Strange Days (1995)

Strange Days (1995)

Oder: Milleniumsfeier zum Abgewöhnen

Was gegen meine Frisur?

Was gegen meine Frisur?

Los Angeles kurz vor der Jahrtausendwende. Die Welt ist aus den Fugen geraten, es herrschen Gewalt und Polizeistaat. Der Ex-Cop Lenny Nero (Ralph Fiennes) handelt mit einer neuen Droge: Er dealt mit sogenannten Squids, illegale Discs mit denen sich Wahrnehmungen, Gefühle und Aktionen anderer Personen aufzeichnen und per speziellen Headsets erleben lassen. Das Erlebte ist so echt, dass man sich für einige Minuten in eine andere Welt versetzt fühlt: Raubüberfälle, Sex, Mord, einfach alles.

Schlussverkaufsansturm!

Schlussverkaufsansturm!

Als Lenny die Ermordung einer ihm bekannten Prostituierten in die Hände kommt, weiss er seine ehemalige Freundin Faith (Juliette Lewis) gefährdet. Er versucht sie von der Gefahr zu überzeugen, doch Faith will von Lenny nichts mehr wissen. Mit Hilfe der Leibwächterin Mace (Angela Bassett) versucht er dennoch der Sache auf den Grund zu gehen und stösst dabei auf einen Strudel von Gewalt, Lügen und Komplott.


DVD-Rating

Jahre vor dem mit fast paranoider Spannung erwarteten Milleniumswechsel hatte James Cameron die Idee zu diesem düsteren Science Fiction-Thriller. Für die Regie stand er allerdings nicht zur Verfügung, zu sehr war er in die Vorbereitungen zu Titanic vertieft (kleines Wortspiel...). So wurde das Projekt der damals heissesten weiblichen Filmemacherin Hollywoods übergeben: Kathryn Bigelow, die fünf Jahre zuvor mit Blue Steel einen Topthriller auf die Beine stellte.

Strange Days ist ein gewalttätiger, deprimierender Blick in eine nicht allzu weit entfernte Zukunft. Squids gibt es zwar (noch) nicht, davon sind wir noch ein Weilchen entfernt, aber mit dem Herumreichen von Gewaltexzessen und Pornos per Handy, des Kicks wegen, könnte man Camerons Aussicht schon beinahe als vorausschauend bezeichnen. Die Idee des subjektiven Wahrnehmens von Erlebnissen, die andere aufgezeichnet haben, wurde im grossartigen Brainstorm bereits eindrücklich gezeigt und Virtual Reality war gerade Mitte der 90er das neue, viel missbrauchte Zauberwort. Cameron verbindet in seiner Geschichte diese beiden Visionen mit Realismus und bettet sie in ein hoffnungsloses Umfeld von Gewalt und wütenden, rebellischen, ausser Rand und Band geratenen Zuständen, die Cameron bereits zu Zeiten der schweren Rodney King Unruhen in Los Angeles zu einer Storyline ausbaute.

Bigelow ist ein Film gelungen, der so utopisch also gar nicht ist. In dieses Ambiente werden rundum kaputte Charaktere plaziert, deren innerer Antrieb nur aus Eigennutz besteht. Ralph Fiennes spielt den modebewussten Squid-Dealer Lenny Nero mit vollem Körpereinsatz, Juliette Lewis, von der man in letzter Zeit allzu wenig zu sehen bekam, ist simpel und einfach heiss und die lange Mähne von Tom Sizemore, als schlurfiger Max, lässt immer wieder ein verhaltenes Schmunzeln aufkommen. Der gediegen-schmutzige Look des Films erinnert an Blade Runner, manchmal an Matrix und an Terminator 2 (die beiden bad cops!).

Über zwei Stunden spannender Voyeurismus sind garantiert. Nur das Ende, das passt dann eben doch nicht so ganz zum Gesamtbild.

Extras: Nicht immer wenn eine Zusatz-DVD mit Bonusmaterial vollgestopft scheint, bedeutet das gute Informationen rund um den Film. So etwa könnte man die Extras bei Strange Days umschreiben. Einige der Infos sind auf oft recht kurzen Texttafeln enthalten, das Making Of ist das originale von 1995 und nur bedingt unterhaltend. Ausserdem ist es nur Deutsch synchronisiert vorhanden. Es finden sich ausserdem zwei nicht verwendete Szenen, beide nicht wirklich ein Muss. Die beiden Featurettes sind zwar recht lang, enthalten aber lediglich den Kommentar der Regisseurin mit einem verkleinerten Ausschnitt für die Szenen. Das Bild kann nicht in allen Facetten überzeugen, ist aber immerhin zum ersten Mal anamorph erschienen. Besonders in den bräunlich-dunklen Szenen ist ein Grundrauschen nicht zu übersehen und schwarz ist nicht immer schwarz. Die Schärfe ist ebenfalls nicht perfekt, aber doch überzeugend. Interessant ist sicher die Tonspur, die besonders in den Squid-Clips mit Effekten aus den beiden hinteren Boxen auflebt, aber auch in den vielen musikalischen Einlagen, wo es schon mal ohrenbetäubend zugehen kann.


OutNow.CH:

Bewertung: 5.05

 

17.09.2006 / pb

Community:

Bewertung: 4.7 (44 Bewertungen)

 

 

» Deine Wertung?

Kommentare:

2 Kommentare