Tootsie (1982)
Tootsie (1982)
Oder: Die Frau im Manne!
Michael Doherty (Dustin Hoffman) ist mit Leib und Seele Schauspieler. Einer grossen Karriere steht er allerdings sich selber im Wege, denn allzu gerne legt er sich mit Regisseuren an und streitet mit ihnen über die Aussagekraft einer Tomate. So fristet Michael ein Dasein als Kellner und Schauspiellehrer, der seinen Schülern vor allem eines predigt: "Ihr werdet arbeitslos sein!". Als Michael eine seiner Schülerinnen (Teri Garr) zum Vorsprechen für eine Soap-Rolle begleitet, kommt ihm die Idee, er könnte sich doch selber für die Rolle der Emily Kimberly bewerben. Und so wandelt sich Michael Doherty zu Dorothy Michaels, die die Rolle der Krankenhausverwalterin sogar bekommt.
Damit beginnt für Michael allerdings ein ganz schön turbulentes Leben. Nicht nur, dass er sich vor dem Regisseur (Dabney Coleman), der sie alle kriegt, die Frauen seiner Soap, retten und sich im Berufsleben stets durchsetzen muss, sein Privatleben gerät auch noch komplett durcheinander, als er die hübsche Filmpartnerin Julie (Jessica Lange) kennenlernt und sich in sie verliebt. Natürlich kann Julie diese Gefühle nicht erwidern, denn sie sieht in Dorothy eher eine Art Mutterfigur. Dafür haben sich ein alternder Hauptdarsteller, von Cast und Crew auch "The Tongue" genannt, und Julies Vater Les (Charles Durning) in Dorothy verguckt.
Ein anstrengendes Leben also für einen Er in der "Rolle seines Lebens" als Sie, der Michael auch im Privaten nachkommen muss. Zu allem "Unglück" wird Dorothys Vertrag bei der Serie auch noch um ein volles Jahr verlängert und Michael fragt sich, wie lange er noch in hochhackigen Schuhen und Perücke, aber vor allem als Dorothy durchhält.
DVD-Rating
Tootsie hatte richtig harte Konkurrenz 1982: E.T., Gandhi, Poltergeist...! Dennoch wurde die Komödie von Nichtkomödien-Spezialist Sydney Pollack ein grosser Erfolg und gleich zehnfach für den Oscar nominiert (doch lediglich Jessica Lange konnte die Trophäe einheimsen). Dieser Erfolg liegt nicht zuletzt an der wunderbaren und populären Darstellung von Dustin Hoffman als Dorothy Michaels, sondern auch an der feinen Umsetzung, die fernab von blossem Slapstick auch mit spitzen Dialogen und gut temperiertem Humor glänzt.
Der Film durchlief eine Vorproduktionszeit von stolzen drei Jahren, was ihm allerdings nur gut tat. So schliffen Hoffman und Pollack, der für seine ausgedehnten Drehbuchbesprungen bekannt ist, lange Zeit an Story und Dialogen, an Figuren und Besetzungen. Neben Hoffman schafften es eine junge Jessica Lange, die bis dahin eher für ihre dramatischen Darstellungen bekannt war, ein wunderbar gecaster Dabney Coleman als diktatorischer Macho-TV-Regisseur, Teri Garr als paranoide, mässig begabte Schauspielschülerin und ein herrlicher Bill Murray in der Rolle eines erfolglosen Theaterautors und nicht zuletzt Sydney Pollack selbst in der Rolle des Filmagenten, dem Film einen Stempel als Darstellerkomödie aufzudrücken. Ihre erste Rolle erhielt hier ausserdem Geena Davis.
In Tootsie wird nicht nur die Frau im Manne beziehungsweise der Mann in der Frau (oder wie auch immer) und die Rolle der Frau an sich in einem gnadenlosen Business "persifliert" (richtiger wäre wohl: den Nagel auf den Kopf treffen), sondern auch das TV-Geschäft und die völlig stupiden Soap Operas aufs Korn genommen. Wie schwer es eine Frau in diesem Business hat, die äusserlich wenig attraktiv ist und sich mit anderen Mitteln durchsetzen muss, ist hier manchmal unterschwellig, oft auch in-the-face inszeniert,
Der Film garantiert wunderbare Unterhaltung, die dazu noch intelligent und visuell ansprechend umgesetzt ist. Das macht einfach Spass und garantiert auch bei wiederholtem Angucken kleinere und grössere Überraschungen.
Extras: In der Reihe Award Winner Collection brachte Sony kürzlich einige Filme in die Läden, zu der auch Tootsie zählte. Die Aufmachung ist dabei als Büchlein gestaltet, mit einem Booklet, das Infos über die jeweilige Oscarverleihung und über den Film beinhaltet und mit zwei DVDs ausgestattet. DVD 1 präsentiert den Film, auf DVD 2 findet man die Extras. Grosse Klasse ist das rund 90-minütige Making Of, das neben aktuellen Interviews (u.a. mit Hoffman, Pollack, Coleman, Garr und Lange) auch Bilder aus der Originaldoku enthält. Dann gibt es noch eine ganze Reihe unveröffentlichter Szenen und Aufnahmen von Testscreenings mit Hoffman.
Die Bildqualität der DVD ist exzellent und das 2.35:1 Format zeigt mehr visuelle Qualitäten, als es im oft gesehenen Panscan-Format zu erkennen war, während der Ton nur im Original (das hier sowieso Pflicht ist!) in DD abgemischt ist (als 5.0 Variante). Synchrofans müssen sich mit Monoton begnügen.
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3.9 Sterne (11 Bewertungen) | 5 Kommentare
DVD-Infos
Award Winner Collection, erschienen am 07.02.2008
- Bildformat: 2.40:1 (16:9)
- Sprachen: Deutsch (Mono), Englisch (DD 5.1), Französisch (Mono)
- Untertitel: Deutsch, Englisch, Arabisch, Französisch, Griechisch, Türkisch
- Extras: DVD 1: Film. DVD 2: Making Of; Entfallene Szenen; Probeaufnahmen Dustin Hoffman.




