Ultimo tango a Parigi (1972)
Der letzte Tango in Paris
Ultimo tango a Parigi (1972) Der letzte Tango in Paris
Oder: Lass uns ferkeln!
Der Amerikaner Paul (Marlon Brando) lebt seit fünf Jahren in Paris und sieht sich mit dem Suizid seiner Frau Rosa (Veronica Lazar) konfrontiert. Verloren zwischen Zeit und Raum, wandelt er in der Stadt der Liebe umher. Zeitgleich kreuzt die junge Jeanne (Maria Schneider) seinen Weg. Beide treffen sich wie durch Zufall erneut bei der Besichtigung eines Appartements. Sowohl Paul wie auch Jeanne sind von der heruntergekommenen Behausung angetan. Es kommt zum spontanen kurzen Liebesakt. Paul scheint die naive Energie von Jeanne aufzusaugen, diese wiederum ist von seiner abgelöschten Art angetan.
Obwohl es sich beide zum Spiel machen, weder Namen auszutauschen noch etwas Persönliches von sich zu verraten, treffen sie sich fortan immer wieder im Appartement zum Sex. Aus ihren frivolen Spielereien wird langsam eine ernsthafte Bindung. Jeanne gerät zusehends in einen Konflikt, da ihr Freund Tom (Jean-Pierre Lèaud), ein Jungfilmer und Stehaufmännchen, ihr gerade einen Hochzeitsantrag gemacht hat...
Blu-ray-Rating
Bei Bernardo Bertoluccis sechstem und wohl skandalträchtigstem Film ist es schwer, sich als Kritiker nicht die Finger zu verbrennen. Einerseits lasten auf dem Film schon eine Unmenge an Kritiken, andererseits kann er rein anhand seiner Popularität sehr schnell überbewertet werden. In einem Punkt sind sich alle einig: Ultimo tango a Parigi (deutsch: "Der letzte Tango in Paris") ist kein Film für die Massen, foltert und provoziert mit explizitem Inhalt und sollte daher von zarten Gemütern gemieden werden.
Mal abgesehen von den wenigen, aber fragwürdigen Sexszenen ist der letzte Tango des Hauptprotagonisten Paul ein schwerfälliges, aber mitleiderweckendes Drama. Grundsätzlich passiert nicht viel. Der Plot zieht sich in den zwei Stunden dahin. Aber gerade in den langen und teilweise kontrastreichen Szenen trumpft Bertolucci auf. Selten war Paris so kühl und bleiern (ähnlich dem Venedig in Don't Look Now). Der Zenit an Hoffnungslosigkeit wird mit Pauls Monolog im Aufbahrungsraum seiner toten Frau erreicht. Eine wunderbare Szene mit einem wunderbaren Schauspieler.
Und damit wären wir beim wohl wichtigsten Grund, warum Ultimo tango a Parigi trotz allen Unsinns einen Blick wert sein kann: dem Cast. Marlon Brando, einstiger Held und Aushängeschild amerikanisch patriotischer Filmgeschichte, zeigt uns ein verzerrtes Spiegelbild seiner selbst (was er später in Apocalypse Now verfeinert hat). Nach einem privaten Tief kam ihm das Filmangebot von Bertolucci gerade recht. Brando fühlt echten Schmerz, auch wenn trotz all der Dramatik das Schauspielern immer wieder in den Vordergrund dringt. Mit der kürzlich verstorbenen Maria Schneider erhält Brando eine provokante Gespielin, die nicht nur wegen ihren Nacktszenen Aufsehen erregt. Ihre Darstellung der jugendlichen Jeanne ist klischeehaft und wunderbar zugleich.
Fazit: Ultimo tango a Parigi ist ein Skandalfilm, den man nicht unbedingt gesehen haben muss. Marlon Brando und Maria Schneider brillieren in einer wirren Geschichte, die hoffnungslos überflüssig ist und ohne Struktur schnell an Erzählkraft verliert. Um dem ewigen Polarisieren zu entkommen, entscheiden wir uns für die goldene Mitte.
Die Blu-ray-Version kommt mit einigermassen klarem Bild aber etwas leisem Ton daher. Vermutlich wurde alles aus dem alten Material herausgeholt. Hierfür tut's aber auch die verstaubte DVD-Version aus dem Keller, denn grosse Extras hat die Neuauflage keine zu bieten.
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3.7 Sterne (12 Bewertungen) | 0 Kommentare
Blu-ray-Infos
Blu-ray erschienen am 04.03.2011
- Bildformat: 1.85:1 / Anamorph
- Sprachen: Deutsch (DD 1.0); Englisch/Französisch (DTS HD 1.0)
- Untertitel: Deutsch; Englisch; Englisch für Hörgeschädigte; Französisch
- Extras: Teaser



