8MM (1999)
8 MM - Acht Millimeter
8MM (1999) 8 MM - Acht Millimeter
Oder: If you dance with the devil, the devil doesn't change. The devil changes you.
Privatdetektiv Tom Welles (Nicolas Cage) führt ein überschaubares, gutbürgerliches Leben mit eigenem Haus, Frau und Kind. Auch wenn er für seine absolute Diskretion bekannt ist, sind seine Fälle meistens unaufregende Routine-Aufgaben mit wichtigen Klienten und selten spektakulärer, als das Aufspüren von untreuen Ehemänner. Als er jedoch einen Anruf aus der adeligen Familie von Mrs. Christian (Myra Carter) erhält, hofft er auf seinen grossen Durchbruch und sozialen Aufstieg. Sofort macht er sich auf den Weg.
Mrs. Christians eben erst verstorbener Ehemann hat nämlich etwas sehr Verwirrendes im Safe hinterlassen: Ein kurzer 8mm Film, in dem ein Mädchen sehr real zerhakt wird. Ist das einer dieser mythischen Snuff-Filme? Zuerst versucht Welles, dies seiner Klientin auszureden, doch nach dem Sichten des Materials ist auch er nicht mehr sicher und nimmt den Auftrag an, das Mädchen im Film zu finden. Unter dem Deckmantel der Suche nach einer vermissten Person, folgt er der Spur von Mary Ann Mathews, wie das Mädchen im Film heisst, bis diese im Pornosumpf von Los Angeles versickert. Wells bleibt nichts anderes übrig, als mit Max California (Joaquin Phoenix), einem lokalen Pornoverkäufer, bei den illegalen Umschlagplätzen nach Snufffilmen zu suchen. Dabei gerät er nicht nur an Bilder, sondern auch an ein Elend, das den bisher gut behüteten Detektiv erschüttert. Je weiter er sucht, umso mehr begibt er sich in tödliche Gefahr...
DVD-Rating
Nach den zwei in vielerlei Hinsicht katastrophalen Batman Filmen, musste Regisseur Joel Schumacher erstmals kleine Brötchen backen, denn sein Ruf hatte enormen Schaden genommen. 8mm war sein erster Film der Post-Batman-Ära und sollte ursprünglich auf einem Script von Andrew Kevin Walker basieren, der auch die Vorlage zum genialen Seven geliefert hat. Nachdem allerdings das Studio, wie auch Schumacher, das Drehbuch nochmals radikal umgeschrieben hatten, um aus dem sehr düsteren Material etwas Massetauglicheres zu machen, wollte Walker nichts mehr mit dem Film zu tun haben.
8mm dreht sich primär um die urbane Legende des Snuff Films, ein Film, der nur produziert wird, um darin jemand wirklich umzubringen. Bis heute gelten industriell erstellte Snuff-Filme als Legende, da noch nie ein solcher Film gefunden wurde. Allerdings wurden schon mehrmals Filme wie die japanische Guinea Pig-Serie oder Ruggero Deodatos Kannibalenschocker Cannibal Holocaust verdächtigt, einer zu sein, wobei natürlich in keinem der Filme die Darsteller wirklich umgebracht worden sind.
Nachdem die erste Hälfte zwar eher ein linearer Detektivthriller ist, entwickelt sich 8mm spätestens ab dem Punkt, als Tom Welles in den Untergrund der Pornoindustrie abtaucht, primär zum Portrait eines durch und durch gutbürgerlichen Mannes, der mit menschlichen Abgründen konfrontiert wird, die er nicht versteht und ihn schlichtweg zerstören. Dabei spielen auch essenzielle Fragen wie "Warum gibt jemand einen solchen Film in Auftrag?" oder "Warum tust du das?" eine Rolle, und die Antworten stellen die Menschen wieder einmal ähnlich kalt und grausam dar, wie schon einst in Seven. Dies wird auch von Nicolas Cage sehr gut gespielt. Auch dank hervorragender Kamraarbeit sowie einem grossartigen Cast (einem klasse Peter Stormare sowie Joaquin Phoenix als Toms Führer durch die Unterwelt) wird diese düstere Geschichte auch eindrücklich erzählt.
Wie schon die Thematik ist auch 8mm ein sehr düsterer Film geworden. Schumacher ist es gelungen, die düstere Untergrundwelt, weit weg vom Bling Bling von Hollywood, sehr glaubhaft zu porträtieren. So tastet sich der Zuschauer, wie auch Detektiv Tom Welles langsam, in eine Welt vor, in der das Extreme gerade noch gut genug ist und illegale Pornos der schlimmsten Sorte verhökert und auch produziert werden. Das Eindrücklichste an 8mm bleibt jedoch, dass die bislang erwähnten extremen Bilder im Film kaum zelebriert werden. Anstatt die Leinwand alle paar Minuten mit blutigen Folterungen zu bepflastern, läuft dies alles unterschwellig im Kopf des Zuschauers ab, der sich primär selber aus dem gelieferten Ton sowie den Reaktionen der Schauspieler seine eigenen Bilder kreieren muss. So erhält 8mm seine heimtückische Intensität, die einem nicht mehr loslässt und bis zum Schluss fesselt.
Fazit: Auch wenn 8mm möglicherweise noch viel düsterer, brutaler und intensiver hätte sein können, das abgelieferte Resultat verfehlt seine Wirkung keineswegs. Selbst wenn es zwischendurch zu einigen Hängern kommt, bleibt 8mm ein sehr eindrücklicher Film, der dank sehr düsteren Bildern sowie einer Reise in die Abgründe der menschlichen Seele unter die Haut geht und den einen oder anderen sicher nachdenklich zurücklässt. Sehr empfehlenswert.
Die getestete DVD kam 1999 auf den Markt und besticht daher nicht unbedingt mit Qualität. Das Bild ist auf grossen Screens schlichtweg unscharf und hat nicht nur einen Weichzeichner, sondern ist auch sehr matt. Der Ton ist hingegen ganz ordentlich abgemischt, obwohl der Klang auch eher dumpf ist. Das Bonusmaterial setzt sich aus vielen unnötigen Untertiteln, einem allerdings sehr interessanten Audiokommentar sowie einem Trailer und einem kurzen Making Of zusammen. Allerdings ist das Making Of primär PR-Material, das kaum eine vertiefte Dokumentation um und über den Film bietet.
![]()
4.1 Sterne (51 Bewertungen) | 19 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 01.11.1999
- Bildformat: Widescreen 2.35:1
- Sprachen: Englisch (DD 5.1), Deutsch (DD 5.1)
- Untertitel: Deutsch; Englisch; Dänisch; Finnisch; Griechisch; Hebräisch; Hindi (Indisch); Isländisch; Niederländisch; Norwegisch; Polnisch; Schwedisch; Türkisch; Tschechisch; Ungarisch
- Extras: Audiokommentar; Making of



