Radio Days (1987)
Radio Days (1987)
Oder: Als die Töne funken lernten...
Der 10jährige Joe Needleman (Seth Green) ist verrückt nach den Geschichten aus dem Radio. Mit ihnen träumt er sich in wilde Abenteuer, in denen er gegen feindliche Spione kämpft - oder in denen seine hübsche Lehrerin nicht viel mehr am Leib trägt als ein Lächeln im Gesicht. Aber während die Radiostimmen Joes Fantasie anregen, haben die dazugehörigen Leute ihre eigenen Träume, die wie Seifenblasen platzen. Denn die ganze Nation rast unbarmherzig einer Zukunft entgegen, in der nur eine sache sicher ist: Die Tage des Radios sind gezählt... aber in Joes Erinnerung bleibt ihr Zauber auf ewig lebendig.
DVD-Rating
Woody Allens Radio Days (1987) ist eine wunderbare Hommage an die Zeit, in der in jedem Haus, ja beinahe in jedem Zimmer ein Radio (damals fast ein Möbelstück) stand und sich die Familie ihre Lieblingssendungen weder von Feiertagen noch anderen Ereignissen nehmen liess. Man schenkte einer Neuigkeit aus dem Äther fast absoluten Glauben und flüchtete sich etwa bei Orson Wells' historischer Marsinvasion in den dicken Nebel vor New York. Solche und andere prächtige Begebenheiten schildert der Film in witzig süffisanter, manchmal tragikomischer Weise.
Die Komik des hornbebrillten New Yorkers ist bekanntlich nicht jedermanns Sache, aber die feinen Nadelstiche und der herrliche Sarkasmus, die er in Radio Days ausspielt, sind schon einmalig - und dass Allen selber dabei nur als Erzähler im Off fungiert, tut dem Film nun wahrlich keinen Abbruch, im Gegenteil. Da Radio Days zu seiner Jugendzeit spielt (und mit so einigen Erinnerungen Allens behaftet ist), wird sein kindliches Ich, Joe Needleman, vom damals 13jährigen Seth Green, zuletzt in The Italian Job zu sehen, gespielt. Weitere der prägnanten Parts werden von Dauergästen wie Mia Farrow (einfach herrlich mit der piepsigen Stimme) und Dianne Wiest (als hoffnungslose Junggesellin) gespielt und durch viele wundervolle Nebendarsteller aufgewertet.
Von allen Filmen Woody Allens ist mir Radio Days der Liebste. Ich mag die episodenhafte Erzählweise, den blendenden Dialogwitz und die vielen skurrilen Personen, die oft auch nur ganz kurz beleuchtet werden: Der gewalttätige Rabbi, der Verrückte mit dem Hackebeil, Onkel Abe mit seinen Fischen oder wenn Vater Needleman Sohnemann fragt "Wieso bist Du kein Genie?" und ihm zur Strafe gleich mal seine Mütze vom Kopf schwingt. Einfach herrlich - auch die wunderbaren Songs von damals. Und diesen Film nun endlich auf DVD herauszubringen, ja, es war an der Zeit.
Wie so oft bei MGM geizt man bei den Extras. Ausser einem Kinotrailer ist nichts zu holen. Der Ton sollte nicht allzu sehr stören, die meisten von Allens Filmen sind halt einfach in Mono - und das Radio damals war gewiss nicht Hifi. Passt also. Bildmässig fand ich die DVD okay, wenn auch nicht perfekt. Gute Farbbalance, ein bisschen körnig, scheinbar kaum digitale Nachbearbeitung. Ein ganz grober Schnitzer aber ist das Auslassen der deutschsprachigen Untertitel - unbegreifbar!
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DVD-Infos
DVD erschienen am 06.07.2005
- Bildformat: 1.85:1
- Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch (Mono)
- Untertitel: Französisch, Italienisch, Spanisch, Niederländisch
- Extras: Kinotrailer


