Pocahontas (1995)
Pocahontas (1995)
Oder: Disney am Boden
Im wilden Amerika lebt ein Indianerstamm, dessen Krieger gerade von einem Kampf mit einem rivalisierenden Stamm zurückgekehrt sind. Die Tochter des Häuptlings, Pocahontas, hat aber wenig Lust, die ernsten Krieger zu bewundern, sondern widmet sich mit ihren Begleitern (ein Kolibri und ein Waschbär) lieber der Natur und dem Wind zwischen den Bäumen. Obwohl einer der Krieger sie zur Frau haben möchte, ziert sie sich. Denn in Zwiegesprächen mit der alten Weide (ein Baum, der reden kann und Weisheiten verteilt) hat sie erfahren, dass der ihr bestimmte Weg ein anderer ist. Was wird auf sie zukommen?
In England hingegen steht das grosse Schiff "Susan Constant" kurz vor Auslauf. Der Abenteurer John Smith (Stimme von Mel Gibson) ist ebenfalls an Bord. Vor allem er hat schon gegen "Wilde" gekämpft und ist sich sicher, auf dieser Reise ebenfalls wieder auch solche zu treffen. Der Leiter dieser Expedition heisst Radcliffe und hat nur zwei Sachen im Kopf. Seinen verwöhnten Mops (also das Hündchen) und die Gier nach Gold. Denn keinesfalls fährt das Schiff in die Virginia Kolonie, um dort Häuser zu bauen oder das Land zu beackern. Nein, Gold solls sein. Denn wie man ja weiss, haben die Wilden jede Menge davon. Und genau das will der gierige Radcliffe holen, hofft er sich doch dadurch am königlichen Hof wieder höheres Ansehen.
Die Reise beginnt und endet geplant. Die ersten Konfrontationen zwischen Indianern und Engländern endet mit einem am Bein verletzten Krieger aus Pocahontas' Stamm. Es wird zum Krieg geblasen. Und während sich Weiss gegen Rot bewaffnet, nähern sich John Smith und Pocahontas in ihren nächtlichen Treffen. Als der Krieger, der eigentlich die Häuptlingstochter heiraten wollte, eine dieser nächtlichen Begegnungen beobachtet, greift er ein und wird von Smiths (unbewusstem) Begleiter getötet.
John Smith soll dafür vom Indianerstamm hingerichtet werden. Kann Pocahontas eingreifen? Wird ein Krieg der beiden Völker verhindert? Seit wann essen Waschbären Zwieback?
DVD-Rating
1992 kam Aladdin, 1994 The Lion King und dann der für mich langweiligste und schrecklichste Disneyfilm der Neuzeit. Pocahontas. Dass die Company ab da den Schritt zu eckigen Gesichter (mit Hercules 1997 und Mulan 1998) machte, passte mir als Fan der grossen und schönen Filme erst recht nicht. Da helfen auch keine lustigen Viecher und schöne Lieder mehr. Dazu kommt hier eine Geschichte, die ernster kaum sein kann. Und wären da nicht die wirklich witzigen Momente mit Meeko, dem Waschbär und dem Mops, ich würde diesen Film als schlechtesten Disney aller Zeiten benennen.
Es gab ja mehr als eine Diskussion darüber, ob es in Ordnung sei, eine eigentlich wahre Geschichte um eine Person so zu "verdisneyisieren", dass die Geschehnisse weder geschichtlich korrekt wiedergegeben werden, noch dass sich die Personen so charakterisieren lassen, dass die Bücherwürmer weltweit zufrieden ihre Nase in den nächsten Geschichtsschmöker stecken dürfen. Nein, es wurde angeklagt, diskutiert, verflucht und boykottiert. Nun, genützt hat alles nichts, denn trotz (oder wegen?) diesen Vorkommnissen spielte der Film satten Gewinn ein.
Ich kenne die "wahre" Geschichte von Pocahontas nur am Rande und wenn ich einen Disneyfilm schaue, will ich mir nicht Gedanken über wahr oder unwahr machen. Ich will unterhalten werden. Von mir aus auch mit Liedern, aber sicher mit viel Humor, lustigen Figuren und einer Geschichte die mich packt. Pocahontas hat leider ausser den witzigen Tierszenen (siehe die Stelle mit dem Mops und dem Waschbär) nicht viel zu bieten. Zugegeben, die Songs hätten durchaus schlechter ausfallen können, waren mir aber eindeutig zu viel. Dazu kommen ernste Charaktere, von denen eventuell der überzeichnete Bösewicht noch am ehesten meinen Ansprüchen genügen konnte. Den Rest kann man getrost vergessen.
Fazit: Hätte der Film keine Tierszenen, wäre er stinklangweilig und für Kinder keinesfalls zu empfehlen. Disney hat es aber gerade nochmals geschafft den Rank zu kriegen und (Viechern sei Dank) schlussendlich präsentiert sich der Film als solide und in Ordnung. Im Gegensatz zu anderen, schönen und grossen Disneyfilmen stinkt er aber ab. Damals von mir als "Ausrutscher" betitelt, setzte Pocahontas den Startschuss zu einem negativen Trend, aus dem nur vereinzelt wieder gute Filme ausbrechen konnten. The Emperors New Groove, Lilo and Stitch oder auch Brother Bear sind solche löblichen Ausnahmen.
Nachdem die übliche Trailershow, die man auf DVDs vom "House of Mouse" immer wieder findet, vorbeigedrückt worden ist, findet man sich im Hauptmenü wieder. Ein Abenteuerbuch nimmt dem ungeduldigen Seher die Arbeit ab und erklärt den ganzen Film in gezeichneten Bildern. Die Geschichte kann man hören oder lesen. Je nach dem, was man besser beherrscht. Ein Quiz, das den Namen eigentlich nicht verdient, ist der nächste Punkt auf der Extra-Menü-Liste. Die Fragen sind wohl selbst für die Kleinsten leicht zu lösen. Oder wer weiss nicht, wie die Tochter des Häuptlings heisst oder was der gierige, englische Kommandant sucht. Eben. Einen alten, aber unterhaltsamen Kurzfilm über "Klein Adlerauge" wird nun vorgeführt. Dauert ca. 9 Minuten, ist aber witziger als der Hauptfilm... Schlussendlich schmachten einem noch zwei Musikvideos entgegen. Aber sonst hat die DVD herzlich wenig zu bieten.
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3.7 Sterne (28 Bewertungen) | 2 Kommentare
DVD-Infos
Special Collection, erschienen am 25.01.2001
- Bildformat: 1:1.66
- Sprachen: Deutsch (Dolby 5.1), Englisch (Dolby 5.1)
- Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch
- Extras: Trailershow, Musikvideos, interaktives Abenteuer, Quiz, Kurzfilm



