The Shining (1980)

Shining

The Shining (1980) Shining

Oder: Schreibstau schadet nicht nur der eigenen Gesundheit...

The Shining

Wir kommen aus Siam

Der Schriftsteller und Alkoholiker Jack Torrance (Jack Nicholson) bewirbt sich im Overlook Hotel in den Bergen Colorados für einen Job als Hausmeister, um den ganzen Winter über auf das Hotel aufzupassen. Obwohl Mr. Ullman (Barry Nelson), der Hotelmanager, ihn davor warnt, zugeschneit und somit komplett von der Aussenwelt abgeschnitten zu werden, nimmt Torrance den Job an. Es kommt ihm gerade recht, in Ruhe an seinem neuen Roman zu arbeiten.

The Shining

Bloody Mess!

Jack Torrance fährt also mit seiner Frau Wendy (Shelley Duvall) und Sohn Danny (Danny Lloyd), welcher einen imaginären Freund hat, in den letzen Herbsttagen in das Hotel. Dort erzählt der Hotelangestellte Dick Halloran (Scatman Crothers) dem kleinen Danny von einer übersinnlichen telepatischen Fähigkeit, nämlich dem sogenannten "Shining", die er selbst und, wie er feststellt, auch Danny besitzt.

The Shining

Ich bin ein Star, holt mich hier raus!

Er macht ihm auch klar, dass es sich bei diesem Hotel um einen bösen Ort handelt und er Room 237 meiden sollte. Als der kleine Junge jedoch nach dem Grund fragt, gibt Halloran keine Antwort. Jedenfalls ist bekannt, dass ein ehemaliger Hausmeister im Jahr 1970 in diesem Hotel Kinder, Frau und sich selbst getötet hat. Und siehe da: Auch auf den in einer Schreibkrise steckenden Jack scheint das Hotel keinen guten Einfluss zu haben...


DVD-Rating

Der auf einem Roman von Stephen King basierende The Shining ist ein Meilenstein im Horrorgenre und eines der grössten Meisterwerke der Filmgeschichte. Stanley Kubrick betonte zwar selbst, er habe keine klassischen Horror-Effekte wie knarrende Türen in seinem Film einbauen wollen. Nun ist The Shining aber der Horrorklassiker schlecht hin geworden. Die knarrenden Türen gibt es hier zwar wirklich nicht, doch hier lernen uns andere Sachen das Gruseln: Sowohl die bedrohlichen Kamerafahrten, beispielsweise wenn Danny mit seinem Dreirad durch die unendlich langen Gänge des Hotels rollt, als auch die düstere Musik oder das Bild der aus einem Lift flutenden Blut-Welle. Schon in der ersten Szene, in der wir aus einer Helikopter- Perspektive (der Schatten des Helis ist übrigens einmal zu sehen) Jacks Auto auf den Strassen Colorados sehen, fährt mir jedes Mal einen Schauer über den Rücken. Diese Anfangsequenz, vom Vorspann begleitet, ist natürlich noch untermalt mit der berühmten Orgel-Musik.

Im Vordergrund steht aber Jack Torrances ebenso grusliger wie verstörender Wandel vom grinsenden Familienvater zu einem Irren. Jack Torrance ist so Protagonist und Antagonist in einem. Auch wenn Jack Nicholson keine Preise für seine Rolle bekam, hier spielt er eindrücklicher denn je. Jedes Mal, wenn ich seinen Namen höre, sehe ich ihn verrückt durch die Tür gucken und seinen berühmten Satz "Here's Johnny!" rufen. Dieser Aufschrei ist übrigens eine Anspielung auf Ed McMahons berühmte Ansage von Johnny Carson in der Tonight Show damals noch mit Johnny Carson und noch nicht Jay Leno. Es muss wohl Shelley Duvall wie auch Danny Lloyd Angst gemacht haben, mit dem, völlig in der Rolle lebenden, Jack Nicholson zu spielen. Shelley Duvall (die mit diesen Film für einen Razzie Award nominiert wurde) hat es vielleicht sogar zu viel Angst gemacht, denn sie ist auch die Einzige im Film, die mich nicht vollkommen überzeugt hat. Ihr ewiges hysterisches Gekreische nervt gegen Ende, obwohl ja genau dieses Geschrei Jack noch mehr anzuspornen scheint und, von daher betrachtet, passt sie dann doch wieder in den Film hinein. Der junge Danny (der erst nach Jahren erfuhr, dass er in einem Horrorfilm mitgespielt hatte) spielt seinen Part sehr glaubwürdig und ernst, was natürlich an Kubricks meisterhafter Regie liegt. Denn kleine Jungs, wie der damalige Danny, glaubwürdig und - gerade in so einem Film - nicht lächerlich werden zu lassen, ist wahrlich eine Kunst. Lächerlich, ja schon eher eine Frechheit, ist jedoch, dass man Kubrick ebenfalls für einen Razzie nominiert hat. Das wäre etwa so, wie wenn man dem Eisbären Knut einen Oscar fürs Lebenswerk in die Pfoten drücken würde. Grossartig hat mir auch Scatman Crothers gefallen. Er ist mit Abstand die sympathischste Figur im Film und strahlt extrem viel Wärme aus. Gerade in so einem Film war ich um diese Wärme froh.

Was ist jetzt tatsächlich besser, Buch oder Film? Eigentlich mag ich diese Frage nicht besonders, schliesslich sind es zwei unterschiedliche Medien. Trotzdem kam in mir nach Ende des Filmes das Gefühl auf, Kubricks Adaption sei sogar noch besser als das Buch selbst. Was Stephen King in Worten beschreibt, zeigt Kubrick in eindrücklichen Stimmungsbildern, die vielleicht noch vielschichtiger als blosse Worte sind. Wenn es im Film schneit, überträgt sich diese Kälte auf den Zuschauer. Solche "Extrem-Gefühle" hatte ich weniger beim Buch.

Aber grundsätzlich sind Buch und Film hier zwei verschiedene Dinge, vieles wurde im Film abgeändert (die Hecken wurden zu einem Labyrinth), weggelassen oder dazuerfunden (das Blut, welches aus dem Lift fliesst). Jedenfalls ist für mich klar, dass Nicholson wie geschaffen für Jack Torrance wurde und so die absolute Idealbesetzung ist. Der Meister King wollte Kubrick jedoch Jacky Boy ausreden und stattdessen Michael Moritary oder Jon Voight in der Rolle haben. Zum Glück hat sich der Regisseur doch noch durchgesetzt. Niemand kann so wunderbar verrückt spielen wie Nicholson. In den Szenen mit dem übergeschnappten Jack sind alle seine Mimiken eine Freude für den Zuschauer.

Ich könnte jetzt noch seitenlang jede einzelne Szene durchschwärmen, was ich jetzt aber nicht tue, denn wer's gesehen hat, weiss schliesslich wie gut Kubricks Film ist und wer's nicht gesehen hat, sollte das dringend nachholen.

Fazit: The Shining ist für mich ohne Frage der beste Horrorstreifen aller Zeiten, weil der Horror eben nicht durch billige Effekte, sondern durch die ganze Atmosphäre - die mit Hilfe von der formidablen Kamera, exzellenter Regie und an den Nerven zerrender Musik aufgebaut wird - entsteht. Das macht den Film auch so zeitlos. Die düsteren Bilder brennen sich in uns ein und wir können sie nicht mehr auswaschen.

Die Extras beinhalten ein sehr aufschlussreiches und mit Filmausschnitten gespicktes Making-Of . Dieses wurde von Kubricks Tochter Vivian gemacht, und an ihr liegt es auch, dass man hier tiefere Einblicke als in den üblichen Making-Ofs bekommt. Da sehen wir beispielsweise Jack Nicholson herumblödeln, beim telefonieren über Nudeln reden, Zähne putzen oder neben dem fleissig schreibenden Kubrick seinen Text lernen. Ein gerührter Scatman Crothers erklärt uns bei einem Interview mit Tränen in den Augen, dass er die Arbeit am Set nie vergessen wird und Danny Lloyd wie sein eigener Sohn gewesen sei. ("It was beautiful... just like my son."). Weniger sympathisch ist hier Shelley Duvall, die sich in einer Sequenz um ihre Haare sorgt, welche den Regisseuren herzlich wenig zu interessieren scheinen. In einer anderen Szene streitet sie mit dem Meister um einen Satz oder muss sich die harte Kritik von Stanley persönlich anhören, der offenbar nicht sehr zufrieden mit seiner Hauptdarstellerin ist. Tatsächlich sieht die Arbeit mit ihr sehr anstrengend aus. Für das Making-Of liegt ausserdem noch ein Audiokommentar der Tochter vor.

Weniger gut ist der Trailer von The Shining (auch auf der DVD enthalten), der nur aus nicht endend wollenden, rollenden Titeln und der Lift-Szene besteht. Das war es dann aber auch schon mit den Extras, einen Audiokommentar für den Film gibt es hier nicht. Das Hauptmenü kommt nur mit einem einzigen Standbild aus.

Ton und Bild sind ganz in Ordnung. Das Bild schummert teilweise, stört aber eigentlich nie. Die Synchronisation auf Deutsch ist hier besonders grauenhaft, da die Stimmen im Originalton einen gewissen Hall im riesigen Hotel haben, der im Deutschen aber komplett entfällt. Ausserdem bin ich der Meinung, dass man es gar nicht erst versuchen sollte Jack Nicholson zu synchronisieren, dafür ist seine Stimme einfach zu mächtig und der Schauspieler zu gut.

5.3 Sterne 4.4 Sterne
5.3 Sterne (77 Bewertungen) | 39 Kommentare

6.0 Sterne6 von 0.0-6.0
10.06.2007 / psg


DVD-Infos

  • Bildformat: Vollbild (1.33:1)
  • Sprachen: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)
  • Untertitel: Deutsch, Englisch, Niederländisch, Dänisch, Schwedisch, Finnisch, Norwegisch, Isländisch, Italienisch
  • Extras: Vivian Kubricks "Behind-the-scences"-Original-Dokumentation "The Making of The Shining", Original Kinotrailer