Rosemary's Baby (1968)

Rosemaries Baby

Rosemary's Baby (1968) Rosemaries Baby

Oder: Da wird Abtreibung zu einer Option

Rosemary (Mia Farrow) ist mit ihrem strauchelnden Schauspieler und Ehemann Guy Woodhouse (John Cassavetes) auf der Suche nach einer neuen Wohnung. Schliesslich finden sie im alt-ehrwürdigen Bramford eine grosse Wohnung, von der sie sofort begeistert sind. Nach einer kurzen Bedenkzeit sagen sie schliesslich zu und beziehen bald darauf ihr neues Zuhause, dessen Vormieterin erst vor kurzem verstorben ist. Ihre Nachbarn sich jedoch eher merkwürdige Gestalten. Das alte Rentnerpaar Minnie (Ruth Gordon) und Roman Castevet (Sidney Blackmer) drängt sich ihnen nämlich nahezu auf, und während sich Guy sehr bald mit ihnen anfreundet, hält Rosemary sie eher auf Distanz und will weniger mit ihnen zu tun haben. Doch für Guy scheint diese neue Freundschaft viel zu bedeuten, und schon bald sieht es auch für ihn besser aus: Er erbt nämlich eine viel versprechende Rolle von einem anderen Schauspieler, der plötzlich erblindet ist.

Guy ist so enthusiastisch über seinen neuen Job, dass er Rosemary vorschlägt, endlich das Kind zu haben, das sie schon lange geplant hatten. Rosemary ist begeistert, doch nachdem sie an ihrem gemeinsamen Abend ein Dessert gegessen hat, das ihr Minnie vorbeigebracht hat, wird es ihr schwindlig und sie wird ohnmächtig. In der Nacht wird sie von einem hässlichen Alptraum heimgesucht, in dem sie von einem Dämon vergewaltigt wird, und ist am nächsten Morgen immer noch völlig aufgerüttelt. Doch anscheinend hat es Früchte getragen, denn einen Monat später wird klar, dass sie schwanger ist. Doch etwas scheint mit dem Baby nicht zu stimmen, weshalb ihr Minnie gleich empfiehlt, Dr. Sapirstein (Ralph Bellamy) - einen in New York sehr bekannten Arzt - aufzusuchen. Dieser sagt ihr jedoch, dass die extremen Schmerzen nach drei Monaten aufhören werden und dass der Gewichtsverlust normal sei. Rosemary findet dies jedoch alles andere als normal und beginnt auf eigene Faust mit Nachforschungen. Es dauert nicht lange, da kommt sie einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur...


Kinofilm-Rating

Selbst wenn Roman Polanski nicht an seiner Retrospektive am Zurich Film Festival 2009 teilnehmen konnte, die Filme wurden dennoch gezeigt, und so wurde auch der Horrorklassiker Rosemary's Baby wieder einmal in einem Lichtspielhaus aufgeführt. Nachdem sich Polanski bereits im europäischen Kino etabliert hatte, war dieser Film Polanskis erste amerikanische Produktion, bei der er auch das Drehbuch schrieb und natürlich Regie führte. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Bestseller von Ira Levin, der im Jahre 1967 erschienen ist, und wurde von Polanski so detailgetreu nachgedreht, dass er nicht nur viele Details aus dem Buch übernahm, sondern sich auch beim Autor nach gewissen Informationen erkundigte.

Doch selbst wenn der Film im Release-Jahr ein Erfolg war, kann er über vierzig Jahre später immer noch begeistern oder gar fesseln? Eine Frage, welche wie auch bei Dario Argentos Suspiria durchaus mit Ja beantwortet werden kann. Selbst wenn der Film im Gegensatz zu den Schockern des neuen Jahrtausends visuell schlichtweg als harmlos zu betiteln ist, verfügt er auch über Qualitäten, welche heute bei so manchen Horrorproduktionen schlichtweg abhanden gekommen sind. So bietet Polanski von Anfang an eine gut eingefädelte Handlung, welche ab der ersten Minute mit dezenten Hinweisen einen grossen Spannungsbogen aufbaut und diesen bis zum Schluss immer mehr intensiviert. Kombiniert mit der starken Leistung der zierlichen Hauptdarstellerin Mia Farrow sowie der starken Unterstützung des restlichen Casts wird so der Film mit einer an sich harmlosen Ausgangslage zu einer dennoch intensiven Achterbahnfahrt, bei der man zu Beginn nur vermuten kann, in welche Richtung der Film geht.

Allerdings hat der Film natürlich trotz seinen Qualitäten viel von seinem Biss verloren, denn inzwischen gab es so manche Filme mit merkwürdigen Schwangerschaften und düsteren Häusern mit noch düsteren Geheimnissen. Deshalb vermag Rosemary's Baby natürlich kaum noch etwas Neues bieten, denn in den seither vergangenen 40 Jahren wurde so gut wie alles nochmals durchgekaut, was hier gezeigt wird. Zudem hat der erfahrene Zuschauer - im Gegensatz zur naiven Rosemary - den Film und die bösen Absichten der Figuren schnell durchschaut, weshalb der Überraschungsfaktor nahezu komplett wegfällt. Dennoch fiebert man mit der Sympathieträgerin Mia Farrow absolut mit und will für einmal, dass der Hauptdarstellerin nichts geschieht. Das macht den Film zu einem intensiven Psychothriller der besten Sorte, der wie auch Shining für Horror und Thrillerfans definitiv einen Blick wert ist.

Fazit: Selbst über vierzig Jahre nach dem Release ist bei Rosemary's Baby immer noch deutlich erkennbar, warum der Film damals ein Riesenerfolg wurde. Trotz der modernen Schlachtplatten kann der Film selbst heute noch fesseln und ergibt mit seinen grossartigen Schauspielern, dem Psychoterror und dem hohen Spannungsbogen eine packende Mischung, die selbst heute noch zu empfehlen ist.

5.3 Sterne
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01.10.2009 / db