Kurz und schmerzlos (1998)
Kurz und schmerzlos (1998)
Oder: Miniatur-Scorsese in Hamburg-Altona
Gabriel (Mehmet Kurtulus), Bobby (Aleksandar Jovanovic) und Costa (Adam Bousdoukos) sind drei Kleinkriminelle aus Hamburg-Altona. Gabriel, der Türke, wurde gerade aus der Haft entlassen. Bobby, der Serbe, will sich der Albaner-Mafia anschliessen. Costa, der Grieche, wird von Gabriels Schwester Ceyda (Idil Üner) sitzen gelassen.
An der Hochzeit von Gabriels Bruder treffen sich die drei zum ersten Mal seit Gabriels Gefängnisstrafe. Der Türke ist geläutert und will als Taxifahrer auf dem rechtschaffenen Weg bleiben und entzieht sich dem Umwerben von Bobby, der ihn auch gern bei den Albanern dabei hätte. Zum Verhängnis wird Gabriel die Freundin von Bobby, Alice (Regula Grauwiller), die wenig mit den Chef der Albanermafia anfangen kann. Die beiden kommen sich näher. Gleichzeitig muss Bobby einen Waffenhandel über die Bühne bringen, um sich bei den Albanern beweisen. Der Handel verläuft nicht nach Plan...
DVD-Rating
Kurz und schmerzlos ist Fatih Akins Erstling und hat eingeschlagen wie eine Bombe. Er wurde mit Preisen an Festivals (unter anderem den Bronzenen Leoparden für die Darsteller in Locarno) ausgezeichnet und wurde in den deutschen Studiokinos zum Renner. Mit Geldern des ZDF hat Akin, der erst nachdem ihn der Produzent dazu verleitet hat, als Regisseur zu amten begann, eines seiner eigene Drehbücher verfilmt. Ursprünglich wollte er Gabriel gleich selber mimen. Im nachhinein kann es nur als Glücksfall bezeichnet werden, dass da keine anderer gefunden werden konnte. An Akin hat die Welt - ähnlich wie bei Quentin Tarantino - keinen grossartigen Schauspieler verloren. Als Regisseur war es aber der Beginn einer interessanten Karriere.
Die Geschichte hat autobiographische Züge. Einige Darsteller sind Kumpels von Akin aus Altona, die einen Grossteil der Dialoge improvisiert haben, was sich positiv auf die Authentizität des Streifens auswirkt. Den Darstellern gebührt deshalb auch einen grossen Teil der Ehre. Es ist nicht die grosse Schauspielkunst, was das Ensemble der drei Secondos zu bieten hat. Ein Adam Bousdoukos wäre wahrscheinlich nicht in der Lage irgendetwas anderes als den übermütigen Costa zu spielen. Aber hier passt er - wie die zwei andern - wunderbar. Auch die Frauen überzeugen. Eine Regula Grauwiller, die übrigens aus der Schweiz stammt, überrascht als süsses Objekt der Begierde. Warum sie für die meiste Zeit ihrer doch langen Karriere in TV-Produktionen versauern musste ist mir ein Rätsel.
Die Anleihen, die sich Fatih Akin bei Scorseses Mean Street und anderen Gangsterfilmen genommen hat sind offensichtlich. Akin ist ein Fan des Altmeisters und gibt es auch offen zu. Man merkt dem Film ausserdem das limitierte Budget an. Und wenig Geld mit jugendlichem Übermut vereint, ist nicht immer bekömmlich für das filmische Endresultat. Kurz und schmerzlos bleibt aber auch fünf Jahre danach ein bemerkenswertes Debüt.
Die DVD zu Kurz und schmerzlos erschien bei Universal. Auch hier macht sich das limitierte Budget bemerkbar. Die Bildqualität steht einer Episode von Derrick am TV in nichts nach: Nicht anamorph abgetastet, fahle Farben, eine gewisse Unschärfe und eine Tonspur, die nur Dolby Stereo zu bieten hat. Beim Bonusmaterial ist es aber wieder ein typischer Akin. Sein Audiokommentar ist ehrlich und spannend. Ein 12-minütiges Feature blickt hinter die Kulissen, zeigt rausgeschmissene Szenen und ist, wie der Film, irgendwie anders als das, was sich sonst hinter einem solchen Extra versteckt. Kurze Interviews mit allen Darsteller und Akin, wahrscheinlich aus dem elektronischen Presskit, entnommen und der Trailer, mit prominenter Untermalung von Fünf Sterne Deluxe, runden das üppige Angebot ab.
![]()
5.0 Sterne (6 Bewertungen) | 0 Kommentare
DVD-Infos
Special Edition, erschienen am 06.11.2000
- Bildformat: Letterbox
- Sprachen: Deutsch: Dolby Digital 2.0 Stereo, Deutsch: Stereo
- Untertitel: keine
- Extras: Audiokommentar von Fatih Akin, Blick hinter die Kulissen, Interviews, Trailer, Star-Infos



