Shurayukihime - Lady Snowblood (1973)
Shurayukihime - Lady Snowblood (1973)
Oder: Bevor man Bill killen wollte
Sayos Ehemann, eine Grundschullehrer, wird von vier Gangstern bestialisch ermordet. Danach vergewaltigen die Mörder Sayo während dreier Tage. Sie schwört Rache und kann einen ihrer Peiniger töten, in dem sie seine Geliebte wird. Weil sie für die Tat ins Gefängnis gesteckt wird, will sie einen Sohn gebären, der ihren Rachefeldzug beendet. Sie schläft deshalb mit so vielen Wächtern wie möglich. Ihr Kind wird jedoch ein Mädchen und Sayo stirbt im Wochenbett.
Yuki, das Kind der Vergeltung, wird von den Mithäftlingen (Warum gibt es eigentlich von diesem Wort keine weibliche Form?) zur Killerin erzogen und startet mit 20 Jahren ihren Rachefeldzug. Ein altes Dorfoberhaupt und ein Reporter helfen ihr dabei. Doch ihr Töten fordert noch mehr Hass zu Tage...
DVD-Rating
Ja, genau. Das ist er nun. Der Film von 1973, aus dem viele Szenen als Inspiration für Quentin Tarantinos Kill Bill Vol. 1 gelten. Und das sieht und hört man dem Film über den Rachefeldzug einer ehemaligen Killerin auch an. Ähnliche oder gleiche Melodien, übernommene Szenen und grundsätzlich die gleiche Geschichte. Eine Frau sieht rot. Nur ist es hier natürlich nicht Uma Thurman, sondern Meiko Kaji, die äusserlich nett und niedlich daherkommt, aber ganz schnell zur brutalen Furie werden kann.
Die Story kommt recht glatt daher. Anfänglich braucht man ein paar Minuten, um zu verstehen, wer nun was macht und warum genau die Taten folgen, die das dann auch tun. Das kann durchaus mit der europäischen Schwierigkeit zusammen hängen, die asiatischen Gesichter zu unterscheiden, aber auch ich hatte anfänglich Mühe, mir die Figuren zu merken und sie in "gut" und "böse" einzustufen. Wenn das dann aber mal geklappt hat, gehts zügig voran und die grosse Metzelei kann beginnen.
Womit wir schon beim Thema Nummer Eins sind. Die Kämpfe. Die sind nämlich nicht so spektakulär, wie ichs mir erhofft hatte und das Kunstblut spritzt in Fontänen aus den jeweiligen Wunden (immer schön mit einem "schschsch" unterlegt, dass man das Gefühl hat, es beginne gleich zu regnen). Aber ich denke, damals, als der Film gedreht wurde, war das schon ein Highlight, einfach so Arme abzuhaken, Körper durchzuschneiden oder sonstige Nettigkeiten auf Grossleinwand zu zeigen. Heutzutage runzelt man zwar die Stirn bei solchen Szenen, aber irgendwie ist die Zeit auch an diesen Aktionen nicht spurlos vorbei gegangen. Dass aber solche Blutfontänen auch heute noch in Filmen verwendet werden, weiss jeder, der zum Beispiel Zatoichi gesehen hat
Fazit: Lady Snowblood ist schnörkelloses, atmosphärisches und mit sehr schönen und gleichzeitig brutalen Bildern ausgestattetes East-Kino. Man muss sie mögen, diese Art von Film. Man muss viel hinein interpretieren können, um wirklich Spass daran zu haben. Dieses Exemplar zog bei mir klar die Spannung aus der Tatsache, dass ich immer und immer wieder an Kill Bill Vol. 1 erinnert wurde und es mir so vorkam, als ob man teilweise Szenen 1:1 übernommen hatte. Und auch wenn Kollegen sagen: "Hey, dä muesch luege, isch im Fall so geil", dann sag ich denen gerne: "Hey, ich han en gseeh und er isch guet gsii". Mehr liegt leider nach meiner Sichtweise nicht drin.
Bei der Ansicht der DVD fällt als erstes auf, dass ein Film, der auf Dolby 1.0 zu hören ist, recht mühsam sein kann. Auch dass die kleingedruckten deutschen Untertitel nicht gerade die Qualität der Augen fördert, fand ich schade. Aber wenn man sich zusammenreisst, geht's. Immerhin hat der Film schon einige Jährchen auf dem Buckel. Unter den Extras auf der DVD findet sich eine schöne Bildergalerie, die nochmals die Qualität der Ausstattung unterstreicht. Natürlich gibts den japanischen Kinotrailer dazu, der ohne irgendwelche Arten von Untertiteln geliefert wird. Auch die Schrift können nur geübte Europäer oder japanische Kumpels lesen. Ich konnte es leider nicht. Das Highlight ist aber ein Interview mit Mark Schilling, einem amerikanischen Journalisten, der seit langem in Japan lebt. Er erzählt über die Qualität der japanischen Filme und den Zusammenhang zwischen Lady Snowblood und Kill Bill Vol. 1. Der Mann hat zwar eine etwas monotone Stimme, aber was er sagt, ist durchaus interessant. Eine grosse Trailershow der "Rapid Eye Movies" rundet die Extras ab, die sicherlich okay sind, von denen ich aber persönlich noch mehr Hintergründe erhofft hätte.
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4.9 Sterne (13 Bewertungen) | 0 Kommentare
DVD-Infos
DVD erschienen am 14.02.2005
- Bildformat: 1:2.35
- Sprachen: Japanisch (Dolby 1.0)
- Untertitel: Deutsch
- Extras: Interviews mit der Hauptdarstellerin und dem Autor. Trailer, Mark Schilling über den Film


