Murder in the First (1995)

Murder in the First (1995)

Oder: Wider die Unmenschlichkeit

Murder in the First

"Please smile!"

Henry Young (Kevin Bacon) ist gerade mal 16, als er fünf $ klaut um sich und seine Schwester wenigstens für einen Tag durchzubringen. Doch er wird erwischt und kommt unter ziemlich nebulösen Umständen auf die Gefängnisinsel Alcatraz. Die liegt in der Bucht von San Francisco, umgeben von unüberwindbaren Strömungen und somit praktisch ausbruchssicher.

Im März 1938 wird er nach einem versuchten Ausbruch in ein Kellerloch gesteckt, in dem er 3 Jahre dahinvegetiert. Seine einzige Gesellschaft sind Spinnen, Ratten, der Dreck des Kellerlochs, das unaufhörliche Tropfen, Dunkelheit und Stille. Die einzige Verbindung zur Aussenwelt ist der sadistische Direktor (Gary Oldman), der ihn nach Herzenslust foltert und grausam verkrüppelt.

Murder in the First

Die schöne Seite von Alctraz.

Im Juni 1941 wird Henry Young an die Helligkeit gezerrt und in den Gefängisalltag zurückgeschickt. Doch zu viel ist zu viel und der "Kulturschock" bringt ihn um den Verstand. Gleich an seinem ersten Tag tötet er im Affekt einen seiner Peiniger und soll daraufhin für diese Tat zum Tode verurteilt werden.

Seine Verteidigung wird dem jungen Harvard-Absolventen James Stamphill (Christian Slater) zugeteilt. Obwohl er unerfahren ist, stürzt er sich mit Elan in seine schier unlösbare Aufgabe. Wie soll man einen Mann, der vor 200 Zeugen seinen Peiniger getötet hat, vor der Gaskammer retten? Ohne Rücksicht auf seine eigene Karriere entwickelt James Stamphill den Prozess zu einer Anklage gegen die Unmenschlichkeit Alcatraz'.


DVD-Rating

Alcatraz war schon Handlungsort vieler vieler Filme (u.a. The Rock mit Sean Connery und Nicholas Cage), genau wie San Francisco. Da Alcatraz eine Gefängisinsel ist, kann man hier praktisch nur Filme über das Gefängis selbst drehen - was mit diesem Streifen hier eindrücklich bewiesen wird. Die jetztige Touristen-Attraktion, heute von Millionen Menschen besucht, war einst ein brutales Gefängnis für Schwerverbrecher, auf dem sadistische und grausame Folterungen zum Alltag gehörten.

Der Fall Henry Youngs, nach dem Murder in the First gedreht wurde, war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat - und im Endeffekt die Schliessung des Gefängnisses zur Folge hatte. Gefoltert, bei Wasser und Brot wie eine Ratte in einem dreckigen Kellerloch gehalten wurde Young ohne jeden Grund von den Wärtern und dem Direktor als menschlicher Punchingball benutzt und je nach Lust und Laune gefoltert oder ihm mal eben die Achillessehne durchgeschnitten.

Aus seinem Loch, in das so gut wie kein Licht kam und das ungefähr so gross war wie eine Toilette in jedem x-beliebigen Restaurant, wurde er pro Jahr (!!!) 30 Minuten an die frische Luft gebracht um anschliessend wieder eingesperrt zu werden. Überlebt hat er das alles durch pure Willenskraft und seine (zumindest zeitweise) Rettung hatte er einem jungen und unerfahrenen Anwalt zu verdanken, der sich kräftig für ihn ins Zeug legte.

Diese Geschichte ist es wert, verfilmt zu werden. Es gibt ja so einiges an Filmen, die die Menschheit nicht wirklich braucht, aber die besten Storys schreibt noch immer das Leben. Und eine solche muss man praktisch verfilmen.

Mit Christian Slater, Gary Oldman und vor allem Kevin Bacon ist vor knapp 10 Jahren (der Film wurde 1994 gedreht) eine Topriege an Schauspielern angetreten um der Geschichte Leben einzuhauchen. Überzeugend, wahnsinnig authentisch und unter die Haut gehend wird der Leidensweg Henry Youngs gezeigt. In ausdrucksstarken und zum Teil herzzerreissenden Bildern fühlt man mit und bekommt einen wahren Hass auf die Obrigkeit, die es so lange versäumt hatte, die Umstände auf Alcatraz zu klären. Gerade in einer Zeit, als die USA sich im Vorstadium eines Krieges gegen einen rassistischen Diktator befanden, wurden solche Umstände im eigenen Lande schön leise unter den Teppich gekehrt.

Dass Young nur fünf $ geklaut hatte und trotzdem mit lauter Schwerverbrechern auf Alcatraz eingeliefert wurde ist schon mal der erste Schrecken. Dass er nach einem missglückten Ausbruchsversuch dann fast 3 Jahre in einem Loch verbringen muss, das vom Staat Einzelhaftzelle genannt wird und in das man höchstens 19 Tage eingesperrt sein darf, ist der nächste Schock.

Alles in allem ist es dieser Film wirklich wert, gesehen zu werden. Für solche Streifen sollte man sich Zeit nehmen und danach kräftig drüber nachdenken, was man eigentlich über Gefängnisse weiss. Dass die Amerikaner (aber nicht nur die!) in Foltermethoden einigermassen versiert sind zeigen nicht nur diverse Filme sondern leider zur Zeit auch die Realität. Von daher ist der Film leider wieder hochaktuell. Schaut ihn euch einfach an ...

Die DVD verfügt nur noch über ein Sprachenmenü ... sehr schade, da hätte man wirklich mehr rausholen können.

5.1 Sterne 1.0 Stern
5.1 Sterne (16 Bewertungen) | 1 Kommentar

6.0 Sterne6 von 0.0-6.0
25.05.2004 / Mandella


DVD-Infos

DVD erschienen am 06.05.2004

  • Bildformat: 1:1.85
  • Sprachen: Deutsch (DD 2.0/DS) / Englisch (DD 2.0/DS)
  • Untertitel: Deutsch / Englisch
  • Extras: -

Murder in the First (1995)
Bewertung: 5.1 (16 Bewertungen)
5.1 Sterne » BewertenMurder in the First (1995)065.1176516

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