Punishment Park (1971)

Strafpark

Punishment Park (1971) Strafpark

Oder: The Thirst Games

Game over!

Game over!

1970: Der Vietnamkrieg spitzt sich immer mehr zu und in den USA kommt es vermehrt zu Unruhen. Aus diesem Grund wendet Präsident Richard Nixon ein Notstandsgesetz an, das es erlaubt, alle Personen, welche die innere Sicherheit gefährden könnten, festzunehmen. Opfer dieses Gesetzes werden vor allem Hippies, aufbegehrende Afroamerikaner und auch viele Studenten, die an den Unis des Landes Radau machen. Weitab von der Zivilisation in einem Wüstengebiet entscheidet dann ein Sondergericht über deren Schicksal.

Meist wird eine mehrjährige Haftstrafe verhängt, doch die Gefangenen haben noch im Gericht die Chance, ihre Strafe massiv zu verkürzen. Anstatt Knast müssen sie es nur durch den "Punishment Park" schaffen. Doch so einfach ist das nicht. Ihnen stehen 85 Kilometer Wüste bevor, welche die Gefangenen ohne Wasser und Nahrung zu Fuss hinter sich bringen müssen. Das Ziel ist eine amerikanische Flagge, bei deren Erreichung die Leute wieder in die Freiheit entlassen werden. Erschwerend kommt aber noch dazu, dass zwei Stunden nach Beginn des "Rennens" Ordnungshüter die Verfolgung aufnehmen dürfen.


Film-Rating

Als Punishment Park 1971 in Cannes seine Premiere feierte, teilte er die Kritiker und Zuschauer in zwei Lager. Während viele Europäer Freude am Filmstil und an den universell geltenden Aussagen hatten, war für die Amerikaner das Werk von Peter Watkins ein absolutes No-Go. Verleiher und Kinobesitzer im Land der unbegrenzten Möglichkeiten wollten den Film nicht ins Programm nehmen, und selbst heute ist es dort schwer an das Werk heranzukommen. Eine DVD oder eine TV-Ausstrahlung gab es bisher nicht. Der Grund dafür ist naheliegend: Das unschöne Spiegelbild, welches hier den Amis vorgehalten wird, ist einfacher zu zerschlagen, anstatt sich damit auseinanderzusetzen.

Es muss hier klar gesagt werden, dass es sich um eine Fake-Doku handelt und ein Punishment Park nicht existiert. Watkins nutzt diese Vorgehensweise, um vieles überspitzt und übertrieben darzustellen. Der englische Regisseur versteht dabei seinen Film als Metapher für die sozialen und politischen Zustände in den USA zur Zeit des Vietnamkrieges. Die Idee zum Projekt kam ihm nach dem Kent-State-Massaker, bei dem die Nationalgarde während einer Demonstration gegen den Vietnamkrieg auf unbewaffnete Studenten das Feuer eröffnete. Vier Studenten starben, viele wurden verletzt. Doch auch heute hat der Film immer noch Relevanz. In Guantanamo Bay ging es auch nicht viel gerechter zu und her, wie es hier gezeigt wird.

Watkins schlägt während der ganzen Zeit mächtig gegen die Regierung. Es ist sehr schnell klar, wem dieser Film eher dienen wird: Bürgern, die gegen die Korruption und Ungerechtigkeit kämpfen und dafür einen hohen Preis bezahlen müssen. Das Komitee in der Wüste stellt dabei den Staat dar, der einfach so entscheidet, wie es ihm am besten dienlich ist. Mit "das Wohl des Landes" kann jedes Urteil begründet werden, und im Notfall wird auch mal zum Knebel gegriffen.

Im Gesamten werden drei Geschichten parallel erzählt. Eine zeigt den Überlebenskampf einer sich schon länger im Park befindenden Gruppe, während eine andere Handvoll Menschen gerade am Start steht und einer weiteren gerade der Prozess gemacht wird. Dies hat dann ein Übermass an Figuren zu Folge, weshalb das Anfreunden mit den Charakteren schwer fällt. Wieso nicht den ganzen Weg von einer einzigen Gruppe von A-Z zeigen? Auch mutet es etwas seltsam an, dass das Material des filmenden Reporterteams, aus deren Sicht der ganze Film zu sehen ist, nicht von den Regierungsbeamten beschlagnahmt wird. Hier geht dann auch ein wenig die "gefälschte Authentizität" verloren.

Fazit: Punishment Park ist ein wütendes und pessimistisches Werk, das Missstände brutal aufzeigt. Auch über 40 Jahre nach seiner Premiere schockiert und fasziniert die Fake-Doku immer noch und wird durch die zur Schau gestellte Ungerechtigkeit beim Zuschauer die Wut aufsteigen lassen. Das Besondere an dem Ganzen ist jedoch, dass es sich hier nicht nur um ein übertrieben dargestelltes Zeitdokument handelt, sondern auch heute immer noch erschreckende Aktualität besitzt.


OutNow.CH:

Bewertung: 5.05

 

08.07.2012 / crs

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