Gandhi (1982)

Gandhi (1982)

Oder: Der lange Gang eines kleinen Mannes

Gandhi

"Mein Schnäuzer ist schicker!"

Als junger Rechtsanwalt, der in England studiert hat, will Gandhi (Ben Kingsley) 1893 in Südafrika die vielen Volksgruppierungen vereinen und gegen das Unrecht der Apartheidgesetze vorgehen. Doch die weisse Herrschaft duldet kein Aufbäumen und geht auf brutalste Weise gegen Gandhi und seine Gefolgschaft vor, die mit passivem Widerstand die Richtung vorgibt, die für Gandhi später in Indien seinen Freiheitskampf massgebend sein wird. Kurz nach Ausbruch des ersten Weltkriegs kehrt Gandhi in sein Heimatland Indien zurück und wird dort mit viel Jubel empfangen.

Gandhi

Streik in Weiss.

Doch die Engländer wollen nicht klein beigeben und schon gar nicht ihre Kolonie Indien den Indern übergeben, die sie als stümperhaft und unfähig ansehen. Obwohl einige Berater um Gandhi, den man fortan auch Mahatma nennt, die Engländer mit Gewalt vertreiben wollen, bleibt für den kleinen Mann mit der Glatze nur ein Weg: gewaltloser Widerstand und die Befreiung Indiens friedlich herbeiführen. Selbst ein Massaker, bei dem die Britische Armee auch Kinder und Frauen nicht verschont, ändert Gandhis Haltung nicht. Um gegen die Gewalt zu protestieren, die von einigen Gruppierungen der Inder als Antwort auf die Repressalien der Engländer ausgeführt wird, tritt er in einen Hungerstreik, der ihn fast das Leben kostet.

Doch auch die Inder sind gespalten. Glaubensrichtungen und Volkszugehörigkeiten drohen die Bewegung zu spalte, vor allem als sich ein Teil für das künftige Pakistan abspaltet, scheint Gandhis Traum endgültig gefährdet.


DVD-Rating

Richard Attenboroughs Film war 1983 der grosse Abräumer an der Oscarverleihung. Als damals stein- und beinharter Steven Spielberg-Fan war das natürlich ein grausames, fast traumatisches (ich übertreibe!) Ereignis und rückblickend hätte es sicher auch E.T. verdient gehabt, das ein oder andere Goldmännchen mehr zu gewinnen. Wie dem auch sei, Gandhi gewann acht Oscars, unter anderem als bester Film, für die beste Regie und für den besten Hauptdarsteller.

Zweifellos, Ben Kingsley spielt grossartig. Gandhi war der Durchbruch für den kleinen Briten mit dem durchdringenden Blick, der bis heute ebenso in reinen Unterhaltungsrollen aber auch vielen Charakterrollen immer wieder erfolgreich besetzt wurde. Seine Darstellung des sanftmütigen, Indischen Staats- und Friedensmannes ist bewundernstwert still und unaufdringlich und man merkt Kingsley die Hingabe an, die er für diese Person zu empfinden scheint. Um ihn herum trumpft die Riege grosser Britischer Darsteller mit Edward Fox,, John Gielgud oder dem viel zu früh verstorbenen Ian Charleson (bekannt auch aus Chariots of Fire) auf, aber auch eine feine Besetzung Indischer Darsteller weiss sehr zu gefallen.

Grandios ist die ruhige und überlegte Umsetzung von Richard Attenborough, ausgestattet mit fantastischen Bildern von Billy Williams und Ronnie Taylor (grossartig sind die beeindruckenden Massenszenen) und einem starken Drehbuch von John Birley. Attenborough bringt dem Zuseher die Geschichte des unterdrückten Indiens, politischer Ränkespiele und einer serbelnden Kolonialmacht in drei Stunden über die Person Gandhis näher. Für einen solchen Film wendet man wirklich gerne etwas mehr Sitzfleisch auf!

Extras: Diese Deluxe Edition bietet auf 2 DVDs Film und Bonusmaterial. Wer sich für das Thema interessiert, bekommt Gelegenheit auch nach dem Film noch ein wenig nachzuforschen. Natürlich kommt auch die Filmproduktion nicht zu kurz, ein aktuelles Making Of gibt Einblicke, Anekdoten und spannende Gesprächsthemen preis. Alles in allem eine mehr als gelungene Bonusecke! Das Bild kann durchaus überzeugen, hie und da sind ein paar kleine Bildartefakte auszumachen, aber das stört nicht wirklich, eher schon die manchmal nur mittelmässige Schärfe, die vor allem in den Totalen zum Tragen kommt. Im Tonbereich muss man etwas mehr Abstriche machen, insbesondere die Englische 5.1 Abmischung macht zu wenig Nutzen aus den Rücklautsprechern (die immerhin bei den vielen Massenaufläufen hätten zum Einsatz kommen können) und unterscheidet sich nicht allzu stark von der Deutschen 2.0 Abmischung - aber Gandhi ist nicht ein Film für tolle Toneffekte - und freilich ist das Original hier schon alleine wegen der Dialektik Pflicht!

5.2 Sterne 4.4 Sterne
5.2 Sterne (26 Bewertungen) | 5 Kommentare

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15.03.2008 / pb


DVD-Infos

Deluxe Edition, erschienen am 06.02.2007

  • Bildformat: 2.35:1 (16:9)
  • Sprachen: Deutsch (DD 5.1), Englisch (DD 5.1)
  • Untertitel: Deutsch, Englisch, Türkisch
  • Extras: Audiokommentar, Wichtige Stationen auf dem Lebensweg, Auf der Suche nach Gandhi, Rückblicke, Madeleine Slade, Ben Kingsley - die perfekte Wahl, Filmaufnahmen in Indien, Beerdigungs-Sequenz, Wochenschau mit Archivmaterial, Produktionsdesign, Interviews, Fotogalerie, Making-Of, Trailer