Cannibal Holocaust (1980)

Nackt und zerfleischt

Cannibal Holocaust (1980) Nackt und zerfleischt

Oder: Terror in der grünen Hölle

Die TV-Welt wird durch das Verschwinden des berühmten Dokumentarfilm-Regisseurs Alan Yates (Carl Gabriel Yorke) erschüttert, der mit seinem Team im Dschungel des Amazonas-Beckens einen Film über die lokalen Stämme drehen wollte. Diese sollen angeblich noch in steinzeitlichen Verhältnissen leben und noch dazu Kannibalen sein. Die letzten vorhandenen Bilder zeigen, wie sich Alan und sein Team, das sich aus Alans Freundin Faye Daniels (Francesca Ciardi) sowie den beiden Kameramännern Jack Anders (Perry Pirkanen) und Mark Tomaso (Luca Barbareschi) zusammensetzt, Richtung Urwald aufmachen. Ab da haben die Newsnetzwerke ihre Spur verloren.

Deshalb setzen Alans Auftraggeber Professor Harold Monroe (Robert Kerman), der schon einige solche Expeditionen geleitet hat, auf das Team an und schicken ihn nach Brasilien, wo er nach den verschollenen Filmern suchen soll. Nach einem längeren Flug wird Harold dort auch schon von einem Führer erwartet, welcher den Professor in den unerbittlichen Dschungel führt. Schritt für Schritt folgt Harold den Spuren, welche Alan hinterlassen hat und kommt nicht nur dessen grausamen Filmmethoden auf die Spur, sondern findet schliesslich auch das Filmmaterial, welches so entsetzlich ist, dass sogar die Mitarbeiter, welche eigentlich für den Schnitt zuständig wären, den Film nicht anfassen wollen...


DVD-Rating

Dieser Film wurde im Rahmen der Théatre morbide-Serie angeschaut. Deshalb gibt es auch keine Screenshots, sondern lediglich eine Behandlung des Filmes.

Cannibal Holocaust ist einer von wenigen Schockern, die aus dem Cannibal-Boom der Achtziger noch bekannt sind. Dies hat der Film nicht nur den Kontroversen zu verdanken, sondern auch den vielen Gerüchten/Legenden/Tatsachen, welche sich um ihn ranken. So wurde er nur wenige Tage nach dem Release von der Polizei beschlagnahmt, weil man vermutete, dass Regisseur Ruggero Deodato wirklich seine Schauspieler getötet hatte. Natürlich traf dies nicht zu und war lediglich ein guter Special Effect, doch auf der anderen Seite wurden während der Dreharbeiten tatsächlich mehrere Tiere getötet, was für viel Kritik sorgte und auch ein Gerichtsverfahren nach sich zog. Dieses hat Ruggero Deodato später gewonnen, doch inzwischen hat auch er eingestanden, dass er einen solchen Film heute nicht mehr machen würde.

Der Film selber lässt sich aber trotz allem nicht einfach als eine Kannibalen-Schlachtplatte abstempeln, denn trotz vieler sehr harten, blutiger und auch realistischer Szenen bietet er deutlich mehr. So überrascht er mit seiner ungewöhnlichen Erzählweise, bei der zuerst ein Professor ausgesandt wird, um das Team und sein Filmmaterial zu finden. Erst später erfährt man durch das gefundene Filmmaterial, was wirklich geschehen ist. Eine Erzählweise, welche viel später mit Blair Witch Project wieder populär werden sollte. Zudem zieht sich auch ein starker sozialkritischer Aspekt durch die Handlung, der die Sensationsgeilheit anprangert, die mit allen Mitteln befriedigt werden muss. Natürlich kann man dies, wie auch bei den Antikriegsfilmen, auch als Doppelmoral anprangern, denn auch diese wollen den Krieg kritisieren und gleichzeitig liefern sie möglichst hässliches Filmmaterial.

Zudem ist Cannibal Holocaust auch ein durchaus kurzweiliger, spannender und ein, für seine Zeit, sehr gut gemachter Abenteuerstreifen, bei dem man nie weiss, was einen erwartet. Selbst wenn dabei die Eingeborenen, wie in anderen Schockern die Einwohner von Texas, als hinterwäldlerische Kannibalen dargestellt werden, bleibt er ein zeitloser Schocker, der seiner Zeit voraus war. Mit seinem guten Cast erzählt er eine Geschichte, die deutlich mehr ist als bloss ein Schocker. Aber wohl gerade deshalb ist er über die Jahre zum Kultfilm geworden, der ein ganzes Genre geprägt hat und seither unerreicht blieb.

Fazit: Cannibal Holocaust ist ein Zeitzeuge aus einer Epoche, wo Filmemachen noch kaum irgendwelchen Regeln folgte un die Regisseure die Schauspieler zu allem "motivieren" konnten. Wohl nur so konnte eine solche Produktion überhaupt umgesetzt werden. Trotz allem bleibt der Film eine erschütternde Produktion, welche auch Jahrzehnte nach ihrem Erscheinen noch aktuell ist und sich im Bereich Realismus nicht vor heutigen Filmen zu verstecken braucht. Allerdings hinterlässt das Ganze einen bitteren Nachgeschmack, weil eben deutlich mehr echt ist, was echt sein soll, und dies soll an dieser Stelle auch nicht schöngeredet werden. Dennoch es bleibt ein Stück Filmgeschichte und hat seinen Ehrenplatz im Horrorgenre definitiv verdient.

3.9 Sterne 4.4 Sterne
3.9 Sterne (8 Bewertungen) | 1 Kommentar

4.54.5
24.07.2011 / db


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