The Getaway (1972)

Getaway

The Getaway (1972) Getaway

Oder: Als verliebtes Paar ballert es sich am besten.

The Getaway

Never forget the Scent of your Lady.

Vier geschlagene Jahren schon verbüsst Carter 'Doc' McCoy (Steve McQueen) seine Strafe in einem texanischem Knast - wegen bewaffnetem Raubüberfall. Das alljährlich einzureichende Straferlassgesuch birgt Hoffnung auf Freiheit, doch als der Untersuchungsausschuss tagt, wird es erneut kühl abgelehnt. Tief gezeichnet vom Gefängnisleben gibt er sich letztendlich dem Unausweichlichen hin: An einem Besuchstag verlangt er verbittert von seiner Frau Carol McCoy (Ali MacGraw), sie solle dem korrupten Lokalpolitiker Jack Beynon (Ben Johnson), der dem Untersuchungsausschuss angehört, sagen, er sei zu kaufen - zu seinem Preis. Gesagt, getan.

The Getaway

Catch Us If You Can!

Endlich unter freiem Himmel geniesst McCoy still und eng umschlungen den verloren geglaubten Duft, die Wärme seiner Frau Carol. Zu Hause fragt er vorsichtig, ob sie in diesen Jahren oft ausgegangen sei. Vier lange Jahre - und dann komme eine solche Frage, entgegnet sie ihm knapp. Am nächsten Tag trifft er Beynon, dem er ja einen Gefallen schuldet. Dieser verlangt einer Bank eine halbe Million Dollar auszurauben - zwei Wochen Vorbereitungszeit, zwei professionelle Gangsters, Rudy Butler (Al Lettieri) und Frank Jackson (Bo Hopkins), sollen sie unterstützen.

Gründlich bereitet das Gangsterpaar den Coup vor: Sie beobachten die Bewegungen der Angestellten und die Route der Streifenwagen, inspizieren die Baupläne des Gebäudes und vor Ort den offenen Raum der Bank. Die Gestalten Butler und Jackson organisieren Fahrzeuge, Werkzeuge und anderes "Picknick"-Material. Bei der Einsatzbesprechung werden präzise Hindernisse und Ablauf skizziert und Zielorte vereinbart: Ein Schuppen für den Fahrzeugwechsel und Laughlins (Dub Taylor) Hotel in El Paso als Endziel. Neben den Waffen werden sicherheitshalber auch Schutzwesten empfohlen, die aber Butler schmäht. Er empfinde das ganze Unternehmen schlicht für übertrieben, schliesslich sei man ja nicht John Dillinger (ein berüchtigter Bankräuber).

The Getaway

What's up, Doc?

Der Coup beginnt: Der Strom wird gekappt, Butler und Jackson erstürmen die Bank, McCoy läuft ihnen nach und Carol versteckt an diversen Orten Zeitbomben als Ablenkungsmanöver. Der Raub gelingt fast wie erdacht, ärgerlicherweise wird der Bankwächter von Jackson erschossen. So entledigt sich Butler eiskalt seines Komplizen und will sich auch das Geld beim vereinbarten Schuppen an sich reissen - McCoy handelt schneller und erschiesst ihn. Scheinbar, noch ahnt er nicht, dass Butler doch eine Kugel sichere Weste trug. Eigenartiger Weise drängt ihn seine Frau Carol, mit dem ihnen zustehenden Teil der Beute das Weite zu suchen, McCoy aber macht es auf seine Weise. Inzwischen schleppt sich der schwer verletzte Gangster Butler Richtung Hotel in El Paso. Unterwegs zwingt er mit vorgehaltener Pistole den Tierarzt Harold Clinton (Jack Dodson) ihn medizinisch zu behandeln und bis zum Hotel zu chauffieren - seine Frau Fran (Sally Struthers) wird als Pflegerin und Geliebte ausgespannt. Den McCoys derweil überrascht während der Fahrt eine Nachrichtenmeldung im Radio: Die erbeutete Summe sei 750'000 Dollar. Bei Beynon später wird dies bestätigt - durch den Banküberfall habe man einen Betrug gedeckt, da sein Bruder, als dortiger Bankdirektor, die Differenz unterschlug. Unberührt teilt McCoy die Beute weiter, bis Beynon listig mit unverschämten Andeutungen McCoys Verstand auf die Sprünge helfen versucht: Erstens gäbe es da eine ungemein attraktive Frau, zweitens ihren Ehemann und drittens einen sehr einflussreichen Mann, der Gefangenen die Freiheit schenken kann. Und zu diesen Worten taucht Carol plötzlich mit geladener Waffe hinter McCoy aus dem Nichts hervor...

Worauf will Beynon hinaus - steckt Carol mit ihm unter einer Decke? Was führt der Gangster Butler im Schilde? Will die Flucht mit Beute vor Polizei und Gangsters gelingen?


DVD-Rating

Der raffinierte Roadmovie von Sam Peckinpah skizziert fein und brutal zugleich einen aufwühlenden Lebensabschnitt eines Gangsterehepaars. Schon die Einleitung zeigt, durch die gelungene Bildsprache wie auch durch knappen Worten, die Monotonie im Alltag eines Häftlings auf, und derselbe Rythmus wird weiter im Film verfolgt - ruhige, intime Momente und das sich scharfe Entledigen von Störelementen halten sich die Waage, Subplots können spannend gesponnen werden (zB. herrlich die Taschendiebsequenz).

Die Vorangehensweise ist, wie bei Bullitt, eher auf Realismus bedacht, vermischt mit klaren oder stereotypischen Figuren (allen voran der Politiker und sein Anhang). Steve "King of Cool" McQueen spielt wie eh und jeh leichtfüssig (und) überzeugend (Schwächen sind zwar erkennbar, bei der Vorbereitung des Coups im Dunkeln zum Beispiel); an seiner Seite wirkt die schöne Ali MacGraw manchmal ein bisschen devot (gezeichnet), sonst doch schlagfertig. Sehenswert sind der grossartige Al Lettieri in seiner Rolle des gefallenen, aber unzimperlichen Grossmauls "Rudy" und seine dümmlich erscheinende, vollbusige Eroberung "Fran" (mit "Stockholm-Syndrom", positives, emotionales Verhältnis des Opfers gegenüber ihren Peinigern), herrlich gespielt von Sally Struthers.

Eindrücklich bei Shootouts ist der Einsatz von Zeitlupen, wodurch einem die rohe Gewalt durch blutige Schiessverletzungen, durch das Knallen der Waffen und durch den Rückstoss der Angeschossenen näher gebracht werden. Alles in allem ist die Irrfahrt auf Asphalt einer Flucht auf Pferden in einem Western nicht unähnlich - Regisseur Peckinpah inszenierte einige gute Western (Ride the High Country, The Wild Bunch).

Nicht vorenthalten will ich eine feine Anekdote, die besagt, dass Ali MacGraw bis zu diesem Film noch nie ein Auto steuerte - in einem harten Crashkurs wurde sie in die heiligen Künste des korrekten Fahrens eingeweiht, unter Anleitung von ihrem späteren Ehemann Steve McQueen himself in nur zwei Wochen. Lustigerweise ist dies im Film bemerkbar (während der Fahrt zur Bank überfährt sie fast einen Fussgänger, das Verrutschen der Kupplung vor dem Radiogeschäft). Mmh, vielleicht hätte der Film ohne irgendwelche Einführung noch mehr Anhänger gehabt, fabuliere ich mal scherzhaft, und wäre sichtlich realistischer geworden - ein Schock für die eh schon genötigten Zensoren.

Der Schnitt packend, Kameraführung passt. Die Musik von Quincy Jones ist manchmal melancholisch (herrlich die Mundharmonika), manchmal schlicht zwecks Spannungssteigerung (das Rasseln wie bei einer Klapperschlange, das monotone Hauen auf einem Xylophon). Die Bildqualtät nicht überragend, unscharf und fast zu dunkel; der Soundausgabe der DVD ausreichend. Viele Worte will ich zum Inhalt der DVD nicht verlieren, es sind nur Mindestindegrenzien vorhanden (kein "Making of", kein Trailer) - scheinbar auch eine von den ersten DVDs.

Meines Erachtens nichts neues (die Flucht), aber routiniert gemachter Film, spannende Wendungen mit erfrischenden Subplots und spart auch hie und da an Sozialkritik nicht (faszinierdende, wie auch abstossende Machtspiele, die Gier, die heilige Institution Ehe). Und, man könnte glauben, dass auf den rechts angrenzenden Grünflächen einer Autobahn Eheprobleme besser verarbeitet werden (in Anlehnung an Bullitt)..

4.4 Sterne 1.0 Stern
4.4 Sterne (13 Bewertungen) | 4 Kommentare

5.0 Sterne5 von 0.0-6.0
07.03.2005 / ronin


DVD-Infos

DVD erschienen am 25.11.1998

  • Bildformat: 2.35 : 1 (Anamorphic Widescreen)
  • Sprachen: Deutsch (Mono), Englisch (Mono), Spanisch (Mono)
  • Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Türkisch, Holländisch, Schwedisch, Norwegisch, Dänisch, Finnisch, Portugiesisch, Hebräisch, Polnisch, Griechisch, Tschechisch, Ungarisch, Isländisch, Kroatisch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch für Hörgeschädigte, Italienisch für Hörgeschädigte
  • Extras: BonusmateriInteraktive Menüs, Szenenanwahl, Zusatzinfos zum Film (Stab und Besetzung, Ein Schauspieler bereitet sich vor, Zwei Premieren für Ali MacGraw, Dreharbeiten)

The Getaway (1972)
Bewertung: 4.4 (13 Bewertungen)
4.4 Sterne » BewertenThe Getaway (1972)064.4285713

» Filminfos
» Review: DVD

» Bilder


Shopping - jetzt kaufen:
Blu-rays, DVDs & Posters