Judge Dredd (1995)

Judge Dredd (1995)

Oder: Court's adjourned

Judge Dredd

Die Chinesische Mauer von Morgen

Wir schreiben das Jahr 2139 - die Welt ist zerstört und die verbliebenen Menschen drängen sich in gigantischen Mega-Citys zusammen, wo sie abgeschirmt von der vergifteten Erde überleben können. Innerhalb dieser Städte herrscht jedoch immer wie mehr Chaos, die lokalen Polizeitruppen können die Kriminalität kaum mehr eindämmen. Das ursprüngliche Gerichtssystem ist schon lange zusammen gebrochen: Heute sind die Gesetzeshüter eine Ein-Mann-Armee, die Ankläger, Richter und Urteilsvollstrecker in einer Person verkörpern und so viel effizienter und radikaler vorgehen können.

Judge Dredd

Mimiktraining heute: Freude.

Der beste dieser Gerichtsvollstrecker ist der gefürchtete Judge Dredd (Sylvester Stallone), der sich das Gesetz zur Religion gemacht hat und diesem ohne zu zögern auf den letzten Buchstaben folgt. Sein Mentor ist Chief Justice Fargo (Max von Sydow), der ihn seit der Akademie begleitet und gelehrt hat. Dredds heile Welt bricht jedoch in sich zusammen, als er unter Mordanklage festgenommen und vor ein Tribunal geführt wird. Die dort präsentierten Beweise sind erschütternd, und nur dank Fargos Rücktritt als oberster Ratsvorsitzender wird Dredds Leben geschont. Während Fargo den langen Marsch in die Wildnis ausserhalb der Stadt antritt, wird Dredd in die Strafkolonie verfrachtet, wo er für den Rest seines Lebens versauern soll.

Der Gefangenentransporter mit Dredd an Bord wird jedoch abgeschossen und er stürzt mitten in der Wüste ab, wo die Häftlinge bereits von sadistischen Kannibalen erwartet werden. Doch das ist erst der Anfang eines gefährlichen Abenteuers, bei dem es nicht nur darum geht, die Mega City vor dem absoluten Chaos zu retten, sondern auch um einen Geist aus Dredds Vergangenheit, der nichts an seiner Boshaftigkeit eingebüsst hat und jetzt endlich Rache will.


DVD-Rating

Silvester Stallone hat in seiner Karriere viele Filme gemacht, die eher schwankende Qualitäten hatten. Die Comicadaption Judge Dredd ist neben Demolition Man oder Death Race 2000 einer der wenigen Sci-Fi Filmen in seinem Repertoire, kann aber leider qualitativ nicht an Demolition Man anknüpfen.

Judge Dredd spielt in einer Postapokalyptischen Welt, wo sich der Alltag der Menschen in Mega-Citys abspielt, welche unter Überbevölkerung, einem schlechten Zustand und hoher Kriminalität zu leiden haben. Dies wird sehr gut eingefangen, und obwohl die Stadt etwas bunter ist, als die dauerverregnete Blade Runner-Version, vermag Regisseur Danny Cannon mit sehr düsteren und verfallenen Bilder eine ähnlich dichte und auch glaubhafte Endzeitatmosphäre aufzubauen. So werden nicht nur verlotterte Wolkenkratzer, sondern auch alte Kampfroboter und Verfolgungsjagden zwischen den Hochhaustürmen geboten - eine wahre Freude fürs Auge. Dieses gute Setdesign ist eine der grossen Pluspunkte von Judge Dredd, wer sich gerne Endzeitfilme ansieht, wird davon sicher begeistert sein.

Leider hält die Lobeshymne nicht an, denn so gut die Stadt und auch die Szenen ausserhalb der Stadtmauer aussehen, an Judge Dredd gibt es einiges zu bemängeln: Die Story wirkt sehr verbraucht und wird ausserdem nicht konsequent umgesetzt. Plötzlich beginnt der gefallene Richter (Dredd), der zuvor das Gesetzt vergöttert hat, munter Polizisten und Zivilisten umzulegen und hat kein Problem damit, dass er gewaltigen Schaden an der Stadt anrichtet. Die eigentlichen Badguys, sprich Judge Griffin (Jürgen Prochnow) sowie auch Rico (Armand Assante) entwickeln neben Stallone kaum Präsenz und sind so aus der Klischeekiste gegriffen, dass man kaum über ihre wahre Identität überrascht ist. Der Sidekick Herman Ferguson (Rob Schneider), der wie ein penetranter Kaugummi an Judge Dredd klebt, bringt zwar viele ironische Kommentare zu den trockenen Stallone-Oneliner, übertreibt seine Sache aber so krass, dass er bald nur noch auf die Nerven geht und streckenweise zum richtigen Filmkiller wird. Judge Hershey (Diane Lane) kann da noch eine Balance hineinbringen und fügt neben ihrem weiblichen Charme wenigstens noch einige Fusstritte hinzu.

Die beteiligten Figuren können also bedingt überzeugen, die Handlung selber strotzt ebenfalls von Logiklöchern, Abkürzungen und vielen Ungereimtheiten. Messer, die auf Gefängnistransporter geschmuggelt werden, Retter, welche viel zu oft aus dem Nichts und sogar irgendwo in der Wüste in einem Mutantennest auftauchen oder Judges, die plötzlich in Scharen Attentaten zum Opfer fallen, obwohl sie sonst immer in kleinen Gruppen unterwegs waren. Dazu kommt noch ein eher halbherziges Finale und eine Rehabilitierung, welche simpler nicht hätte gelöst werden können. Schade, da wäre mehr zu machen gewesen.

Fazit: Obwohl Judge Dredd optisch völlig überzeugen kann und nicht nur eine glaubhafte Zukunftsvision, sondern auch eine sehr düstere Endzeitatmosphäre bietet, bleibt trotz seiner kurzweiligen Natur und einigen ganz gelungenen Actionsequenzen kaum ein euphorischer Eindruck zurück. Zu verbraucht ist die Story, zu blass die eigentlichen Gegner und zu schwach die Handlung selber. So wird aus einem Film, der ein riesiges Potential gehabt hätte, eine unterhaltsame, aber sonst eher durchschnittliche Comicadaption, welche weit von Werken wie X-Men entfernt ist.

Die neu veröffentlichte Special Edition bietet den Film endlich in einer guten Qualität, welche auch die englische Tonspur enthält. Ein sehr scharfes Bild und klare Farben ermöglichen es, dichte Atmosphäre zu geniessen. Das Bonusmaterial besteht aus einem Making Of, welches alle zwar zu Wort kommen lässt, jedoch nur sporadische Einblicke in die Produktion gibt. Einige Trailers runden das Paket des eher durchschnittlichen Bonusmaterials ab.

2.9 Sterne 4.2 Sterne
2.9 Sterne (30 Bewertungen) | 13 Kommentare

3.53.5
02.02.2008 / db


DVD-Infos

Special Edition, erschienen am 13.12.2005

  • Bildformat: Widescreen (2.35:1 - anamorph)
  • Sprachen: Deutsch Dolby Digital 5.1, Englisch Dolby Digital 5.1
  • Untertitel: -
  • Extras: Making Of (Deutsch) - Making Of (Englisch) - Promo-Featurette - Teaser und Trailer - US-TV-Spots - Biografien