Shurayukihime - Lady Snowblood (1973)
Shurayukihime - Lady Snowblood (1973)
Oder: Ein Kind der Vergeltung
Sayos Ehemann, eine Grundschullehrer, wird von vier Gangstern bestialisch ermordet. Danach vergewaltigen die Mörder Sayo während dreier Tage. Sie schwört Rache und kann einen ihrer Peiniger töten, in dem sie seine Geliebte wird. Weil sie für die Tat ins Gefängnis gesteckt wird, will sie einen Sohn gebären, der ihren Rachefeldzug beendet. Sie schläft deshalb mit so vielen Wächtern wie möglich. Ihr Kind wird jedoch ein Mädchen und Sayo stirbt im Wochenbett.
Yuki, das Kind der Vergeltung, wird von den Mithäftlingen (Warum gibt es eigentlich von diesem Wort keine weibliche Form?) zur Killerin erzogen und startet mit 20 Jahren ihren Rachefeldzug. Ein altes Dorfoberhaupt und ein Reporter helfen ihr dabei. Doch ihr Töten fordert noch mehr Hass zu Tage...
Kinofilm-Rating
Die Filmverleiher meinen es gut mit uns. Gerade wenn sich das Mittelland im Januar in eine gefrorene Milchsuppe verwandelt hat, schicken sie die Kritikergilde ans Meer in Filmen wie Mar Adentro und Life Aquatic, die in Galizien und in Italien spielen. Und als Sahnehäubchen gibt's zum Ende der Woche noch Lady Snowblood. Gerade so, als wollten sie die weisse Pracht rehabilitieren, indem sie zeigen, dass der Schnee schön sein kann, wenn nur genug Blut draufspritzt.
Jede Filmkritik, die was von sich hält, hat diesen japanischen Film aus dem Jahre 1973 bei der Rezension von Quentin Tarantinos Kill Bill erwähnt. Die frappante Ähnlichkeit mit Lucy Lius O-Ren Ishi und der Titel gebenden Lady in diesem Film könnte man als zufällig betrachten. Sehen nicht alle Japanerinnen ähnlich aus - speziell, wenn man sie mit Kimono im Schnee eine Samuraischwert schwingen lässt? Die knackig-frische neue Kopie mit deutschen Untertiteln, die das RiffRaff verdankenswerterweise ins Land geholt hat, erlaubt nun endlich den Vergleich der unbekannten Obskurität aus den 70ern mit dem Filmzitatepos in zwei Volumen aus dem neuen Jahrtausend.
Ob man es Plagiat oder Hommage nennen soll, ist jedem selber überlassen. Sicher ist, wäre Tarantinos Oeuvre nur auf seiner Pulp gewachsen, hätte er wahrscheinlich etwa 23 Minuten Film vorzuweisen. "Shurayukihime", wie der Film im Original heisst, hatte definitiv einen Einfluss auf den Regisseur mit dem Bananenkinn. Neben dem schneeweissen Kimono teilt O-Ren Ishi mit Yuki (Schnee) auch den Killerinstinkt seit frühester Kindheit. Aber auch B*beep*x, Uma Thurmans Braut in Kill Bill, ist mit Yuki verschwestert im Geiste. Beide Frauen sind auf Rache aus, und gehen bei einem Altmeister in die bitterharte Kampfschule. Formal fällt die Einteilung der Geschichte in Kapitel auf, und zumindest ein Song kommt in beiden Filmen vor. Man könnte sogar soweit gehen und die in Lady Snowblood eingefügten Zeichnungen als Vorläufer der Mangaszenen in Vol.1. bezeichnen.
Trotzdem haben beide Filme mehr zu bieten als nur die offensichtlichen Gemeinsamkeiten. Es ist faszinierend Meiko Kaji zuzusehen. Im Kimono und mit Geta an den Füssen würden andere Frauen nur noch trippeln. Sie zückt aber mit Leichtigkeit ihr Katana, das in einem unscheinbaren Schirm versteckt ist, und kämpft ohne mit der Wimper zu zucken. Die Kämpfe sind aber nicht das wichtigste. Einige erwartete Showdowns werden sogar vorenthalten. Yuki muss sich nicht an allen vier Peinigern ihrer Mutter rächen. Lady Snowblood ist denn auch genauso ein Kunstfilm wie ein Samurai-Slasher: Standbilder, farbiges Licht, Slow-Motion und Comiczeichnugen werden verwendet. Soziale Spannungen im Japan des vorletzten Jahrhunderts und die feministische Vorreiterrolle der Hauptdarstellerin, die sich sicher nicht so verhält, wie man es von einer Dame erwartet, geben dem Film eine ungewohnte Tiefe. Trotzdem fliesst das Blut immer reichlich und wie aus Fontänen. Schön, dass dieser Film dank Kill Bill wieder ein bisschen Aufmerksamkeit bekommt. Am 15. Februar 2005 erscheint er auch erstmals auf einer deutschen DVD.
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