Sugarland Express (1974)

Sugarland Express (1974)

Oder: Einmal hin - und zurück?

Sugarland Express

1 Polizeiauto, 2 Polizeiautos...

Die junge Mutter Lou Jean Popplin (Goldie Hawn) ist zu allem bereit, um ihren kleinen Sohn aus der Adoption zu holen. So verhilft sie ihrem Mann (William Atherton) zur Flucht aus dem Gefängnis, obwohl dieser nur noch einige Monaten abzusitzen hat. Was zunächst wie ein Abenteuer beginnt, nimmt eine dramatische Wendung, als der Wagen, in dem die jungen Eltern mitfahren, von einem Polizisten gestoppt wird - wegen zu langsamem Fahrens!

Sugarland Express

Kurzum flüchten die beiden, bauen einen Unfall und werden von Trooper Maxwell Slide (Michael Sacks) gestellt - doch nicht für lange. Der unerfahrene Polizist wird von den beiden als Geisel genommen, verfolgt von einem gewaltigen Polizeiaufgebot fliehen sie durch halb Texas. Nach Sugarland, um den Sohnemann zu holen.


DVD-Rating

Sugarland Express, Steven Spielbergs erster Kinofilm. Kein grosser Erfolg an den Kinokassen, aber ein klarer Fingerzeig zu was dieser damals blutjunge Filmemacher fähig ist. Und nur 2 Jahre später gipfelte die berechtigte Vorahnung in einem Blockbuster sondergleichen: Jaws! Das Talent des schüchtern wirkenden, jungen Spielbergs war bereits in einigen TV-Produktionen zu erahnen. Mit Duel und Sugarland Express schliesslich kam man nicht mehr umhin, Notiz davon zu bekommen. Dieses Auge für besondere Einstellungen, Bildauflösungen mit ausgetüftelten Kamerafahrten, ein Hang zu einer starken Bildsprache nicht des Effekts, sondern der Dramaturgie wegen.

Goldie Hawn war anfangs der 70er absolut heiss! Nach ihrem Oscargewinn als beste Nebendarstellerin für Cactus Flower hatte sie Starstatus. Mit ihrer Rolle in Sugarland Express wollte sie sich von ihrer ernsthafteren Seite zeigen und ein Standbein abseits der komödiantischen Ulknudel suchen. Der auf wahren Begebenheiten fussende Film zeigt sie als naive, manipulative junge Mutter, die alles daran setzen will, nach ihrer Knastzeit ein normales Leben zu führen. Dass ihr das mit ihrem abstrusen Plan, ihr Baby aus den "Klauen" der Pflegeltern zu holen, kaum gelingen wird, ist ihr dabei nie bewusst - schliesslich ist es ihr Kind, aus und vorbei. Und so lässt sie ihren Mann, der auf dem besten Weg ist in Kürze ebenfalls aus der Haft entlassen zu werden, ausbrechen, um ihr zu helfen. Motto: entweder du kommst mit, oder ich such mir einen anderen. Das US-Kinopublikum mochte Hawn nicht in dieser befremdenden Rolle sehen und wusste nicht, ob es die eigensüchtige Lou Jean nun mögen sollte oder nicht, einer der Hauptgründe für das mässige finanzielle abschneiden des Films.

Sugarland Express ist ein Roadmovie mit Polizeieskorte, visuell bestechend (man beachte etwa die Rundumfahrten ums Auto) umgesetzt mit der Hilfe von Vilmos Zsigmond, der danach nochmals bei Close Encounters of the Third Kind mit Spielberg hinter der Kamera stand, und materiell beeindruckend: so viele Polizeiautos auf einen Streich und auch das hinterste in der Schlange lässt die Signallampen auf Weihnachtsstufe. The American Way - je mehr desto besser, auf abstruse Weise vorgeführt!

Gerade in Nebenrollen schafft es Spielberg immer wieder, bewährt zu besetzen, so auch hier die Rolle des Polizeicaptains mit Ben Johnson, während die männlichen Hauptdarsteller William Atherton und Michael Sacks nach Sugarland Express eher in Vergessenheit gerieten - was kaum an ihrem zweifellos guten Spiel in diesem Film lag.

Sugarland Express markiert ausserdem das erste kreative Aufeinandertreffen von Filmmusikikone John Williams und Steven Spielberg. Nur noch zwei Mal danach sollten sich ihre Wege nicht kreuzen (The Color Purple, Twilight Zone-The Movie). Eine der ganz grossen Komponisten/Filmemacher-Verbindungen feierte somit ihren Anfang! Die Mischung aus Naivität, Betrübtheit, Zerwürfnis und Ausweglosigkeit mag vielleicht uneinheitlich erscheinen, doch es ist Spielbergs Intention in der Erzählweise zu verdanken, dass er die Story in einen geeigneten Rahmen zu verpacken vermochte und einen Film auf gehörigem Niveau ablieferte. Sugarland Express ist ein beeindruckendes Kinodebüt, daran gibt's nichts zu rütteln.

Es ist traurig, dass es für den gelungenen Erstling eines Regisseurs vom Formate eines Steven Spielbergs kein Making Of, keine Doku, nicht mal einen Audiokommentar gibt auf der DVD gibt. Schade!

5.2 Sterne 2.0 Sterne
5.2 Sterne (5 Bewertungen) | 0 Kommentare

5.55.5
13.01.2005 / pb


DVD-Infos

DVD erschienen am 22.10.2004

  • Bildformat: 2.35:1 (anamorph)
  • Sprachen: Deutsch, Englisch, Französisch (DD 2.0)
  • Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Niederländisch, Arabisch
  • Extras: -