East of Eden (1955)

Jenseits von Eden

East of Eden (1955) Jenseits von Eden

Oder: Schwein-Hund!

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Nordkalifornien im frühen 20. Jahrhundert. Die beiden Brüder Aron (Richard Davalos) und der jüngere Cal (James Dean) leben mit ihrem Vater Adam Trask (Raymond Massey) auf einer Farm. Die beiden Jungs werden nach den Regeln der Bibel erzogen und es ist Aron, der das perfekte Beispiel eines Mustersohns abgibt. Lieb, nett, freundlich, hilfsbereit, dem Vater folgend und natürlich bereits mit einer Freundin, Abra (Julie Harris), die er auch heiraten will. Cal hingegen ist seinem Vater ein ewiges Ärgernis. Zwar bemüht, die Liebe des Erzeugers zu verdienen, finden sich die beiden Personen kaum je richtig und so lebt Cal im Schatten seines Bruders.

Vater Adam investiert sein ganzes Geld in eine Eisfabrik, da er eine scheinbar sichere Möglichkeit entdeckt hat, Salate tiefgefroren in die grossen Städte zu liefern. Während Aron Feuer und Flamme für diese Idee ist, hält sich Cal zurück. Er würde lieber in Bohnen investieren und den vor der Tür stehenden Krieg als Profitmöglichkeit nützen. Natürlich verabscheut der bibeltreue Vater diesen Vorschlag, macht auf eisgekühlten Salat und verliert sein ganzes Vermögen.

...sie nicht

...sie nicht

Bereits mehrmals hat sich Cal ins benachbarte Städtchen geschlichen, um dort eine Frau zu beobachten, die mit den Bedürfnissen der Männer Geld verdient. Sie leitet ein Bordell, heisst Kate (Jo Van Fleet) und stellt sich als Cals und Arons Mutter heraus. Dies wissend und dem Vater berichtend, wird Cal einmal mehr klar, welche Position er in den Augen des Vaters einnimmt. Denn anstatt darüber zu sprechen, warum der Vater den Söhnen den Tod der Mutter als Grund für deren Abwesenheit angibt, ist die einzige Aussage Adams, dass Aron nichts von dieser Entdeckung erfahren darf.

Cal startet einen letzten Versuch, die Liebe seines Vaters zu gewinnen. Heimlich, und mit dem Geld seiner Mutter, investiert er in Bohnen, macht Gewinn und will das Geld seinem Vater als Geburtstagsgeschenk überreichen. Nachdem Aron aber die Verlobung mit Abra am gleichen Tag bekannt gibt, scheinen die Dollarnoten wertlos geworden zu sein. Zudem will sich der konservative Vater nicht am Geld bereichern, dass durch den Krieg verdient wurde. Cal zieht sich, verstossen und unverstanden, zurück und sieht nur noch eine Möglichkeit, sich Gehör zu verschaffen. Er schnappt sich Aron und fährt zu seiner, in Arons Augen toten Mutter....


DVD-Rating

East of Eden war der erste richtig grosse Kinofilm, in dem James Dean eine Hauptrolle ergattern konnte. Beim Casting für diesen Film stach er übrigens einen gewissen Jüngling mit Namen Paul Newmann aus und wurde dank seiner überzeugenden Darstellung des nach Liebe und familiärer Zuneigung suchenden Jünglings auch grad noch für den Oscar nominiert. Während andere Weltstars viele, viele Filme und jahrelange Präsenz brauchten, um in den Starhimmel aufzusteigen und unvergessen zu werden, brauchte James Dean gerade mal 16 Monate und drei Filme. East of Eden war übrigens auch der einzige Film, dessen Premiere der Rebell noch lebendig erleben durfte.

Die Story zwischen Aron und Cal gleicht nicht umsonst der Bibelgeschichte zwischen Kain und Abel. Immer wieder wird Bezug genommen auf Gut und Böse. Während der ältere, bevorzugte Sohn Aron das Gute und Unschuldige verkörperte, durfte Cal den Zwiespalt zeigen. Er ist nicht von Grund auf Böse, sondern ist (wie meistens in Filmen mit James Dean) auf der Suche nach seinem Platz im Leben. Man gibt ihm nicht die Liebe, die Aufmerksamkeit, die er braucht und somit versucht er durch auffälliges Auftreten auf sich aufmerksam zu machen. Wie im Film auch mehrmals erwähnt, ist Aron seines Vaters Kind, während Cal eher in Richtung Mutter schlägt, die sich nicht einsperren lässt und ihren eigenen, sturen Kopf hat, dem sie folgt. Ohne Rücksicht auf Verluste.

Der Film ist ein perfektes Drama geworden, das man in der heutigen, schnellen Zeit schmerzlich vermisst. Die Charaktere werden sorgfältig und tiefgründig eingeführt, die kleinen Scherze sind aufmunternd und die schlussendliche Dramatik kommt unaufhaltsam. James Dean zeigt eine hervorragende Darbietung des von ihm so genial verkörperten, missverstandenen jungen Menschen, der sucht, aber nicht findet. Er gibt hier einen jungen Mann, dessen Absichten keineswegs pur und rein sind, sondern der versucht, in einer harten Zeit Geld zu verdienen. Dass dabei ein Krieg mit Deutschland und die Essensnot der eigenen Mitmenschen ihm zu Profit verhelfen, lässt ihn kalt. Er kämpft um etwas ganz anderes. Doch die Tatsache, dass man Liebe und Gefühle nicht mit Geld kaufen kann, wird ihm zu spät klar.

An der Seite des rebellischen Hauptdarstellers sind (damals) frische und glänzende Schauspieler am Werk, die ihren Rollen Glaubwürdigkeit und Tiefe verleihen. Durch die stetige Improvisation von James Dean wurden sie mehr als einmal vor schwierige Aufgaben gestellt, meistern diese aber glänzend. Dazu kommen herrliche Bilder und eine Geschichte mit klassischen Ausmassen.

East of Eden ist für mich James Deans bester Film. Ganz einfach, weil die Geschichte interessiert, die Figuren sehr real verkörpert werden und Hollywood in seiner Glanzzeit mit diesem Film ein besonderes Schmankerl für die Fans des klassischen Kinos ausgespuckt hat. Ganz grosses Kino wird hier geboten. Und genau das ist es doch, für was wir eigentlich in den Kinosaal gehen. Wir wollen Emotionen erleben. Und von dem gibt es in East of Eden wahrlich genug.


OutNow.CH:

Bewertung: 6.06

 

24.10.2005 / muri

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Bewertung: 5.3 (15 Bewertungen)

 

 

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