Funny Games (1997)

Funny Games (1997)

Oder: Tödliche Spiele, kaputte Eier und blutige Schläger.

Funny Games

Cool, 4D TV!

Ferien, das bedeutet normalerweise Frieden, Entspannung, etwas auf dem See segeln und mit den Freunden Golf spielen. Jedenfalls erwarten dies Georg (Ulrich Mühe), Anna (Susanne Lothar) und ihr Sohn Schorschi (Stefan Clapczynski), als sie zu ihrem Ferienhaus fahren. Sie freuen sich auf ein paar Tage Ruhe auf dem Land, und während Anna im Haus das Abendessen vorbereitet, lassen die Männer das grosse Segelboot ins Wasser. Natürlich ist Anna ganz erstaunt, als es kurz darauf an der Türe läutet und ein Mann mit weissen Handschuhen (Frank Giering) höflich nach vier Eiern für das Essen fragt. Anna ist natürlich bereit, ihm auszuhelfen und denkt sich auch nicht viel dabei. Doch dann gehen die ersten vier Eier zu Bruch, und der mysteriöse Mann fragt nach vier weitern, denn schliesslich hat Anna eine 12er Packung im Kühlschrank.

Funny Games

*zwinker* lasst uns sie fertig machen!

Schon etwas verärgert beginnt Anna, vier weitere einzupacken und ist dann endgültig frustriert, als der ungeschickte Mann, der sich als Peter vorstellt, noch ihr Handy ins Wasser wirft. In dem Moment stösst ein weiterer Mann (Arno Frisch) dazu, der sich als Paul vorstellt und Anna gerade nochmals beruhigen kann. Sofort sprechen Paul die Golfschläger an, die in der Ecke stehen, und während Peter mit den Eiern davongeht, testet Paul einer der Schläger im Garten. Anna hält die Sache für abgeschlossen, doch schon stehen die zwei mysteriösen Männer wieder in ihrer Küche. Anscheinend hat der Hund Peter angesprungen, und so sind die Eier ein weiteres Mal zerschlagen. Als die Männer dann wie selbstverständlich nach den letzten vier Eiern fragen, rastet Anna aus, bittet ihren Mann, die Männer aus dem Haus zu werfen. Diese bewegen sich jedoch keinen Zentimeter, zertrümmern ohne Vorwarnung Georgs Bein mit einem Schlag und verstricken die Familie in ein bösartiges Spiel: Paul schliesst mit der Familie eine Wette, dass sie am nächsten Morgen um 9 Uhr tot sein werde! Ein Kampf ums Überleben beginnt...


DVD-Rating

Gewalt ist ein Element, welches immer wieder zu Diskussionen anregt, und in Deutschland ist es inzwischen schon zum Volkssport geworden, Filme mit Gewaltinhalt zu verbieten. Wie angebracht das ist, ist natürlich Ansichtssache. Regisseur Michael Haneke wollte im Jahre 1997 seinen ganz eigenen Kommentar zur ewigen Gewaltberieselung im Kino, zu Hause und im Fernseher abgeben, und daraus entstand dann Funny Games - ein Film, der je nach Betrachter als Medienkritik angeschaut werden kann, aber auch als Horrorfilm oder Psychothriller.

Rein vom Plot her ist Funny Games natürlich als klassischer Horrorfilm einzuordnen, denn wo sonst erhält man die Story, in der eine Familie in die Ferien fährt und dort von zwei Unbekannten terrorisiert und gefoltert wird? Gegen alle Erwartungen ist Funny Games jedoch bei weitem keine Gewaltorgie geworden, denn Regisseur Michael Haneke hat den Film ganz eigenwillig und extra anders inszeniert, als man es erwarten würde. So geschehen die Gewaltszenen meistens Off-Kamera, dafür wird um so mehr auf das Leiden der eigentlichen Opfer fokussiert, und teilweise gibt es über 10-Minuten lange Szenen, die dies ohne Schnitt dokumentieren. Über die Spieldauer wendet sich auch Paul - einer der Killer - direkt ans Publikum und zieht dieses sozusagen als Anstifter in die Handlung ein, denn schliesslich wollen die Zuschauer ja sehen, wie die Familie zerstört wird, und macht sie so auch dafür verantwortlich. Einige erfrischend unverbrauchte Storytwists machen den Film zusätzlich interessant und heben ihn aus der Menge heraus. Über die ganze Laufzeit will diese motivlose Gewaltstudie aber doch nicht überzeugen, denn trotz vielen Geredes wird keine wirkliche Aussage gemacht.

Funny Games ist klar keine der üblichen 08/15-Produktionen und kann mit den beiden permanent freundlichen Killern Arno Frisch alias Paul und Frank Giering alias Peter und mit den sehr gut ausgewählten Darstellern der Familie durchaus überzeugen. Obwohl dies sehr positiv klingt, über die ganze Laufzeit von 108 Minuten wirkt Funny Games mit seinem aufgedrückten Arthaus-Stil doch recht langweilig. Da hilft es auch nicht, wenn trotz der speziellen Inszenierung alle bekannten Horrorklischees abgefackelt werden und vom gestohlenen Handy bis hin zum Anhalten des falschen Autos während der Flucht alles vertreten ist.

Fazit: Obwohl Funny Games auf einem äusserst simplen Plot basiert, hat Regisseur Michael Haneke klar etwas Spezielles abgeliefert. Viele versteckte Botschaften und absolut überzeugende Darsteller geben Funny Games eine gewisse Qualität, die ihn auch dank einiger recht unerwarteter Handlungswendungen erfrischend unverbraucht macht. Dennoch, so gute Ansätze der Film auch bietet, er hat eine deutliche Überlänge, und sehr oft geht durch die träge Kameraführung und den fehlenden Soundtrack jede Spannung verloren. Letztendlich ist er sicher einen Blick wert, doch der Hammerfilm ist es nicht wirklich geworden. Anscheinend hat er jedoch die Amerikaner überzeugt, denn erst vor kurzem ist das Remake Funny Games U.S. mit Naomi Watts in den Kinos angelaufen.

Die DVD berauscht allerdings überhaupt nicht in der Qualität. Das Bild ist grottig und hat nicht nur Schnee sondern ist auch unscharf. Der Ton ist sehr centerlastig und arbeitet kaum mit dem Surround. Das Bonusmaterial enthält einen Trailer, ein paar Zeitungsschnipsel und ein Interview mit dem Regisseur in französischer Sprache. Recht enttäuschend.

4.8 Sterne 2.2 Sterne
4.8 Sterne (21 Bewertungen) | 0 Kommentare

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14.07.2008 / db


DVD-Infos

DVD erschienen am 09.06.2005

  • Bildformat: Widescreen 1.78:1 (Anamorphisch)
  • Sprachen: Deutsch: Dolby Digital 2.0 (Stereo), Deutsch: Dolby Digital 5.1, Deutsch: DTS 5.1 Surround
  • Untertitel: -
  • Extras: Interview mit Regisseur Michael Haneke, Interviewclips mit den Hauptdarstellern Ulrich Mühe und Susanne Lothar, Gesammelte Pressezitate, Trailer zu weiteren Kinofilmen