Cookie's Fortune (1999)

Aufruhr in Holly Springs

Cookie's Fortune (1999) Aufruhr in Holly Springs

Oder: "Drinkin' and bury the Blues"

Cookie's Fortune

"How sweet is the air.. I can breath!"

Holly Springs, North Mississippi, USA. Nach Zechen in einer Blues-Spelunke, torkelt der alte Willis Richland (Charles S. Dutton) mitten in der Nacht im Anwesen seiner Hausdame Jewel Mae "Cookie" Orcutt (Patricia Neal) zur Waffenvitrine hin und möchte die alten Waffen reinigen. Die durch den Lärm aufgewachte Cookie lässt gütig gewähren. Seit einiger Zeit wird in der presbyterianischen Kirche (eine protestantische Kirche) das Theaterstück "Salomé"[1] (von Oscar Wilde) erprobt, das in ein paar Tagen an Ostern mit Hilfe der Regisseurin und Cookies Nichte Camille Dixon (Glenn Close) aufgeführt werden soll und einige Einwohner aus Holly Springs vergnügt mitmachen.

Cookie's Fortune

"Catch you later."

An einem Tage sitzt der Schmerz über den Verlust ihres geliebten Mannes tief und des Lebens müde will Cookie nicht mehr. Sie schnappt sich eine Pistole aus der Waffenvitrine, schreibt einen Abschiedsbrief nieder und folgt ihrem Mann. Ein wenig später findet ihre Nichte Camille erschüttert die Leiche, verflucht aber die, so glaubt sie, aus egoistischen Motiven vollzogene Tat. In Rage bettet sie diese Familienschande rasch in eine neue Sichtweise ein: Sie lässt das Geschehene, durch selbst angelegte Spuren, als eine Tat eines fiktiven Mörders ansehen. Ihrer unvermutet daher tippelnden Schwester Cora Duvall (Julianne Moore) befiehlt sie es hinzunehmen.

Cookie's Fortune

"I did good, didn't I?"

Die benachrichtigte Lokalpolizei tuckert staunend herbei und inspiziert den Tatort. Nach einigen Stirnrunzeln wird schlussgefolgert und der mutmassliche Täter gebeten mitzukommen. In der offenen Gefängniszelle gesellen sich nun zum bestürzten Willis der bewachende Polizist Lester Boyle (Ned Beatty), der ihn unschuldig glaubt, Coras wieder in der Stadt anwesende Tochter Emma Duvall (Liv Tyler), die ihn unbedingt als Teil ihrer Familie ansieht, der Anwalt Jack Palmer (Donald Moffat), der sich ihn gleich als seinen Mandanten annimmt, dazu und gemütlich wird Scrabble gespielt. Um nicht unglücklich im Trüben zu fischen wird polizeiliche Verstärkung aufgeboten. Dieser scharfe Verstand, Inspektor Otis Tucker (Courtney B. Vance), gräbt tief und lässt wohlbehütete Leichen im Keller von unbescholtenen Bürgern unzimperlich erheben. Ob weiterhin man wie üblich auf einem Steg hockend sich in der Kunst des Fischens und ihr innewohnenden Freundschaftsbestärkung übt?

[1] In einer Zisterne eingeschlossen preist der Prophet Jochanaan (Johannes der Täufer) den Heiland und Retter an und tadelt dabei Salomés Mutter und Königin Herodias, die doppelten Ehebruch beging. Neugierig verlangt die Prinzessin Salomé nach ihm, doch dieser weist Salomé ab. Der junge, syrische Hauptmann Narraboth, der tiefe Gefühle zu Salomé hegt, findet ihr Begehren nach dem Propheten schändlich und ersticht sich. Salomés Stiefvater und König Herodes verspricht ihr, falls sie für ihn leidenschaftlich tanzt, einen jeden Wunsch zu erfüllen. Sie tanzt und verlangt, auch durch Andeutung ihrer um ihren Ruf gebrachten Mutter Herodias, den Kopf des Propheten. Salomé erhält ihn, küsst ihn und wird daraufhin auf Befehl des angewiderten Königs getötet.


DVD-Rating

Behutsam schildert Robert Altman das Leben und Treiben der Menschen in Holly Springs. Das Drama beginnt lose und endet tragisch, es erheitert und rüttelt auf. Es gehe um die "Dummheit des Stolzes", welche tief verwurzelt in der amerikanischen Gesellschaft sei, meint Robert Altman. Es geht auch um enttäuschte Menschen, abgewiesene Seelen, verletzte Eitelkeiten, die sich die Freiheit wie das Leben täglich (bedächtig) erobern und dabei Lebenslügen anhäufen.

Liebevoll gezeichnet wurden Eigenheiten und Denkweisen der Menschen. Herrlich, wie der auswärtige, ermittelnde Inspektor Otis Tucker (Courtney B. Vance) durch die Ticks der Leute "im falschen Film" zu sein scheint (anderer Raum, andere Menschen). Zum Schmunzeln, wenn der hiesige Polizist Lester Boyle (Ned Beatty) den Willis Richland (Charles S. Dutton) bestimmend unschuldig glaubt, da er ja mit ihm fischt (was man kennt, das fürchtet man nicht). Zum Grinsen, wenn die zu befragende, während den Ermittlungen am Tisch hockende Bluessängerin Josie Martin (Ruby Wilson) sich mit der anwesenden Polizistin Wanda Carter (Niecy Nash) sogleich verschwestert mit einem "Wild women don't get the Blues" (starke Frauen lassen sich nicht unterkriegen). Aneckend, wie Camille Dixon (Glenn Close) sich fein gutbürgerlich gibt, schnell pikiert wirkt und ihre gebildete Herrlichkeit kontrolliert im Lichte drängt.

So manch Hinweise sind versteckt. Am Anfang besingt die Bluessängerin Josie (Ruby Wilson) mit "I'm Comin' Home" kräftig eine Geschichte über eine Dame, die in Sehnsucht zu ihrem verstorbenem Mann ihn nun folgen möchte - das Leiden der alten Dame Jewel Mae "Cookie" Orcutt (Patricia Neal). Der Polizist Jason Brown (Chris O'Donnell) spielt im Theaterstück einen abgewiesenen Mann (der sich zwar tötet: "Er weiss wie es ist, zurückgewiesen zu werden.") - ironischerweise verliess ihn seine Freundin Emma Duvall (Liv Tyler), sie wiederum hat nur losen Kontakt zu ihrer Mutter Cora Duvall (Julianne Moore), man ahnt auf Drängen der unzufriedenen Tante.

Gegen Ende des Films stellt Emma Duvall (Liv Tyler) treffend die Frage: "What's wrong with all these people?" (Was ist denn los mit all diesen Menschen?) - bedeutsames vorenthält man den Familienangehörigen, den engen Freunden, was letztendlich Verwirrung, Unbehagen, Wut stiftet. Der Schluss kommt gewichtig, still. Aber das Leben scheint seinen gewohnten Gang zu nehmen. Ob man nun weiser ist? Zeit zum Fischen.

Ansehen, da die Geschichte schmunzelnd und bluesig beisst und ein übersichtliches Figurenensemble bietet. Wegsehen, sonst könnte das rustikale Denken, die USA bestünde nur aus Bush und Hollywood, Feuer fangen. Umsehen, falls mit wachen Augen man sich ein Bild über des alten Mannes Gedanken machen möchte.

4.2 Sterne 3.0 Sterne
4.2 Sterne (15 Bewertungen) | 8 Kommentare

4.54.5
04.03.2006 / ronin


DVD-Infos

DVD erschienen am 22.02.2000

  • Bildformat: 16:9 Widescreen (1:1,85)
  • Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
  • Untertitel: Deutsch, Englisch
  • Extras: Filminfos (Kinotrailer, Produktionsnotizen, Interviews, Making Of)