Blair Witch Project (1999)
Blair Witch Project (1999)
Oder: Guter Anfang ungesundes Ende
1758 - während der Kolonialzeit in Amerika beschuldigten mehrere Kinder der Gemeinde Blair eine Frau, welche sie angeblich zu sich nach Hause gelockt habe, um ihnen Blut abzusaugen. Sofort wurde die Frau mit dem Namen Elly Kedworth von den Sheriffs abgeführt, während eines sehr harten Winters der Hexerei verurteilt und aus dem Dorf verbannt. Es wurde angenommen, dass sie in den Schneemassen erfroren sei. Eine Annahme, die sich als falsch entpuppte, denn im Jahr darauf verschwanden all jene, welche Elly angeklagt hatten und die Hälfte aller Kinder des Dorfes. Die Legende der Blair Witch war geboren.
1994 - die ehrgeizige Filmstudentin Heather Donahue steckt gerade mitten in der Planung, eine Dokumentation über die legendäre Blair Witch drehen. Mit den Freunden Mike, der für den Ton zuständig ist und Joe, dem Kameramann, zieht sie mit zwei Kameras los, um das Projekt umzusetzen. Nach einigen interessanten Interviews im Dorf betreten sie die Wälder, um den Ursprung der Blair-Witch-Legende zu besuchen. Das ist dann auch das Letzte, was man von den drei gesehen hat, denn seither gelten sie offiziell als vermisst.
1995 - das Filmmaterial der Jugendlichen wird gefunden. Aus mehreren intakten Filmrollen kann die schockierende Wahrheit über den Verbleib der Jugendlichen ermittelt werden...
DVD-Rating
Der Ultra-Low-Budget-Film Blair Witch Project wurde mit einem Budget von 22'000 Dollar realisiert und kam 1999, nach einer bis zu dem Zeitpunkt beispiellosen Marketingkampagne, in die Kinos. Mit Hilfe des Internets wurde rund um den Film eine so gut ausgearbeitete Pseudomythologie aufgebaut, dass man nicht mehr unterscheiden konnte, was Fakt oder was Fake ist. Deshalb war das Echo natürlich entsprechend gross: Der Film spielte über 200 Millionen Dollar ein, was ihm einen Eintrag ins Guiness Buch der Rekorde, für den rentabelsten Film einbrachte. Er löste damit Mad Max ab, der zwanzig Jahre davor den gleichen Rekord aufgestellt hatte. Inzwischen kann er sich auch ehrfürchtig als Vater und Mutter des Horrors aus der First-Person-Perspektive bezeichnen, in dem der Cast die Kamera führt und der Zuschauer somit "live" den Horror miterleben kann. Ein Konzept, das inzwischen durch Cloverfield, Diary of the Dead oder [Rec] wieder erfolgreich in die Kinos gekommen ist.
Wie der Inhalt schon sagt, ist Blair Witch Project das geborgene Filmmaterial von drei verschollenen Jugendlichen und dokumentiert tatsächlich bis zu einem gewissen Punkt reale Begebenheiten: Er wurde nämlich unter nervenzerfetzenden Bedingungen gedreht, welche von den Beteiligten alles abverlangte. Heather, Mike und Joe waren tatsächlich ganz alleine im Wald unterwegs und hatten neben ihrer Campingausrüstung nur zwei Kameras zur Verfügung, mit der sie sich gegenseitig filmen mussten. Neben rudimentären Anweisungen, was das Ziel des jeweiligen Tages war, wurden alle Dialoge improvisiert, für den nötigen Realismus sorgte die Übermüdung, der Hunger und der Stress. Am Ende der acht Drehtage waren die Schauspieler physisch wie auch psychisch völlig am Ende, was sich auch im Schauspiel zeigt, das absolut glaubhaft und auch eindrücklich ist.
Als Film war Blair Witch Project beim Release zwar etwas völlig Neues, was man ihm auch anrechnen muss, doch heute wird er kaum noch jemandem beeindrucken. Mangels Soundtrack kann er nur mit Mühe eine Atmosphäre aufbauen, und auch wenn man es den Schauspielern absolut abkauft, dass sie an ihre Grenzen stossen, ist der Film primär langweilig. Durch das Verwenden des Originalmaterials einer 16-Millimeter-Kamera sowie einer kleinen Handkamera, bietet der Film zudem eine katastrophale Bild- und eine nicht viel bessere Tonqualität, was jeden Filmgenuss verunmöglicht. Beim ersten Mal schauen kann dies durchaus seine Wirkung entwickeln, doch wer sich etwas mit dem Background des Filmes beschäftigt hat oder ihn ein zweites Mal ansieht, wird kaum noch mitgerissen werden.
Fazit: Blair Witch Project ist das kreative Filmprojekt von fünf Filmfans, welche mit einem Film eine komplett neue Vermarktung sowie einen völlig neuen Weg des Filmemachens vorgestellt haben. Das abgelieferte Resultat ist aber, trotz des gewaltigen Einsatzes der Schauspieler, eine sehr zweischneidige Sache geworden, welche mit der First-Person-Perspektive zwar eine neue Art des Horrors vorgestellt hat, aber rein qualitativ schlechtes Material liefert, das im heutigen High-Definition-Zeitalter kaum noch überzeugen kann. Wer sich etwas für die Horrorgeschichte interessiert, der kann sich den Film anschauen, andere haben mit einem nächtlichen Waldspatziergang das viel bessere Erlebnis.
Die DVD liefert den Film in einer Qualität, welche auf grossen Screens an Zumutung grenzt und die rund 80 Minuten kaum zum Genuss werden lassen. Das Bonusmaterial fällt dagegen sehr üppig aus. Neben Pseudodokumentationen über die Blair Witch gibt es lange Interviews mit den Verantwortlichen sowie viele informative Produktionsnotizen. Wer sich für den Film interessiert, wird hier sehr umfassend informiert.
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3.5 Sterne (46 Bewertungen) | 48 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 09.05.2000
- Bildformat: 4:3
- Sprachen: Deutsch (DD 5.1); Englisch (DD Surround)
- Untertitel: Deutsch
- Extras: Audiokommentar; Cruse of the Blair Witch; Newly Discovered Footage; Interviews; Filminfos



