Pom poko - Heisei tanuki gassen pompoko (1994)
The Raccoon War
Pom poko - Heisei tanuki gassen pompoko (1994) The Raccoon War
Oder: Waschbären auf zwei Beinen
Die Tanukis, Waschbären ähnliche Tiere mit der Fähigkeit sich und ihre Umgebung zu verwandeln, leben im Einklang mit den Menschen. Das Tal, das sie mit den Bauern teilen, ist fruchtbar und von sanften Hügeln geschützt. Eines Tages jedoch ist das Tal menschenleer, die Häuser unbewohnt und die Felder nicht bestellt. Die Tanukis beschliessen, die leerstehenden Häuser in Beschlag zu nehmen und geniessen einen unbeschwerten Sommer und Herbst im menschenleeren Tal.
Plötzlich aber zerstören anrückende Bagger die Idylle. Die verlassenen Häuser werden dem Erdboden gleichgemacht, die Hügel eingeebnet und die Wälder abgeholzt. Die Tanukis werden in ihrer Existenz bedroht, denn je mehr Bagger auftauchen desto mehr schwindet ihr natürlicher Lebensraum. Die Essensvorräte werden langsam knapp und es kommt zu Revierstreitigkeiten. Die immer schlimmer werdenden Zustände zwingen die Tanukis schliesslich auf diese Bedrohung zu reagieren. An einer grossen Versammlung in einem verlassenen Schrein mitten im Wald, beschliessen die Tanukis einen Fünfjahresplan; während dieser Zeitspanne widmen sie sich der Perfektionierung ihrer Verwandlungskünste und studieren die Gewohnheiten der Menschen, damit sie in einem Kampf um ihren Wald siegreich gegen ihre Widersacher antreten können.
Kinofilm-Rating
"Der Zeichentrickfilm, der sich nicht hinter einer künstlerischen Interpretation zu verbergen sucht, kann das Reale zeigen!" (Isao Takahata)
Ein Tanuki ist ein real existierendes Tier der japanischen Fauna. Er gehört zur Familie der Hunde und wird oft mit Dachsen oder Waschbären verglichen. Seit Jahrhunderten gehört der Tanuki zur Sagen- und Mythenwelt des japanischen Kulturkreises. Dem Tanuki werden, ähnlich wie dem Fuchs oder der Katze, wundersame Verwandlungskünste zugesprochen. Er genoss, respektive geniesst noch immer, einen grossen Respekt denn er wird oft mit einem der sieben glücksbringenden Gottheiten in Verbindung gebracht. Die Tanukis der Sagenwelt bestechen durch ihre rührende Ungeschicklichkeit, ihrem verspielten Charakter und ihre Vorliebe für Sake und Essen.
So ist es also nicht verwunderlich, dass man diese drolligen Figuren in sein Herz schliesst und sich an ihrer lockeren Art, dem Leben zu begegnen, erfreut. Isao Takahata, der nicht zeichnet und kein Trickfilmer im eigentlichen Sinne ist, beabsichtigt aber etwas ganz anderes, als eine zwei Stunden dauernde, lustvolle Unterhaltung seines Publikums. Für ihn ist die Bewusstmachung der sich wandelnden Realität der Japaner und der Welt, die sie umgibt, von oberster Priorität. Märchenhafte Kulissen und fantastische Geschichten interessieren ihn nicht. Er zieht es vor, in die Gegenwart einzutauchen und eine objektive Sicht der Probleme unserer Zeit zu ermöglichen.
Zur gegenwärtigen Realität der Japaner (zumindest 1994, dem Veröffentlichungsjahr von Pom Poko) gehört die Zerstörung der Natur und Artenvielfalt: die Urbevölkerung Japans wird, ähnlich wie in den USA, in Reservate gesteckt, die ältere Generation in Altersheime abgeschoben, die bewaldeten Hügel rund um die Ballungszentren gerodet und eingeebnet, denn Japan besteht hauptsächlich aus Hügeln und Bergketten, die Landflucht ist ein grosses Thema, ganz zu Schweigen von der Überfischung der Meere.
Takahata will aufrütteln und zum Nachdenken anstiften. Sein Engagement ist aber eher humanitärer Art als ökologischer: die Tanukis haben so sehr menschliche Züge, dass es einem, je länger der Film dauert, umso schwerer fällt, in Pom Poko nicht eine Metapher für die heutige Gesellschaft - und nicht nur die japanische - zu sehen. Der Landbewohner der zum Stadtmenschen wird, der Verlust der eigenen Identität, Einsamkeit und Leere die einen in überfüllten Grossstädten überkommen kann, das Vergessen althergebrachter Traditionen und Werte und die Abgrenzung von Mutter Natur - alles das sind Punkte die unsere Zivilisation prägen. So ist es nicht verwunderlich wenn Takahata gesteht: "Wir sind Tanukis, die gezwungen sind, sich in Städter zu verwandeln. Extreme Positionen die zu Terrorismus oder zur Flucht in die Religion, resultieren daraus. Die Tanukis repräsentieren die unterdrückten Minderheiten und der Film beschreibt die verschiedenen Wege, die ihnen offen stehen."
Um den aussichtslosen Kampf der Tanukis noch besser darzustellen, wechselt der Regisseur ständig zwischen Sieg und Niederlage. Die Zeit ist ein weiterer Faktor, der das emotionale Empfinden des Kinogängers beeinflusst: über zwei Stunden hofft und leidet der Zuschauer mit den liebenswerten Kerlen auf der Leinwand. Einstellungen, in denen traurige Tanukigesichter in den Kinosaal zu blicken scheinen, verstärken die Emotionen noch und lassen die Bitterkeit dieser Situation erkennen: die Tanukis, besser gesagt wir Menschen, geraten immer mehr in den Sog der modernen Zivilisation.
Fazit: Obwohl Pom Poko ein zwölf Jahre alter Animé ist, der im Stil von Chihiro oder Nausicaä gezeichnet ist, erhält er 4.5 auf Hochglanz polierte Sterne. Die über zwei Stunden dauernde Originalfassung mit Untertiteln kann ziemlich anstrengend sein und ist für Kinder eher weniger gedacht.
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