Abwärts (1984)
Abwärts (1984)
Oder: Schimanski vs. Aufzug
Freitagabend in Frankfurt. In einem grossen Geschäftshaus machen sich der erfolglose Werber Jörg (Götz George) und seine Kollegin Marion (Renée Soutendijk) auf den Weg ins Wochenende. Sie drücken den Knopf und warten auf den Lift. Gleichzeitig macht auch der Kurier Pit (Hannes Jaenicke) seine Aufwartung. Er fällt in den Liftschacht, kann sich aber grad noch vor dem heranfahrenden Aufzug in Sicherheit bringen. Das Quartett wird ergänzt durch den Buchhalter Gössmann (Wolfgang Kieling), der kurzerhand den Safe ausgeräumt hat und die Kohle nun in seiner Tasche mit sich trägt.
Vier unterschiedliche Personen, allesamt auf engstem Raum. Was eine Fahrt von ein paar Sekunden hätte sein sollen, entwickelt sich zum Problem. Denn als kurz nach der Abfahrt des Aufzugs eine Störung eintritt und der Nachtwächter auf die Hilferufe nicht reagiert, müssen die Insassen selber schauen, wie sie sich aus der misslichen Lage befreien. Denn am Freitagabend ist das Haus so gut wie leer und Rettung dürfte nicht vor Montag eintreffen.
Während nund also Jörg versucht, die Kabine zu untersuchen, macht sich der punkige Pit an Marion heran, die das auch gerne zulässt. Zwischen den beiden Männern entfacht sich eine Konfrontation, welche für das Gelingen der Rettung nicht grad förderlich ist. Marion hingegen geniesst dieses Gockelspiel anfänglich noch, kriegt aber immer mehr Panik. Und der Buchhalter mit dem Geld im Koffer? Der steht da, schwitzt vor sich hin und versucht möglichst, nicht aufzufallen. Was in einem kleinen Lift etwas gar schwierig ist. Und dann eskaliert der Zweikampf zwischen Jörg und Pit...
DVD-Rating
1984 schaffte Regisseur Carl Schenkel (drehte 1992 Knight Moves mit Christopher Lambert) ein kleines Kunststück. Vier Personen, ein enger Raum und fast durchgehende Spannung. Mit Götz George (Die Katze) konnte zudem ein Zugpferd des deutschen Films verpflichtet werden und Abwärts wurde zum grossen Erfolg in Deutschland.
Ein sehr junger Hannes Jaehnicke (Bandits) macht als unangepasster Rebell mit Sonnenbrille, laut wummernder Musik aus den Kopfhörern und Gameboy seine Aufwartung und gibt so das pure Gegenteil des Yuppies, welchen Götz George überzeugend und auch ein bisschen tragisch gibt. Daneben fällt leider Wolfgang Kieling (Patrik Pacard) ein bisschen ab. Denn so richtig viel zu tun hat der Mann wirklich nicht. Auch Renée Soutendijk, die einstige Lieblingsschauspielerin von Paul Verhoeven (sie spielte in frühen Filmen des Regisseurs mit) muss sich meist nur die Lippen nachziehen, lustvoll an der Zigarette nuckeln und ein bisschen rumschreien.
Und trotzdem funktioniert Abwärts sehr gut. Die Enge, die Panik, die Konfrontation der Alphatierchen und natürlich die Spannung, welche stets zunimmt und in den letzten Minuten ihre finale Auflösung findet. Mit minimalem Aufwand (ein bisschen Aussenaufnahmen und der Rest in einer Kammer im Studio) schaffte der Regisseur einen überzeugenden Film, der nicht nur vor über zwanzig Jahren hervorragend funktionierte, sondern auch heute noch absolut sehenswert ist.
Fazit: Abwärts baut eine tolle Spannung auf, spielt mit den menschlichen Gefühlen, lässt den Zuschauer an einer plausiblen Horrorsituation teilhaben und wird wohl den Effekt haben, dass diejenigen, die das nächste Mal in einem Lift stecken bleiben, schneller anfangen zu schwitzen, als diejenigen, die Abwärts nicht kennen.
Das Making-Of kommt auf Texttafel, über den Cast gibts keine Infos und Hannes Jaehnicke können wir beim "Immer-wieder-in-den-Liftschacht-fallen" beobachten. Nein, diese DVD lohnt sich nicht wegen des Extramaterials. Auch technisch sind Abstriche zu machen. Sei es im Bild, das auf der DVD-Hülle im falschen Format angegeben ist oder natürlich im Ton, der aber in der neu aufbereiteten Fassung in Digital 5.1 zu hören ist. Für Nostalgiker gibts auch die Version in Mono. Wenn man wirklich den 80er-Groove erleben will....
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4.4 Sterne (6 Bewertungen) | 2 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 23.12.2002
- Bildformat: 4:3 (ist aber richtigerweise 1,85:1)
- Sprachen: Deutsch (DD 5.1), Deutsch (Mono)
- Untertitel: Keine
- Extras: Making-Of, Trailershow, Er kanns nicht lassen, Abwärts in aller Kürze



