Jackie Brown (1997)
Jackie Brown (1997)
Oder: Tarantino zum Dritten
Eine halbe Million Dollar wird immer irgendwo vermisst. Dies müssen auch die Protagonisten in Quentin Tarantinos Jackie Brown feststellen. Gerade aus dem Gefängnis entlassen, sitzt Louis Gara (Robert De Niro) zusammen mit seinem Freund Ordell Robbie (Samuel L. Jackson) vor dem Fernseher. Ebenfalls anwesend ist das Strandhäschen Melanie (Bridget Fonda), die aber teilnahmslos an einer Haschpfeife raucht. Während in der Flimmerkiste "Chicks who loves Guns" läuft, wird Louis über Ordells aktuelles Geschäft ins Bild gesetzt. Er erzählt Louis von einer halben Million Dollar, die er in Mexiko aus seinen Geschäften gebunkert hat. Gerade in diesem Augenblick klingelt das Telefon: Ordells Helfershelfer Beaumont (Chris Tucker) wurde wegen Trunkenheit am Steuer eingebuchtet. Dies passt Ordell natürlich überhaupt nicht, da Beaumont ihn verpfeifen könnte. Also hinterlässt er beim Kautionsvermittler Max Cherry (Robert Forster) die nötigen 10.000 Dollar, um Beaumont aus dem Knast zu holen. Allerdings nur um diesen in einer nächtlichen Aktion mit zwei gezielten Schüssen endgültig aus dem Weg zu räumen.
Indes ist die Stewardess Jackie Brown (Pam Grier) unterwegs in die Staaten. Bei sich hat sie 50.000 Dollar und ein kleines Tütchen Kokain (ein kleines Geschenk für Melanie.) Doch bereits am Flughafen wird sie von den zwei Polizeibeamten Mark Dargus (Michael Bowen) und Ray Nicolette (Michael Keaton) begrüsst. Diese wollen natürlich wissen, woher sie das Geld hat und ob sie einen gewissen Ordell Robbie kennt. Doch Jackie schweigt beharrlich. Nicolette informiert sie, dass Beaumont kurz nach seiner Haftstrafe getötet wurde, doch auch das bringt die beiden Cops nicht weiter und da man ja niemanden wegen Besitzes von 50.000 Dollar einbuchten kann, macht man es eben wegen Drogenbesitzes. Als Ordell dies vernimmt, geht er erneut zum Kautionsvermittler Cherry und bittet ihn, die 10.000 Dollar für Beaumont, die ja nun wieder freigegeben sind, für die Freilassung von Jackie Brown zu verwenden. Widerwillig nimmt Cherry an und holt Jackie aus dem Gefängnis ab. Vor Jackies Wohnung wartet bereits Ordell, der mit ihr dasselbe vorhat wie mit Beaumont. Jackie hat damit bereits gerechnet und vorgesorgt: Sie liess eine Pistole aus Cherrys Handschuhfach mitgehen und überzeugt Ordell nun, sie am Leben zu lassen. Sie schlägt ihm sogar einen Deal vor: Sie schweigt und Ordell zahlt ihr 100.000 Dollar. Und ausserdem habe sie auch schon einen Plan, wie man die 500.000 Dollar aus Mexiko beschaffen kann.
Doch auch den beiden Cops macht sie einen Vorschlag: Sie werde ihnen helfen, Ordell zu schnappen, dafür gebe man ihr Straffreiheit und die Erlaubnis das Land zu verlassen. Beide Parteien gehen auf den Deal ein, doch Jackie will natürlich nur eines, nämlich sich das Geld selbst unter den Nagel reissen und irgendwo ein neues Leben anfangen.
DVD-Rating
Nach dem Überraschungserfolg Reservoir Dogs und Pulp Fiction, dem Kultfilm der 90er Jahre, stieg Quentin Tarantino innert kurzer Zeit zu einem gefragten Filmemacher auf. Und nach drei langen Jahren Wartezeit erschien mit Jackie Brown endlich seine dritte Regiearbeit. Huldigte Tarantino in Reservoir Dogs und Pulp Fiction den Gangsterfilmen und Schundheftchen, so sind es in Jackie Brown die Blaxploitation-Filme der 70er Jahre. Der Film basiert auf dem Roman "Rum Punch" von Elmore Leonard, was für Tarantino eine Premiere war, da seine vorherigen Filme Originaldrehbücher waren. Doch Tarantino wäre nicht Tarantino, wenn er diesem Film nicht seinen eigenen Stempel aufdrücken würde. So ist die Hauptprotagonistin im Buch eine Weisse, im Film aber eine Afroamerikanerin. Tarantino sagte im Nachhinein, dass er dies im Buch wohl überlesen hatte und er sich insgeheim bereits Pam Grier als Hauptdarstellerin vorstellte.
Die Geschichte läuft im Gegensatz zu Pulp Fiction oder Reservoir Dogs mehrheitlich linear ab und trotzdem muss man ziemlich aufmerksam sein, will man den Faden nicht verlieren. Denn die Story ist sehr komplex und mehr als einmal fragt man sich, was Jackie Brown mit ihrem dreifach verschachteltem Coup plant. Am besten ist dann auch der "Showdown" gelungen, der mehrmals hintereinander gezeigt wird, allerdings immer wieder aus der Sicht einer anderen Hauptperson, was nach und nach zum Durchblick verhilft. Die abwechslungsreiche Kamera verhält sich sehr stimmungsvoll, was auch auf die charismatischen Sets und deren Beleuchtung zutrifft. Natürlich fehlen auch in diesem Film die typischen Dialoge nicht, die sich ja bekanntlich nicht unbedingt um die eigentliche Geschichte drehen. Und auch der obligatorische "Trunk-Shot" und andere kleine Eigenheiten sind vorhanden.
Die Darsteller, die Tarantino-typisch hochkarätig besetzt sind, überzeugen auf ganzer Linie allen voran Pam Grier. Und ihr huldigt Tarantino dann auch in fast jeder Szene, was bereits im Vorspann sehr gut zu sehen ist, wenn ihr die Kamera in einer minutenlangen Sequenz folgt. Samuel L. Jackson, mit Pferdeschwanz und geflochtenem Kinnbärtchen, verleiht seiner Figur Ordell eine extreme Coolness. Sein etwas dusseliger Kollege wird von Schauspiel-Gott Robert De Niro dargestellt, über den man ja kein Wort mehr verlieren muss. Und auch Bridget Fonda lebt die Rolle des Beach-Girls Melanie förmlich, bis sie in einer durchaus witzigen Szene ihr Leben lassen muss. Äusserst positiv fällt auch Michael Keaton auf, der seiner Figur eine witzige und zugleich ernste Art verpasst.
Allerdings ist auch dieser Film natürlich nicht perfekt. So zieht er sich in seinen fast 2.5 Stunden teilweise doch ein bisschen hin, kann dies aber zum Grossteil durch die Dialoge und den wie immer genialen Soundtrack wieder gut machen. Die Erwartungen waren gerade wegen Pulp Fiction sehr hoch, doch diese kann der Film schlussendlich nicht ganz einhalten. Doch das soll natürlich nicht heissen, dass der Film schlecht ist, ganz im Gegenteil: Er ist einfach der "Gewöhnlichste" den Tarantino bisher gemacht hat.
Kommen wir zur Technik der deutschen Code 2 Disc: Das Bild ist zwar nicht überragend, geht aber doch noch als "befriedigend" durch. Leider befindet sich der Film aber nur im 4:3 Format auf der Disc, da gebe ich mich auch nicht mit einer Pseudo-Widescreen Option zufrieden, die man per Knopfdruck einschalten kann. Ausserdem lassen sich im Englischen Original die deutschen Untertitel aus Lizenzrechtlichen Gründen nicht ausblenden, was zwar ärgerlich ist, man aber trotzdem noch verschmerzen kann. Das Bonusmaterial ist leider nicht wirklich der Rede wert: Da hat es " Cast und Crew Infos", "Referenzen und Inside Jokes", einige so genannte "Goofs" (Regiefehler), ein interaktives Features namens "Schnapp die $100, ein"Interview mit Quentin Tarantino und Robert DeNiro, Statements von den Stars und diverse Trailer zu einigen Tarantino Filmen. Das einzige was also wirklich zum Kauf anregen sollte, ist der Film, doch für den allein lohnt es sich!
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4.6 Sterne (74 Bewertungen) | 9 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 12.07.2000
- Bildformat: 1:1.33 (optional Widescreen 1:1.85 Letterbox)
- Sprachen: Deutsch: Dolby Digital 5.1, Englisch: (mit fixen deutschen Untertiteln): Dolby Digital 5.1
- Untertitel: Deutsch (nicht ausblendbar)
- Extras: Cast und Crew Infos, Referenzen und Inside Jokes, Goofs (Regiefehler), "Schnapp die $100" (Interaktives Feature), Interview mit Quentin Tarantino und Robert DeNiro, Statements von den Stars



