Killing Zoe (1994)

Killing Zoe (1994)

Oder: Ausnüchtern beim Banküberfall

Killing Zoe

"Ich hab' mal einen Typen in Wien getroffen..."

Zed (Eric Stoltz), ein spezialisierter Sakeknacker, kriegt von seinem Kumpel Eric (Jean-Hugues Anglade), den er seit über elf Jahren nicht mehr gesehen hat, ein Angebot: Eric will mit ein paar Kumpels eine Bank in Paris ausrauben und dann das Leben mit Frauen und massenhaft Drogen geniessen. Am Tag seiner Ankunft in Paris verbringt Zed noch eine wunderschöne Nacht mit dem Escort-Girl Zoe (Julie Delpy). Die beiden kommen sich auch gefühlsmässig sehr nahe. Ihre Idylle wird aber mit dem Eintreffen von Eric zerstört, der die Dame sofort aus Zeds Hotelzimmer wirft.

Killing Zoe

"Grüezi wohl. Sammlet Sie Märkli?"

Wer jetzt glaubt, dass sich die Räuber professionell auf ihren Coup vorbereiten, irrt gewaltig. Die Gruppe um Eric pfeift sich zusammen mit Zed am Abend vor dem Raub jede Droge rein, die es gibt. Am nächsten Morgen geht es dann verkatert ans Werk. Es kommt, wie es kommen muss: Die Junkies haben die Situation nicht unter Kontrolle, es sterben Unschuldige und die Polizei klopft nach einer gewissen Zeit auch an der Tür der Bank. Inmitten der Wirren sitzt da auch noch Zoe, die leider für die überfallne Bank arbeitet.


DVD-Rating

Dass Paris immer eine Reise ist, wissen nicht nur Jackie Chan oder John Travolta. Im Jahre 1994 schickte Tarantino-Kumpel Roger Avary seinen Hauptdarsteller Eric Stoltz auf einen irren Trip in die französische Hauptstadt. Sein Banküberfallmovie, welches er Killing Zoe genannt hat, zeigt weniger vom Eiffelturm, sondern vornehmlich Junkies auf einem Gewalttrip. Ist das fertige Produkt ein Film, den man gesehen haben sollte? Definitiv nicht! Die Frage, ob er denn wenigstens gelungen ist, muss man an dieser Stelle auch negativ beantworten.

Die armen Schweine in diesem Gewaltrausch sind dabei nicht die Räuber, sondern die Hauptdarsteller Eric Stoltz und Jean-Hughes Anglade. Beide liefern eine überzeugende Performance und können den Zuschauer auch mitziehen. Das Problem liegt weniger auf der schauspielerischen Seite, sondern im Szenario, aus welchem Avary einfach zu wenig macht. Er schafft es während des ganzen Banküberfalls nicht, eine bedrohliche Atmosphäre aufzubauen. Die Junkies sind Personen, deren IQ man an einer Hand abzählen kann, und die Polizei sieht man beinahe nie. Von den Räubern geht also keine grosse Gefahr aus, und die Cops, welche das Gebäude stürmen könnten, sind schlicht inexistent. Gefahr gibt es nur, wenn Anglades Eric auf der Bildfläche auftaucht. Dann hat man wirklich Angst um die Geiseln.

Positiv zu erwähnen sind noch die knallharte Action und die Startviertelstunde. Diese werden aber wieder abgewertet durch minutenlange Witze über dicke Frauen. Da wollte Avary sich wohl bei Kumpel Quentin Tarantino bedienen.

Fazit: Killing Zoe ist ein richtiger Möchtegernstreifen. Er will unbedingt bei den coolen und harten Filmen dabei sein und schafft dies auch auf dem Gewaltlevel. Doch rundherum stimmt einiges nicht, wie Atmosphäre und Spannungsbogen. So vergehen die 90 Minuten zwar schnell, aber irgendwie ist einem das Ganze während der kompletten Spielzeit scheissegal. Der Titel des Filmes bleibt übrigens über die ganze Spielzeit ein Rätsel - na ja, es tönt wenigstens ein bisschen cool...

Kommen wir zur DVD und damit weiteren Kritikpunkten. Die vorliegende DVD hat zum ersten Mal die Originaltonspur drauf. Aaaaaaber, im Film wird abwechselnd Englisch und Französisch gesprochen. Eric spricht nur mit Zed Englisch und unterhält sich sonst konsequent in seiner Muttersprache. Untertitel, die man für den französischen Part zuschalten könnte, findet man nicht auf der Disc. Da hat jemand, als man die englische Tonspur draufgepackt hat, "nicht für fünf Rappen überlegt". In der deutschen Synchronfassung haben sie das Zweisprachenproblem so gelöst, dass Zed ein Deutsch mit englischem Akzent spricht und die Franzosen alle Deutsch sprechen können. Rein tontechnisch ist die originale Tonspur zu bevorzugen. Trotz DD 2.0 bietet diese einen schönen Ton, während die deutsche DD-5.1-Abmischung alle Stimmen auf allen Boxen gleichzeitig ertönen lässt. Das Bild zeigt sich von seiner positiven Seite und der Audiokommentar ist informativ. Doch es ist die Tonspur, die am Ende in Erinnerung bleiben wird.


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28.03.2010 / crs

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