Dracula (1992)

Bram Stokers Dracula

Dracula (1992) Bram Stokers Dracula

Oder: Einmal beissen bitte!

Dracula

Gillette-Drei-Phasen-Lecker

Im 15. Jahrhundert kämpft ein rumänischer Prinz und Ritter (Gary Oldman) gegen die anrückenden Horden der Türken. Als er nach erfolgreich geschlagener Schlacht auf sein Schloss zurückkehrt, findet er seine Geliebte tot vor. Die Türken haben ihr per Pfeil die Nachricht zukommen lassen, dass ihr Mann umgekommen sei. Vor lauter Grahm stürzt sich die Prinzessin in die Fluten. Der Schlossherr kann den Schmerz, dass die Kirche die Seele seiner toten Frau wegen ihres Freitodes verdammt, nicht überwinden, und verflucht Gott, Kirche und sich selbst - er zerschmettert das heilige Kreuz und trinkt das heraussprudelnde Blut.

Dracula

In der Tat "gottesfürchtig"!

Vier Jahrhunderte später macht sich Jonathan Harker (Keanu Reeves) auf den Weg nach Trannsylvanien um mit einem steinreichen Adligen ein Geschäft über mehrere Anliegen in London abzuschliessen. Er ahnt nicht auf was er sich einlässt und begegnet alsbald einem scheinbar uralten Geschöpf, das sich ihm als Count Dracula vorstellt. Dracula verliebt sich in das Bild von Harkers Verlobten, Mina (Winona Ryder), die Draculas einstiger Geliebten bis in die Haarspitzen ähnelt und macht sich auf den Weg nach London. Harker wird von drei dämonischen Damen erotisch beissender Natur zurückgehalten und kann erst nach langer Zeit einem auslaugend-erotischen Dasein entkommen.

Dracula

Ein ernstes Wörtchen mit Herrn Van Helsing.

Derweil, und nachdem er die Schiffsbesatzung blutleer gemacht hat, hat Dracula London erreicht und sich mit Mina angefreundet. Auch sie findet Gefallen an dem mysteriösen Prinzen aus fernen Landen. Deren gleich von drei Männern umworbene Freundin Lucy (Sadie Frost) hat er unterdessen auch schon besucht und saugt sich an ihr genüsslich. Doktor Van Helsing (Anthony Hopkins) wird eiligst gerufen um Lucy zu helfen. Er ist der einzige, der die wahre Ursache ihrer "Blutarmut" bemerkt, doch Lucy ist nicht mehr zu retten. Van Hesling nimmt schliesslich gemeinsam mit Harker und Lucys einstigen Verehrern den Kampf mit dem Grafen auf und will dem Blutsauger den endgültigen Garaus machen.


DVD-Rating

Francis Ford Coppolas Werk ist die wohl einzig ernsthafte Umsetzung, die sich so nah wie möglich an die literarische Vorlage von Bram Stoker hält. Coppola spielt dabei mit in einer wunderbaren, oft angenehm altmodischen Bildsprache (Schatten- und Spiele mit Farb- und Grautönen), die an die Filme der 20er und 30er Jahre erinnert. Vor allem im Zusammenhang mit dem all umspannenden und stets präsenten Graf Dracula gelangt diese visuell sehr reizvolle Umsetzung zum Einsatz und macht den Film zu einem faszinierenden, cinematischen Ereignis. In Verbindung mit der wunderbar archaischen Musik von Wojciech Kilar, den Bildern von Michael Ballhaus und den grafisch anmutenden Bauten ergibt sich ein ungemein kraftvolles Filmerlebnis der besonderen Art.

Es verwundert nicht, dass Coppola in seiner bestimmend-perfektionistischen Art eine fast durchwegs umwerfende Besetzung auffahren lässt. Allen voran Gary Oldman als Dracula in all seinen Facetten ist ein absoluter Genuss und spielt in seiner hingebungsvollen Art eine seiner besten Rollen - und ihm ebenbürtig gegenüber gestellt agiert Anthony Hopkins, noch frisch vom Ruhm seiner Rolle als Hannibal Lecter in Silence of the Lambs, nicht minder kraftvoll. Nicht auf gleichem Niveau agiert Keanu Reeves als Jonathan Harker, dessen Besetzung der Regisseur selbst als marketingstrategisch wichtig beschrieb, um auch die "Girls" in den Film zu bekommen.

Kleinere aber ebenso feine Rollen bekamen Richard E. Grant, Tom Waits (als Insekten verzerrender Gehilfe Renfield) und Sadie Frost (teuflisch verführerisch als Lucy). Es ist eine Stärke des Films, dass die Schauspielerriege so überzeugend und offensiv theatralisch (im besten Sinne des Wortes gemeint) agiert. Etwas später hat das bei Kenneth Branaghs Versuch Mary Shelley's Frankenstein wiederauferstehen zu lassen dann ganz und gar nicht funktioniert.

Dass es in einem Film wie Dracula mitunter auch ganz schön blutig zugehen kann, liegt thematisch auf der Hand, doch Coppola setzt das knallrote Blut vor allem als grafisches Element und nicht als puren Schockeffekt ein - wenn auch der ein oder andere Gruseleffekt dabei ist, aber weniger was "Huch und Schreck" anbelangt. Bram Stoker's Dracula ist die beste Verfilmung des bissigen Stoffes rund um den Grafen Spitzzahn, mögen die Hammer- und Lugosi-Filme noch so Kult sein - aber das hier ist einfach grosses Kino vom Anfang bis zum Ende.

Extras: Die Collector's Edition (mit einem wirklich hässlichen Cover gesegnet) präsentiert Film und einen Audiokommentar (von Coppola) auf DVD 1 und die Extras auf DVD 2. Ins Auge stechen die zahlreichen entfallen Szenen, wobei es sich beim grössten Teil um Erweiterung bestehender Szenen oder andere Schnittfolgen handelt. Dennoch sind diese Szenen sehr interessant, vor allen Dingen wenn man sie mit der endgültigen Fassung vergleicht. Wirklich gelungen ist das knapp 30 minütige Making Of, das tolle Einblicke in die Dreharbeiten gibt und auch aufzeigt wie schwierig es oft gewesen sein muss, wenn Typen wie Oldman und Coppola aufeinander trafen. Auch Coppolas Hang zum Perfektionismus ist hie und da zu spüren. Die kürzeren Dokus in Sachen Kameraeffekte, Kostüme etc. geben ebenfalls eine gelungene Einsicht in die Materie. Enthalten ist ausserdem der Originaltrailer, der damals vom Verleiher zurückgezogen werden musste, weil er zu intensiv auf das Publikum wirkte. Sachen gab's...!
Ein wenig enttäuschend ist das Bild ausgefallen, das kontrastarm, etwas zu dunkel und nicht dem heutigen Standard in Sachen Klarheit und Schärfe entspricht - etwas verwunderlich, denn so alt ist der Film nun wirklich nicht. Auch beim Ton muss man Abstriche machen, vor allem die Dialoge sind im Original recht dumpf. Die Surroundboxen werden zumeist von der tollen Musik in Anspruch genommen.

4.7 Sterne 3.8 Sterne
4.7 Sterne (44 Bewertungen) | 18 Kommentare

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10.12.2007 / pb


DVD-Infos

Collectors Edition, erschienen am 22.11.2007

  • Bildformat: 1.85:1 anamorph
  • Sprachen: Deutsch, Englisch, Italienisch (DD 5.1)
  • Untertitel: Deutsch, Englisch, Niederländisch, Italienisch, Türkisch, etc. (E für Hörgeschädigte)
  • Extras: Audiokommentar; Entfallene Szenen; Dokus: Making Of - Blut ist Leben; Die Kostüme; Die Kamera: Visuelle Effekte; Die Gestaltung Draculas; Methode und Wahnsinn.