Kolya (1996)
Kolya (1996)
Oder: Big Daddy in Tschechien
Louka (Zdenek Sverák) war mal Cellist bei den Prager Symphonikern. Jetzt schlägt sich der alte aber überzeugte Junggeselle mit Auftritten bei Beerdigungen durch und muss nebenbei noch Grabsteine restaurieren. Sein Traum wäre es, einen Trabant zu besitzen, um sein Instrument einfacher transportieren zu können. Doch dazu fehlt das Geld. Eine Scheinehe mit einer jungen Russin bringt ihn zum unerhofften Reichtum. Doch als die frisch Vermählte in die Bundesrepublik Deutschland flüchtet, bleibt Louka alleine zurück mit dem fünfjährigen Kolya (Andrei Chalimon). Mit Kindern kann Louka es aber nicht so gut. Vor allem wenn sie nur Russisch sprechen. Und die Staatssicherheit wird auch langsam misstrauisch wegen der verschwundenen Ehefrau.
DVD-Rating
Von Miramax gepusht, gewann der tschechische Film Kolya 1997 den Oscar und den Golden Globe für den besten fremdsprachigen Film. Unvergessen dabei die Preisübergabe, als der Darsteller des kleinen Kolya in Los Angeles mit auf die Bühne durfte und Hauptdarsteller und Drehbuchautor Zdenek Sverak dem Goldmännchen von seiner neuen Heimat Prag erzählte, und schon auf ein Brüderchen hoffte. Ausser zweier weiterer Nominationen für tschechische Filme in dieser Kategorie seither wurde nichts draus.
Zelary und Musíme si pomáhat, die beide in den Jahren nach Kolya nominiert waren, sind sicher weniger herzerwärmend als diese kleine Geschichte aus der Zeit vor dem Fall des eisernen Vorhangs. Kitsch mit Kinderdarsteller, wie die Szene an der Oscarverleihung vermuten liess, ist der Film nämlich nicht geworden. In kleinen, detailverliebten Episoden öffnet sich das Herz des eigenbrödlerischen Frauenhelden, als er sich des kleinen Schnuddergoofs in Lederhosen annehmen muss. Der Junge spielt so herzallerliebst, dass man die sich anbahnende Scheinehe mit Hindernissen, die mit dem Wegzug der Mutter ihr Ende findet, nicht weiter vermisst. Der leicht makabre Nebenjob von Louka und die Kommunistenfunktionäre, die über Kolyas Zuneigung auch nur staunen, wirken wunder, wenn der Film zu klebrig zu werden droht. Hauptdarsteller Zdanek Sverák hat sich seine Rolle auf den Leib geschrieben. Sein Sohn Jan führte Regie. Kolya ist deshalb ein wunderschöner Familienfilm durch und durch. Ein eher langes Making-of, das ganz anders gefilmt wurde als die amerikanischen Features dieser Art, ist das einzige Bonusmaterial auf der DVD. Logischerweise befasst es sich vor allem mit dem Jungen.
![]()
4.8 Sterne (8 Bewertungen) | 0 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 23.06.2005
- Bildformat: 1.85:1 (anamorphic Widescreen)
- Sprachen: Deutsch (Stereo), Französich (Stereo), Spanisch (Stereo); Tschechisch (Stereo)
- Untertitel: Englisch, Englisch für Hörgeschädigte, Deutsch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch,
- Extras: Making-of (20 Min)


