Blade Runner (1982)
Der Blade Runner
Blade Runner (1982) Der Blade Runner
Oder: Wie zieht man ein paar Haut-Jobs aus dem Verkehr?
Los Angeles 2019: Der Ex-Blade Runner Deckard, gespielt von unserem allseits geliebten Harrison Ford, wird beauftragt vier Replikanten, welche auf die Erde geflüchtet sind, aus dem Verkehr zu ziehen. Denn auf der Erde sind seit einem Zwischenfall keine Replikanten mehr erlaubt. Die Androiden werden in dieser Version der Zukunft dazu gebraucht, in den Menschen-Kolonien Erz-Grabungen durchzuführen. Sie sind intelligenter und stärker als normale Menschen. Allerdings haben die Designer den Haut-Jobs, wie sie abschätzig genannt werden, einen ernsthaften Geburtsfehler eingebaut, nämlich deren Sterblichkeit. Sie leben nur vier Jahre.
Da die Replikanten äusserlich überhaupt nicht von normalen Menschen zu unterscheiden sind, haben die Blade Runner nur eine Möglichkeit herauszufinden, ob es sich um einen Androiden handelt: Den "Voight-Kampff Test", einen Psycho-Test, bei dem es darum geht, Reaktionen des Fragers zu testen. Da Replikanten logischerweise sehr jung sind, wissen sie nicht, wie auf gewisse Situationen zu reagieren ist, und verraten sich deshalb.
Die Jagd-Saison für Deckard beginnt im verregneten Stadt-Dschungel von L.A.
DVD-Rating
Der Film basiert auf dem Buch "Träumen Roboter von elektrischen Schafen?" von Philip K. Dick, welcher neben Grossmeister Isaac Asimov und Arthur C. Clarke zu den wohl besten Science Fiction-Autoren gehört. Auch das Buch "Neuromancer", welches noch heute als das beste Science Fiction Buch aller Zeit gilt, basiert recht stark auf der Blade Runner-Welt. Der Film war im Kino ein Riesenflop, ist allerdings auf Video zum Kult geworden. Ebenso hat er eine völlig neue Pop-Subkultur geschaffen, den so genannten "Cyber-Punk", eine abgefuckte Version der Zukunft, welche unglaublich dreckig, gewalttätig, schnell und unpersönlich ist.
Die Atmosphäre des Filmes ist atemberaubend. Es zu 95% des Films Nacht und es regnet nahezu immer. Die Stadt ist heruntergekommen, dreckig und völlig einengend. Der Film hat dadurch eine extrem bedrückende Stimmung, welche auch nach 23 Jahre noch immer brilliant rüberkommt. Man merkt der futuristischen Stadt an, wie sehr man in 80er Jahren vor den Japanern Angst hatte über deren Firmenübernahmen-Freudigkeit. Die Elektro-Jazz-Musik von Vangelis ist absolut treffend umgesetzt. Was mir aber am Film wirklich am besten gefällt, ist der Voight-Kampff Test. Eine absolut brilliante Idee, wie man intelligente aber noch unerfahrene Wesen von Menschen unterscheiden kann. Und die Frage: "Sie sind in der Wüste und sehen eine Schildkröte. Sie drehen die Schildkröte um. Ihr Bauch wärmt sich in der Hitze. Sie zappelt, kann sich nicht von selbst befreien. Sie helfen aber nicht." hat absoluten Kultcharakter. Der wohl interessanteste Fakt ist wohl der Blade Runner Deckard selbst. Ist er nun ein Mensch oder auch ein Replikant? Im Internet wird diese Frage schon seit längerem diskutiert. So gibt es Gruppen, zu denen ich mich auch zähle, welche behaupten, dass Deckard selbst ein Replikant ist, es aber nicht weiss. Und die andere Gruppe, welche sich an Philip K. Dicks Roman hält und behauptet, dass die Replikant-Theorie nicht stimme. Jeder muss das für sich entscheiden.
Nun kommen wir zum unschönen Teil. Blade Runner gehörte zu den ersten veröffentlichten DVDs überhaupt. Das bedeutet, dass sich auf der DVD keine Specials befinden. Das DVD-Menu besteht aus einem hässlichen Standbild. Ausserdem gibt es derzeit "nur" die 112-Minütige Version von Blade Runner auf DVD, welche ohne Harrison Fords Voice overs auskommen muss und 5 Minuten weniger Material enthält hat.
Es gibt noch eine Collector's Edition des Films, welche heutzutage nahezu nicht mehr erhältlich ist. Eine riesige Box in welchem sich ausser der DVD noch ein Blade Runner Poster, einige Filmfotos, ein 35mm-Senitype Bild und das Film-Script befindet. Sieht sehr hübsch aus, aber das Teil hat in keinem Schrank Platz. Durch die Tatsache, dass Warner Brothers Probleme mit dem Distributor von Blade Runner haben und im TV ständig die 117 Minuten Version zu sehen ist , wird seit etwas vier Jahren von einen Blade Runner Special Edition geschwafelt, welche drei Versionen enthalten sollte. Bis jetzt war da aber noch nichts. (markus)
Die Ultimate Collector's Edition (5 DVDs)
Ein schöneres Weihnachtsgeschenk hätte Warner den Fans von Blade Runner nicht machen können, als diese ultimative Edition auf den Markt zu bringen. Eingebackt in eine schicke Blechdose, darin ein mit Bildern des Films gestalteter Aufklappkarton mit 5 DVDs, einem Booklet mit den Kapitelangaben, acht Hochglanzkarten mit Konzeptentwürfen auf der einen und einem kleinen Filmfoto mit Text auf der anderen Seite. Ausserdem findet man neben einem "Brief" von Ridley Scott noch ein in Plastikgeschweisstes Filmbild mit Schwenkeffekt. Das Drumherum macht Appetit auf das Innendrin...!
DVD 1 bietet den Final Cut von Blade Runner. Nur wenige Szenen sind neu drin, einige Effekte wurden überarbeitet und ergänzt, aber ohne störend oder aufdringlich zu wirken. Der Film selbst ist ein absoluter Kracher und je mehr ich mich von der Voiceover-Version fernhalte, desto mehr kann ich diesen grossartigen Film geniessen. Ein Fest für die Augen, ein Schmaus für den Intellekt, ein düster schmutziger Science Fiction film noir, schlicht und einfach ein Meisterwerk. Ich behaupte an dieser Version kommt man nicht mehr vorbei.
Auf DVD 2 erleben wir eine grossartige, mehrstündige Dokumentation, die von der Entwicklung des geschriebenen Materials, über Besetzungsentscheidungen, Probleme am Set und mit den Produzenten bishin zum Aufstieg als Kultfilm viele Ansichten, Einsichten und Meinungen zeigt. Viele bekannte Gesichter (Ridley Scott, Harrison Ford, Sean Young etc.), aber auch viele eher unbekannte, aber immens wichtige Charaktere (Produktionsdesigner, Drehbuchautoren, Geldgeber, Cutter) kommen zu Wort. Wer den Film liebt, wird diese Doku richtig gehend in sich aufsaugen.
DVD 3 präsentiert nochmals alle bisher erhältlichen Fassungen, die US-Kinoversion, die Internationale Version und den von vielen Fans geschätzten Director's Cut. Eine kurze Einleitung von Scott ist ebenfalls enthalten.
DVD 4 bringt nochmals etwas fürs Auge. Galerien und Featurettes zu Phillip K. Dick, den Pre-Produktions-, Produktions-, Postproduktionsphasen (hier sind nochmals die teils schon im Making Of gezeigten, nicht verwendeten Szenen enthalten), zu Release und Marketing und zum Thema Filmlegende und Hinterlassenschaft.
Eine Zeit lang geisterte eine Arbeitsfassung in Fankreisen umher. Die ist nun auf DVD 5 enthalten. Sie entspricht einer Fassung die wohl vor dem Start des Films als Test gezeigt wurde. Das Bild und der Ton sind hier natürlich recht rudimentär und nicht so ausgefeilt wie bei den übrigen Versionen. Etwas für den beinharten Blade Runner Fan eben. Hier gibt's zudem einen Audiokommentar von Future Noir Autor Paul M. Sammon, übrigens ein hervorragend rechechiertes Buch rund um die ganze Angelegenheit Blade Runner.
Diese superschöne Box ist das Nonplusultra in Sachen Blade Runner, um die a) kein Filmfan und b) schon gar kein Blade Runner Freak herumkommt. Die Geschichte rund um die Entstehung des Films, der Einfluss des Geldes, die Visionen und der Film selber sind beispielhaft und sollten für jeden einigermassen bewanderten Filmkenner und angehende Filmemacher Pflichtlektion sein. So schön kann Pflicht eben auch mal sein!
Ein einziger kleiner Wehrmutstropfen ist das Fehlen des originalen Vangelis-Scores, den es nach wie vor noch immer nur als Bootleg gibt. Alles was in Sachen Original Soundtrack rumgeistert sind Neueinspielungen und Nachahmungen.
Das Bild des Final Cuts besticht mit einer tollen Schärfe, man sieht fast jeden einzelnen Regentropfen. Die Bilder sind auch in den vielen dunklen Szenen kontrastreich. Die Tonspur wird vor allem von Umgebungsgeräuschen und vorbeifliegenden Polizeischiffen in Bewegung gebracht, aber auch Vangelis fantastische Musik wird präsent über die Boxen verteilt.
Fazit: Mit Alien gehört die Blade Runner Box zum besten auf dem Markt, was man sich rund um einen Film wünschen kann! (pb)
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5.1 Sterne (59 Bewertungen) | 110 Kommentare
DVD-Infos
Ultimate Collectors Edition, erschienen am 07.12.2007
- Bildformat: 2.35 : 1 (Anamorphic Widescreen)
- Sprachen: Deutsch: Dolby Surround, Englisch: Dolby Surround
- Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Türkisch, Holländisch, Schwedisch, Norwegisch, Dänisch, Finnisch, Portugiesisch, Hebräisch, Polnisch, Griechisch, Tschechisch, Ungarisch, Isländisch, Kroatisch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch für Hörgeschädigte
- Extras: Disc 1: Final Cut mit 3 Audiokommentaren; Disc 2: Dangerous Days: Making of Blade Runner; Disc 3: Drei Filmversionen (US-Kinoversion, Internationale Version, Director's Cut); DVD 4: Specials: Features und Galerien mit über 45 Minuten nicht verwendeter oder alternativer Szenen, visuelle Effekte; Hintergrundmaterial über Philip K. Dick; verworfene Sequenzen; Konzeptdesign; Einfluss des Films; Disc 5: Die Arbeitsfassung.



