Bullitt (1968)
Bullitt (1968)
Oder: Der Bulle von San Francisco
Lt. Frank Bullitt (Steve McQueen), ein grimmiger Polizeikommissar in San Francisco, wird vom einflussreichen Politiker Walter Chalmers (Robert Vaughn) beauftragt, einen Zeugen zu beschützen, der gegen die Mafia in Chicago aussagen soll. Nicht ohne Chalmers scheinbar galanter Erwähnung auf die herausragenden Auswirkungen seiner Karriere als Polizisten, soll Bullitt den Kronzeugen Johnny Ross (Pat Renella) im Hotel Daniels bewachen, um ihn dann vor dem Untersuchungsausschuss zu bringen. Mit gründlicher Routine organisieren Bullitt und sein Team, die Detectives Delgetti (Don Gordon) und Stanton (Carl Reindel), alles Erforderliche für diesen "Babysitter" Auftrag - nichts wird dem Zufall überlassen.
Da passiert das scheinbar Unmögliche: Der bewachende Polizist wird überwältigt, der Zeuge lebensgefährlich niedergeschossen. Laut den Ermittlungen, ein Werk von eiskalten Profikillers. Nur: Wieso löste Ross die Kette an der Tür? Und wer wusste noch von dem Standort des Zeugen?
Chalmers nutzt gerissen die Gunst der Stunde und prangert die Kompetenz der Polizei an. Er bemächtigt sich verbal des Falles und glaubt ihn nächstens einem anderen Polizisten, Captain Baker (Norman Fell), zu übertragen. Aber es kommt noch schlimmer: Der angeschossene Zeuge erliegt seinen Verletzungen. Bullitt handelt scharf und versetzt die Leiche mit Hilfe des verantwortlichen Arztes an einem heimlichen Ort, um Zeit zu gewinnen. Der schleimige Chalmers wiederum, scharrt nach einer Titelstory lechzende Pressemenschen um sich und verlangt unverzüglich nach dem Zeugen. Bullitt behält einen kühlen Kopf: Er ahnt ein grösseres Komplott, wo nicht nur das Syndikat schmutzige Hände haben kann. Durch einen Informanten erfährt er, dass Ross dem Syndikat in Chicago zwei Millionen Dollar abgestaubt haben soll. Desweiteren verfolgt ihn ein verdächtiges Auto - die böse drein blickenden Insassen sind die gesuchten Profikiller. Eine verbissene Verfolgungsjagd quer durch das malerische San Francisco beginnt, und endet für beide Profikiller tödlich. Die Geduld von Bullits Vorgesetzen Captain Sam Bennett (Simon Oakland) währt nun nicht mehr lange - er drängt sofort um nennenswerte Resultate.
Verärgert nimmt Bullitt eine letzte Spur auf. Da er seinen Ford Mustang bei der Verfolgungsjagd zu Schrott fuhr, fährt ihn seine Ehefrau Cathy (Jacqueline Bisset). Während seinen Ermittlungen wird eine junge Frau, die angebliche Freundin von Ross, Tod in einem Hotelzimmer aufgefunden. Cathy erlebt nun hautnah den abgebrühten Teil des Lebens ihres Mannes mit. Erschüttert und geschockt ob der rohen Gewalt in diesem Sumpf von Verbrechen und Tod, zweifelt sie an die Zukunft der Ehe. Wortkarg meint er, das (Leben eines Polizisten) sei nunmal so, man könne davon nicht weglaufen.
Wo mögen die Gründe Chalmers für sein diskreditierendes Verhalten zu der Polizei San Francisco sein? Und, welchen "Krieg" wird wohl Bullitt eher gewinnen, denjenigen gegen das organisierte Verbrechen oder denjenigen gegen seine Frau?
DVD-Rating
Peter Yates' Film Bullitt möchte das Geschehen, die Geschichte, die darin agierenden Figuren dem Zuschauer nahe, realitätsgetreu vermitteln, garniert mit typischen Crimestory-Häppchen, wie der Kampf des Cops gegen die Mafia, gegen korrupte Scheinheilige, gegen die Zeit, gegen seine bessere Hälfte. Schon der Einsatz von echtem Spitalpersonal (Arzt, Krankenschwester), die routiniert an Schauspielern werkeln, von echten Mitarbeitern eines Architekturbüro, die sich in ihrer tagtäglichen Umgebung bewegen und schauspielen, überzeugt. Dazu Steve McQueens unheimliche Risikofreude, den Ford Mustang, in der wohlbekannten Verfolgungsjagd quer durch die herrliche Kulisse San Francisco, selber zu steuern, unterstützt das Vorhaben.
Natürlich kann dieses fast dokumentarische Vorgehen des Films manchem etwas zu langatmig, wider den (hiesigen) Erwartungen vorkommen. Bullit ist wortkarg und dem täglichen, zutiefst Menschen verachtenden Wahnsinn draussen erhaben - oder wie seine Frau im Film lakonisch bemerkt, abgestumpft, in sich gekehrt. Er besucht leise den versiegelten Tatort, alleine, und versucht durch seinen geschärften Blick weitere Vorkommnisse zu erahnen - aber ohne (mir) ersichtlichen Resultaten; er (mit Detective Delgetti) schreitet mit einem kurzen Wink zu den Kollegen hinein ins Beweismaterialarchiv, untersucht die gesicherten Beweismittel, zwei Koffer, geduldig nach Indizien - und legt den Inhalt wieder fein säuberlich in den Koffer zurück; sein fast bedankender Blick zu seiner innigst geliebten Frau Cathy im Restaurant, während eine Hippie-Band die Gesellschaft mit jazzigem Sixtysound benebelt. Vielleicht faszinieren ebendiese Details, diese Darstellung der "alltäglichen" Polizeiroutine vermischt mit den wenigen, gesellschaftlichen Verpflichtungen so sehr.
Die Wahl Steve McQueens als abgeklärter Bullitt passt wie das Pulver in der stählernden Kugel; die "Beatles Generation" nannte den begnadeten McQueen den "King of Cool". Die jungfräuliche Augenweide Jacqueline Bisset als ein zart duftendes Blumenkind, hinreissend. Robert Vaughn als ein mit allen Wasser gewaschener Politiker, ein vogelfreier Kotzbrocken. Sogar der Robert Duvall in jungen Jahren gleitet kurz den Cab Versicherungsbonus-Stufe förderlich durch die Strassen von San Francisco.
Der Inhalt der DVD bleibt karg und wesentlich - Film, Szenenauswahl, Sprachen, Trailer, ein paar Fakten über den Film und ein sehenswertes, aber kurzweiliges "Making of" (Steve McQueen's Commitment To Reality). Die Aufmachung ist schlicht (und) antiquiert, in Sachen Usability aber wunderbar und die Navigation ist von der Mode dieser zwecklosen, CGI gerenderten Effekthascherei erfreulich unberührt geblieben.
Dieser Klassiker Bullitt, der vielen Filmschaffenden als eine gute Inspirationsquelle dient/e (wie z.B. Heat), darf unsereins als Film-Affecionado sich nicht entgehen lassen - "There are bad cops and there are good cops - and then there's Bullitt."
Nachtrag: Warner hat soeben eine 2-DVD Special Edition von Bullitt herausgebracht. Neben dem Film mit Audiokommentar vom Regisseur, befindet sich auf DVD 1 eine ältere, kurze Promo-Doku über Steve McQueen. AufDVD 2 ist eine gut gemachte, wenn auch fast überfüllte und mit Lobhudeleien vollgestopfte, 90minütige Biografie zu sehen. Ebenfalls enthalten ist eine Doku zum Thema "Die Magie des Filmschnitts". Immerhin doch noch eine würdige Veröffentlichung eines absoluten Klassikers des Actionfilms.
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4.6 Sterne (24 Bewertungen) | 14 Kommentare
DVD-Infos
Special Edition, erschienen am 08.05.2009
- Bildformat: Widescreen (1.85 : 1)
- Sprachen: Deutsch (Mono), Englisch (Dolby Surround), Spanisch (Mono)
- Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Türkisch, Holländisch, Schwedisch, Norwegisch, Dänisch, Finnisch, Portugiesisch, Hebräisch, Polnisch, Griechisch, Tschechisch, Ungarisch, Isländisch, Kroatisch, Deutsch für Hörgeschädigte, Englisch für Hörgeschädigte
- Extras: Zusatzinfos zum Film (Stab und Besetzung, Dreharbeiten, Auszeichungen), US-Kinotrailer, Original-Dokumentation "Steve McQueen's Commintment To Reality"




