Eyes Wide Shut (1999)

Eyes Wide Shut (1999)

Oder: Mit offenen Augen vom Seitensprung träumen

Eyes Wide Shut

Nicht ins Becken, Schatz!

Der junge New Yorker Prominentenarzt William "Bill" Harford (Tom Cruise) und seine attraktive Frau Alice (Nicole Kidman) sind glücklich verheiratet. Zusammen mit ihrer kleinen Tochter Helena (Madison Eginton) bewohnen sie ein Luxusappartement in Manhattan und führen eine glückliche Ehe. Doch zur Weihnachtszeit beginnt dieses scheinbar perfekte Leben Risse zu bekommen.

Wie jedes Jahr werden die Harfords zur Weihnachtsparty ihres Bekannten, Victor Ziegler (Sydney Pollack), eingeladen. Man trinkt ein paar Gläschen Champagner, Bill flirtet mit zwei Models und trifft den ehemaligen Kommilitonen Nick Nightingale (Todd Field) wieder, der sich nun als Pianist seinen Lebensunterhalt verdient. Plötzlich wird Bill in den oberen Stock gerufen. Eine Frau ist während Sexspielen mit dem Gastgeber und nach der Einnahme von Drogen ohnmächtig geworden. Während Bill sich um die Frau kümmert, flirtet Alice angesäuselt mit dem älteren Ungarn Sandor Szavost (Sky Du Mont), der ihr sehr klar zu verstehen gibt, was er gerne von ihr hätte.

Eyes Wide Shut

Achtung, ein Alk-Dieb!

Am nächsten Tag machen sich Alice und Bill fürs Bett fertig. Gemeinsam rauchen sie einen Joint, auf den Alice jedoch nicht gut anspricht: Sie wird aggressiv und verdächtigt Bill, während seinem langen Aufenthalt im oberen Stock Sex mit den Models gehabt zu haben. Es entspinnt sich ein kurioser Streit, während dem Bill Alice erklärt, dass er sich ihrer Treue sicher sei. Sie bricht darauf lachend zusammen und erinnert ihn an den Urlaub vom letzten Jahr. Da habe ein attraktiver Marine-Offizier neben ihnen im Hotel gesessen und hätte er nur ein Wort gesagt, Alice wäre ihrem Mann untreu geworden.

Eyes Wide Shut

Eins, Zwei, alle da

Während Bill noch schockiert zu verstehen versucht, was Alice ihm da gerade offenbart hat, läutet das Telefon. Einer seiner Patienten ist gestorben. Bill fährt sofort los. Auf der Fahrt kommen ungebetene Bilder, wie sich seine Frau dem Marine-Offizier hingibt. Wie das Leben so spielt, kommt nun Versuchung um Versuchung: Die Tochter des Toten küsst ihn und gesteht ihm ihre Liebe, während die beiden auf ihren Verlobten warten. Auf dem Nachhauseweg wird Bill auf der Strasse von einer Prostituierten angesprochen und folgt ihr mechanisch in ihre Wohnung. Doch bevor irgendetwas passieren kann, ruft Alice auf Bills Handy an und erkundigt sich, wann Bill nach Hause kommt. Er verlässt die Wohnung unverrichteter Dinge wieder.

Auf seinem Weg kommt er auch am "Sonata Café", einen Jazzclub, in dem Nick Nightingale spielt. Der ist jedoch gerade an seinem letzten Stück, als Bill den Club betritt. Nick setzt sich zu ihm und erzählt dem verwunderten Arzt, dass er einen Anruf erwartet, durch den er erfährt, wo er später noch einen weiteren Auftritt haben würde. Er müsse an wechselnden Orten mit verbundenen Augen spielen. Doch einmal sei die Augenbinde locker gewesen, und er habe wilde Orgien mit wunderschönen Frauen gesehen. Bill ist neugierig geworden und liest das Passwort, das sich Nick während seines Telefongesprächs aufschreibt. Mit etwas Schmeichelei überredet er Nick, ihm auch den Ort zu verraten. Nach einem Abstecher beim Kostümverleiher betritt Bill nervös die grosse Halle eines abgelegenen Anwesens. Wie von Nick berichtet, befinden sich maskierte Gestalten und wunderschöne Frauen an dem Ort. Doch noch ahnt Bill nicht, in welche Gefahr er sich gebraucht hat.


DVD-Rating

Kubrick war 1999, kurz nach Fertigstellung von Eyes Wide Shut überraschend gestorben. Dies ist also der letzte Kubrick-Film, von denen es nur ein Dutzend gibt. Kubrick ist in Eyes Wide Shut seinem Stil natürlich treu geblieben. Er liebt die Totale, das Tempo der Geschichte ist eher gesetzt. Sehr beeindruckend sind die Szenen, als Tom Cruise betäubt von der Offenbarung seiner Frau durch die Stadt läuft und sich in der Absicht, es ihr heimzuzahlen, auf ein gefährliches Abenteuer einlässt.

Schlimm fand ich hingegen Nicole Kidman in den "wichtigen" Szenen. Als brave und normale Hausfrau war sie zweifellos überzeugend. Doch als sie betrunken mit Sky du Mont flirtet, hätte ich am liebsten wieder ausgeschaltet. Ihr seltsames Reden wirkt völlig aufgesetzt und künstlich, nur noch überboten vom unerträglichen Lachanfall während des Streites, der schliesslich zu Bills Odyssee durch das nächtliche New York führt. Ihre Leistung in dem Film wurde immer wieder fast überschwänglich gelobt. Ich werde den Verdacht nicht los, dieses Lob bezieht sich eher auf ihre hübsche Hinterseite, die man etliche Male zur Gänze zu sehen bekommt, und weniger auf ihre schauspielerische Leistung.

Aber das kann man wohl dem ganzen Film vorwerfen. Natürlich ist Spontanität eben das, was Kubricks Stil abgeht. Doch so bleibt die Geschichte steril. Das wir in unserem Leben Verlockungen ausgesetzt sind, ob realen oder nur im Kopf, das dürfte jedem bekannt sein. Etwas mehr Leidenschaft hätte den Figuren gut getan. So zieht sich die Geschichte über schier endlose zweieinhalb Stunden. Dennoch gibt es einen guten Grund, sich die Neuauflage des Filmes zu kaufen. Sie kommt nämlich als Doppel-DVD-Edition daher, mit ein paar Leckerbissen für Kubrick-Fans.

Natürlich dürfen erst mal die Kino- und TV-Spots nicht fehlen. Mit dabei ist auch die Dankesrede von Kubrick für den D.W. Griffith Award für sein Lebenswerk, den er 1998 während den Dreharbeiten zu "Eyes Wide Shut" erhalten hatte. Sehr spannend ist das rund 40-minütige "The Last Movie", das einen Einblick in die Entstehung des letzten Filmes von Stanley Kubrick gewährt. Man erhält dabei auch einen Einblick, wie der grosse Regisseur im Privatleben so war, da auch sein Frau und die Töchter zu Wort kommen. Freunde, Schauspielerinnen und Schauspieler, Autoren und natürlich Tom Cruise und Nicole Kidman erzählen von ihrer Arbeit mit Kubrick. Auch sein kontroverser Film Clockwork Orange, sowie deren Auswirkungen auf das Familienleben, nämlich schlimme Drohungen, werden erwähnt. Ausserdem erfährt man einiges über den Arbeitsstil von Stanley Kubrick, der noch weiter geht als die legendären 50 Takes pro Szene.

In "Lost Kubricks" erfährt man mehr über zwei Projekte, die Kubrick intensiv vorbereitet hatte, die jedoch nie realisiert wurden. Wer hätte gedacht, dass der Regisseur ein grosser Bewunderer von Napoleon war? Schliesslich gibt es noch Interviews zu sehen mit Tom Cruise und Nicole Kidman zum Film, sowie mit Steven Spielberg über seinen Freund. Ein Teil der Interviews ist bereits in "The Last Movie" zu sehen, man sollte sich aber insbesondere das mit Nicole Kidman nicht entgehen lassen. Es ist sehr rührend, wie sie nach dem frühen Tod von Kubrick gefragt in Tränen ausbricht und der Interviewer sich etwas hilflos entschuldigt, das ausgelöst zu haben.

Fazit: Der Film ist wohl eher was für Kubrick-Fans. Deko und Ausstattung sind perfekt, die Figuren eher hölzern. Die Extras rechtfertigen aber den Kauf der DVD allemal.

4.0 Sterne 5.4 Sterne
4.0 Sterne (48 Bewertungen) | 10 Kommentare

3.5 Sterne3.5 von 0.0-6.0
18.01.2008 / nwe


DVD-Infos

Special Edition, erschienen am 07.12.2007

  • Bildformat: 1.78:1 (anamorph Widescreen)
  • Sprachen: Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1), Spanisch (DD 5.1)
  • Untertitel: Deutsch, Englisch, Deutsch für Hörgeschädigte, Spanisch, Polnisch, Türkisch, Schwedisch, uvm.
  • Extras: Audiokommentar, Dokumentation "Kubricks letzter Film", Kubricks unvollendete Filme, Interview Steven Spielberg/Tom Cruise/Nicole Kidman, Trailer, TV-Spots, Dankesrede zum DGA DW Griffith-Award 1998

Eyes Wide Shut (1999)
Bewertung: 4.0 (48 Bewertungen)
4.0 Sterne » BewertenEyes Wide Shut (1999)063.9795948

» Filminfos
» Review: DVD (Special Edition)

» Bilder
» Posters


Shopping - jetzt kaufen:
Blu-rays, DVDs, Posters & Soundtracks