Scarface (1983)

Scarface (1983)

Oder: Sag mir, was du schniffst und ich sag dir, wer du bist!

Scarface

Kleine Fahrt ins Grüne?

Tony Montana (Al Pacino) ist ein kubanischer Flüchtling, der zusammen mit seinem Freund Manny (Steve Bauer) in ein Lager für Emigranten gesteckt wird. Um diesem trüben Alltag zu entfliehen, schrecken die beiden auch nicht vor einem Auftragsmord zurück. Nun versuchen sie sich in Miami durchzuschlagen, schnell ist der Aufstieg vom Tellerwäscher zum Drogenkurier geschafft. Frank Lopez (Robert Loggia) nimmt Tony unter seine Fittiche, doch dieser gibt sich nicht mit seiner Rolle als kleiner Fisch zufrieden.

Scarface

Das Weisse auf der Nase ist nicht Zahnpasta!

Tonys direkte Art die Dinge zu handhaben, lassen ihn bald zu Franks Nummer 2 aufsteigen. Nebenbei hat er auch noch ein Auge auf Franks Geliebte Elvira (Michelle Pfeiffer) geworfen, die scheint vom machogehabe des Kubaners aber wenig beeindruckt,lässt sich aber doch auf ein Techtelmechtel ein. Tony schadet es jedenfalls nicht. Er steigt zum Drogenbaron von Florida auf, Luxus, Kokain und seine von unbändigem Ehrgeiz zerfressene Psyche bringen ihn aber bald in arge Schwierigkeiten.


DVD-Rating

Scarface wurde, als der Film in die Kinos kam, von den Kritikern gehasst. Die Gewaltexzesse und die brachiale Gossensprache liessen viele Schreiberlinge zu wahren Hasstiraden gegen Brian DePalmas Film hinreissen. Heute freilich nimmt man das Ganze gelassener, kann sich der opulenten Bilderorgie DePalmas hingeben und das wahrhaft vollblütige Spiel Al Pacinos bewundern, der hier einen unsympathischen und zu jeder Tat bereiten Kriminellen gibt und die Zuschauer-Sympathien nicht mal als Antiheld verdient. Tony Montana ist schlicht ein Schwein, und genau so spielt ihn Al Pacino auch. An seiner Seite ist ein bemerkenswert starker Steve Bauer, nicht zu vergessen natürlich der schmierig hinterhältige Frank, wunderbar verkörpert von Robert Loggia sowie F. Murray Abraham als dessen Gehilfe. Michelle Pfeiffer ihrerseits wurde mit Scarface erstmals einem grösseren Publikum ein Begriff, a star was born!

Mit ausgeklügelten Kamerabewegungen, prächtigem Dekor und fast rücksichtslosen, aber technisch geschickten Gewaltdarstellungen (die Kettensäge-Szene als Beispiel par excellence) gibt DePalma der Gangsterstory aus der Feder von Oliver Stone einen fast opernhaften Rahmen. Stone basierte sein Drehbuch, das er zunächst für Sydney Lumet schrieb, lose auf dem 30er Jahre Klassiker mit dem gleichen Titel, der zur Zeit der Prohibition spielte. Einige Dialogfetzen hat der später mit einem Oscar ausgezeichnete Filmmacher vom schwarz/weiss-Streifen auf findige, teilweise humorvolle Art und Weise in seine nach Florida verfrachtete und im Kokainmilieu spielende Geschichte eingearbeitet.

Scarface ist eine intensive, nicht in allen Belangen vollends überzeugende Gangstergeschichte vom Aufstieg und Fall eines kriminellen Supermachos. Einige Längen begleiten Tony Montanas amerikanischen Werdegang, einzelne Oberflächlichkeiten sind unübersehbar und die discolastige Elektro-Musik von Giorgio Moroder gibt dem Film eine weniger zeitperiodische, als eher abdatierte Atmosphäre. Filmtechnisch bleibt Scarface mit seinen fantastischen Bildern, dem süffigen Schnitt und der bemerkenswerten Umsetzung ein Highlight des Genres. Wer nach inhaltlicher Tiefe und delikaterem Spiel sucht, wird mit The Godfather zwar sicher besser bedient, nichtsdestotrotz hat Scarface seine Zeit überlebt und wurde mit den Jahren immer mehr zur Popularität erkoren - ganz davon abgesehen, dass einige vor über 20 Jahren dem Film nicht gut gesinnte Filmkenner sich längst "gewendehalst" haben. Ein sehenswertes, wenngleich nicht überragendes Werk.

Technisch ist die DVD, hier als 2-DVD-Set erschienen, eine leise Enttäuschung. Weder können Bild (Ungenügende Schärfe, Nachzieheffekte, verschwommene Farben) noch Ton (wenig dynamisch, drucklos, leblos) überzeugen. Die Deutsche Audiospur ist gar nur in Mono vorhanden. In Sachen Extras ist das Set recht gut ausgestattet, vor allem was den Informationsgehalt betrifft. Das dreigeteilte Making Of liefert interessante Details zum Casting, zur Entwicklung der Story und den Dreharbeiten mit wertvollen Statements vieler Beteiligter. Die Deleted Scenes sind nur bedingt brauchbar, hier fehlt ein erklärender Kommentar. Noch mehr zum Film gibt es in den umfassenden Produktionsnotizen zu lesen (Vorsicht, gut versteckt?).

5.0 Sterne 2.2 Sterne
5.0 Sterne (90 Bewertungen) | 36 Kommentare

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18.11.2004 / pb


DVD-Infos

DVD erschienen am 11.07.2001

  • Bildformat: 2.35:1 (anamorphic)
  • Sprachen: Englisch (DD 2.0), Deutsch (Mono)
  • Untertitel: Deutsch
  • Extras: Making Of; Outtakes; Produktionsnotizen; Cast & Crew Texttafeln; 2 Trailer.

Scarface (1983)
Bewertung: 5.0 (90 Bewertungen)
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