Sisters (1973)
Schwestern des Bösen
Sisters (1973) Schwestern des Bösen
Oder: Wahre Schwesternliebe?
In der Hoffnung auf eine heisse Nacht folgt ein junger Mann dem Fotomodell Danielle Breton (Margot Kidder) nach Hause. Als er am Morgen in Danielles Appartement erwacht, kriegt er einen Streit zwischen Danielle und ihrer Schwester mit. Um die Lage zu besänftigen, besorgt er einen hübschen Geburtstagskuchen für die Zwillingsschwestern. Das fröhliche Kerzenausblasen allerdings erlebt er nicht mehr. Die Journalistin Grace Collier (Jennifer Salt) beobachtet den Mord vom gegenüberliegenden Fenster aus, doch die alarmierte Polizei findet keine Spuren. Niemand will Grace, einer bekannten Klatschreporterin, die kürzlich wenig löblich über die Polizeiarbeit geschrieben hat, glauben. Daraufhin spürt sie auf eigene Faust der mysteriösen Danielle nach...
DVD-Rating
Mit Sisters hat Brian de Palma seine erste cineastische Verbeugung vor Altmeister Alfred Hitchcock getätigt: Einführen eines eigentlich sympathischen Charakters um ihn kurz später dann umbringen zu lassen, Sichtweise der verschiedenen Protagonisten zu veranschaulichen, den Zeugen des Mordes in das Verbrechen zu involvieren - typisches Hitchcock-Gebaren. Ohne Zweifel, Brian de Palma steckte mit diesem Film noch in den "Kinderschuhen" und seine späteren Huldigungen in Filmen wie Obsession oder Femme Fatale waren ausgefeilter. Auffallend in Sisters sind Referenzen an Psycho und ganz besonders an Rear Window, deutlich in der Sequenz in der der Schnüffler in der Tatwohnung nach Spuren sucht, beobachtet von Claire aus der Nachbarswohnung, zu sehen.
Sisters hat de Palma für eine schlappe halbe Million Dollar gedreht, das sieht man dem Film wirklich nicht an, wenn auch der Regisseur die ein oder andere Szene gerne neu gedreht hätte. Natürlich hackt die Geschichte hie und da, sicher nagt der Zahn der Zeit am Film und die etwas irritierenden, arg improvisiert wirkenden Traumsequenzen gegen Ende des Films wirken etwas verstörend. Oder sagen wir so: anstatt einen auflösenden Höhepunkt darzustellen, hinterlassen sie eher einen bitteren Beigeschmack. Gefällig und spassig ist die pre-Lois-Lane Darstellung von Margot Kidder als kanadisches Fotomodell mit Identifikationsproblemen, während Jennifer Salt als Heroine etwas blass bleibt und man mit ihr zu wenig mit- und kaum in sie hineinfühlt. Einen witzigen Einschlag verleiht George Durning seiner Rolle als Privatschnüffler, insbesondere die Schlusseinstellung veranlasst zum Schmunzeln. In den Farbkübel langt de Palma bei der deftigen, vielseits erwähnten Mordszene, für damalige Zeiten in der Tat ein schockierendes Erlebnis. So wird man den Film wohl nie im TV zu sehen bekommen.
Ein Highlight feinster Natur ist Bernard Herrmanns Filmmusik. Der Komponist, der lange Jahre Hitchcock musikalisch begleitete und seinen Filmen das i-Tüpfelchen aufsetzte, war für Brian de Palma die ideale Ergänzung (auch ideologischerweise), wenn dieser auch das nicht ganz einfache Naturelle des damals 61jährigen zu spüren bekam (so interessierte Herrmann beim ersten Screening zur Bestimmung der Musikstellen der Film weit weniger als wann es denn endlich Lunch geben würde?)! Es war eine seiner letzten Musiken am Ende einer langen, sehr bewegten Karriere. Brian de Palma arbeitete danach nochmals mit Bernard Herrmann zusammen (Obsession), Taxi Driver sollte seine letzte Musik werden.
Sisters ist eine nette, recht unterhaltende Hommage von einem Filmemacher, der Hitchcock am besten huldigen kann und das auch immer wieder tut.
Ich hatte leider Probleme mit der DVD. Die Texttafeln, die nähere Erläuterungen zu den Dreharbeiten geben, konnte ich auf drei verschiedenen Geräten nicht anwählen und somit auch nicht lesen. Schade. Ansonsten bietet die Disc wenig an speziellen Extras, die den Fan wirklich verzücken würden, eine DVD für de Palma Fans müsste doch ein bisschen mehr Drumherum zu bieten haben. Das Bild ist okay, auch die beabsichtigt in 16mm verfilmten Sequenzen (Hypnose, Freaks) kommen gut rüber. Eine gewisse Körnigkeit, vor allem in den dunklen, aber auch in den überwiegend in 35mm gedrehten Szenen ist durchweg vorhanden. Schade, dass die Tonspur in Mono verblieben ist und nicht überarbeitet wurde, gerade in Sachen Musik wäre das eine durchaus lohnenswerte Sache gewesen.
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3.5 Sterne (1 Bewertung) | 0 Kommentare
DVD-Infos
- Bildformat: 1.85:1 (anamorph)
- Sprachen: Deutsch, Englisch (DD Mono 2.0)
- Untertitel: Deutsch und Englisch für Hörgeschädigte
- Extras: Anatomie eines Filmes; Brian de Palma-Porträt; Original-Artworks.


