen. Dass es durchaus witzig zu und her ging, wird ebenfalls ersichtlich. Ein grosser Bericht, angefangen beim Schriftsteller, über die Magie des Films bis zur Dressur der Maus, dauert ca. 100 Minuten und ist in sechs Themen unterteilt. Allesamt hervorragend informativ und definitiv ein Vorbild in Sachen Hintergrundmaterial.

Wenn Wunder auf dem Bildschirm passieren, haben sie das bitteschön in höchster Schärfe und in klarem Ton zu tun. Beides ist auf dieser DVD gegeben und wenn das Orchester so richtig anfängt, die dramatische Musik zu spielen, dann vergisst man auch mal kurzerhand den Mitgucker oder das Popcorn auf dem Schoss. Man wird förmlich hineingezogen mit dieser herrlichen Untermalung der Szenen und den wunderbaren Bildern.

5.2 Sterne 5.6 Sterne
5.2 Sterne (142 Bewertungen) | 0 Kommentare

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11.11.2006 / muri


DVD-Infos

Special Edition, erschienen am 13.10.2006

  • Bildformat: 1:1.85
  • Sprachen: Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1), Spanisch (DD 5.1)
  • Untertitel: Englisch, Deutsch, Spanisch, Dänisch
  • Extras: Audiokommentar, Deleted Scenes, Screentest, MakeUptest, A Teaser Study, Teaser, Trailer, The Making of, Creating the Green Mile