Scharmör - Was gaffsch so gschissä? (1998)

Scharmör - Was gaffsch so gschissä? (1998)

Oder: "Isch ja gliiich!"

Scharmör - Was gaffsch so gschissä?

"Scharmör" Jones

Der Scharmör (Philippe Nauer) erlebt einige Abenteuer. Wie so oft ist er mal wieder erfolglos auf Frauenfang. Nicht einmal die wehrlosen Frauen, die er mit einer gestohlenen Ambulanz "auflesen" will, liegen ihm zu Füssen. Und dass Rapunzel, ausgerechnet wenn er vorbeireitet, die Haare geschnitten hat, ist aber auch wirklich Pech. Vielleicht war das aber auch die Strafe, weil er dem Sandmännchen den Lamborghini geklaut hat. Shit happens, aber das isch ja gliich. Wer furzed, dä macht Wind.

Aber auch beim Überfallen einer Bank ist der Charmeur nicht viel erfolgreicher. Nur den "Temple of Bra" kann er erobern und damit seiner BH-Sammlung ein ziemlich tolles Teil hinzufügen. Ansonsten ist sein Zuhause nicht der sicherste Platz zum Entspannen. Er wird regelrecht zur Schnecke gemacht und muss deshalb zur Psychiaterin. Wie der Scharmör sich hinter den Kulissen gibt, zeigt ein Making-of und wenn der Scharmör mal nur als Ballonkopf auftritt, kotzen sogar die Schlümpfe.


DVD-Rating

Willkommen in der Schweiz, dem Land in dem das Fernsehen vom Staatssender monopolisiert ist. Das ist nicht weiter schlimm. TV-Nachrichten sind oberflächlich. Wer gründlich informiert sein will, liest sowieso Zeitungen und findet einen stattlichen Schweizer Blätterwald vor. Da braucht es keinen Konkurrenzkanal. Bei Filmen und Serien ist es egal, welche Station die immer gleichen US-Schinken abspielt. Deshalb besteht auch dort kein Grund zur Sorge. Nur bei der Comedy, Satire oder wie man die Sendungen, wo der Zuschauer zum Lachen gebracht wird, auch immer nennen will, wären Alternativen zu SF DRS angebracht. Denn da kann auf deutschen Kanälen kommen, was will. Hier braucht es Eigengewächse.

Bis zu seiner TV-Pensionierung war Viktor Giacobbo lange Zeit das Feigenblatt der Sparte beim Fernsehen, in dem auch mal von oberster Stelle verboten wurde, in seriösen Sendungen Satire zu betreiben. Heute führen die offizielle männliche und weibliche Stimme aus den seriösen Sendungen durch "Punkt.CH", die Sendung, die nach dem Ende von "Viktors Programm" nun jeden Sonntag noch satirisch Flagge bekennen darf. Viel mehr als eine WAM-Man-Show ist das nicht und alle Schauspielerinnen darin sind Total Birgit.

Von 1998 bis 2003 gab es noch eine dreckige kleine Alternative, die sich heimlich im Vorabendprogramm breit und breiter machte. Er galt zwar als der hässlichste Schweizer aller Zeiten. Doch bevor auch nur jemand "Oops" sagen konnte wegen seiner dreckigen Aufrissmethoden, waren seine Kurzauftritte in der nun inexistenten Jugendschiene gleichen Namens jeweils schon wieder zu Ende. Scharmör war sein Name, dem er nie auch nur im geringsten die Ehre machte.

Es müssen Hunderte von Folgen des "neurotischen Arschlochs" existieren und ich bereue es, nicht mehr davon gesehen zu haben. Dank dem Interview mit seinem Schöpfer Mark Schippert bin ich nun an zwei der begehrten DVDs rangekommen, die "nur unter mysteriösen Umständen erhältlich sind", wie es auf der Hülle der einen heisst. Nicht einmal der DRS-TV-Shop hilft da weiter. Eine der Scheiben ist eine selber gebrannte DVD im Packpapier verpackt. Die andere, um die es in dieser Review geht, sieht aus wie ein offizielles Produkt: Kawumm presents Scharmör - was gaffsch so gschissä?.

Elf fünfminütige Folgen sind auf der DVD zu finden. Die Vorbilder sind so zahlreich wie unterschiedlich: The Matrix, Bikini Bandits, Indiana Jones, Circus Roncalli, das "Barbie Girl" von "Aqua", Monty Python, Forrest Gump und The Ladykillers. Es sind aber leider nicht die allerekligsten Beiträge. Die schnell geschnittenen "Schpezials" Scharmör Rocks ("ein sinnloser Zusammenschnitt der ersten hundert Folgen") und Harcore ("Anheizer für private Swinger Parties") zeigen, was die Macher sonst noch gewagt haben an nicht unbedingt Jugendfreiem. Gesellschaftlich akzeptiert wurden sie trotzdem, wie die Gastauftritte von Nella Martinetti, Sven Epiney, Stephanie Berger und Hannes Hug zeigen, die leider auch nur Kürzestauftritte haben in den oben genannten Specials. Nur des Scharmörs Muse Gwendolyn Rich kommt in einer der Folgen komplett vor. Sie ist auch der einzige sichtbare Link zu The Ring Thing, dessen Crew sich beim Scharmör quasi die Sporen für den Schweizer LOTR-Abklatsch abverdient hat. Warum bei soviel Talent nichts wirklich Schlaues aus der Tolkien-Persiflage wurde, liegt wohl am deutschen Autor. Jedenfalls muss trotz der Abschaffung von "Oops" und der spärlichen Comedy beim SF DRS nicht komplett auf Humor der derben Sorte verzichtet werden. Die kleinen Episödchen "Wendepunkt und Meilenstein" innerhalb der Satiresendung "Punkt.CH" tragen ganz klar Mark Schipperts Handschrift. Das sind zwar nur zwei Minuten pro Woche aber immerhin etwas. Denn die Scharmör-DVDs gibt's bis auf weiteres "nur unter mysteriösen Umständen".

4.8 Sterne 4.0 Sterne
4.8 Sterne (4 Bewertungen) | 6 Kommentare

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02.03.2005 / rm


DVD-Infos

  • Bildformat: 4:3 (Widescreen)
  • Sprachen: Schweizerdeutsch 2.0 Stereo
  • Untertitel: Fehlanzeige
  • Extras: "Scharmör rocks" (Zusammenschnitt der ersten 100 Sendungen), "Gran Canaria" (Dehbericht zur Inselstaffel), "Hardcore" (Für private Swinger Parties)

Bewertung: 4.8 (4 Bewertungen)
4.8 Sterne » BewertenScharmör - Was gaffsch so gschissä? (1998)4.84

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