Uli, der Knecht (1954)

Uli, der Knecht (1954)

Oder: Kein Emmentaler Käse

Schlabber

Schlabber

Der gutmütige Bodenbauer (Heinrich Gretler) ist nicht zufrieden mit seinem faulen Knecht Uli (Hannes Schmidhauser). Diesem Säufer und Frauenhelden, kann er sein Vieh nicht anvertrauen. Auf sein Anraten verändert der dickköpfige Uli sein Leben radikal und verschafft sich bald einen guten Namen, denn ein solcher "scheint auch in der Nacht".

Ulis Ruf macht im ganzen Emmental die Runde. Auch der Glunggenbauer Joggeli (Emil Hegetschweiler) und seine gutherzige Frau hören von ihm und holen ihn als Meisterknecht auf den heruntergewirtschafteten Hof. Gegen den Widerstand vom Karrer und vom Melker und dem nichtsnutzigen Sohn sorgt Uli für Ordnung auf dem Glunggenhof.

Wie schon auf dem Hof des Bodenbauern ist Uli auch an seinem neuen Arbeitsort von den Frauen umschwärmt. Die tüchtige Waise Vreneli (Liselotte Pulver) gefällt ihm sehr. Doch das "Donnersgeschöpf" Elisi (Marianne Matti), die Tochter Joggelis, verdreht ihm den Kopf mit ihren französischen Müntschis und dem Reichtum, der Uli als Grossbauer winken könnte.


DVD-Rating

Die Literatur-Verfilmungen, die Lazar Wechslers Produktionsfirma Praesens-Film 1954/55 zum 100. Todestag von Jeremias Gotthelf in die Kinos brachte, gehören zu den Klassikern des Schweizer Films. Neben Kurt Früh wurde Regisseur Franz Schnyder mit ihnen zum zweiten "Sibesiech" der Zunft. Mit dem Aufkommen der DVD, war es deshalb nur eine Frage der Zeit, bis die Vergleiche des Traumpaares der Schweizer Filmszene, Pulver und Schmidhauser, mit Vivien Leigh und Clark Gable auch per gestochen scharfes Standbild in der guten Stube zu Hause gezogen werden konnten.

Vieles mag aus heutiger Sicht seltsam wirken. Wenn Uli besoffen durch die Szene torkelt, vom Voice-Over in den Gedanken gepeinigt, ist Schmidhauser näher beim schauspielenden Fussballer als umgekehrt. Der Hosenlumpf ist ein probates Mittel zur Konfliktbewältigung und wird fairerweise ohne Schuhe gekämpft. Das Gülle-Catchen von Ursi und Stini greift die Strafaktionen auf der ProSieben-Alm vor. Aber man kann sich trotz allem dem Charme der Geschichte nicht entziehen. Es liegt neben den wundervollen Schauspielern an der wunderschönen Sprache, die Schnyder aufs genaueste aus der Vorlage "Wie Uli der Knecht glücklich wird. Eine Gabe für Dienstboten und Landleute" auf die Leinwand bringen wollte. Während man bei Kurt Frühs Milieu-Studien aus Zürich nur selten über heute wenig gebrauchte Ausdrücke schmunzelt, muss bei Gotthelf das Vokabular zur Zeit der Verfilmung schon archaisch gewesen sein. Uli der Knecht ist ein durch und durch frommer Film, der der Buch-Vorlage gerecht wird, und auch nach fast 50 Jahren noch sehenswert ist.

Die DVD zu Uli der Knecht gehört schon zum zweiten Schub, die Praesens-Film als Marke "Schweizer Filmklassiker" in den Handel bringt. Hinter den graphisch leicht misslungenen Hüllen verbirgt sich jeweils unterschiedliche Qualität, die den hohen Preis, der gegen 50.- Fr. geht, nicht immer gerechtfertigt.

Uli der Knecht und Uli der Pächter Filme bieten auf DVD eine beeindruckende Bildqualität. Für SF DRS wurde das Original 35mm-Negativ der Cinematheque Suisse in Zusammenarbeit mit memoriAV aufwändig gerettet, eine neue Kopie gezogen und diese dann digitalisiert. Gleichzeitig wurden auch Sprachfassungen in Deutsch, Französisch und Italienisch hergestellt. Die Originalschauspieler haben für die hochdeutsche Fassung selber synchronisiert. Da beide Filme für die Deutschlandpremiere aber um rund 10 Minuten geschnitten wurden fehlen gewissen Dialogstellen. Wählt man im Menu die hochdeutsche Fassung werden diese Szene auf Mundart mit deutscher Untertitelung eingefügt. Der Vergleich der beiden Fassungen ist vor allem deshalb interessant, um herauszufinden, welche Stellen damals als zu schweizerisch galten und dem deutschen Markt nicht zugemutet werden sollten. Die Untertitel an sich, die nur auf Deutsch und Deutsch für Gehörlose angeboten werden, beschreiben nur das Wesentliche des Dialoges.

Die Extras werden dem Klassiker gerecht. Das aufwändig gestaltete und deshalb etwas langsame Menu bietet Zugang zu Textafeln mit Informationen zur Jeremias Gotthelf, zur Entstehung des Films, zu Darstellern, Stab und technischen Angaben und zur Restauration des Films. Neben dem hochdeutschen Kinotrailer (Für die Schweiz war wohl keiner nötig.) gibt es weitere bewegte Bilder. Im neuen 12-minütigen Interview mit Linda Geisser (Ursi) und Anneliese Egger (Stini) werden Erinnerungen an den ersten Filmkuss und das Gülleloch erweckt. Thomas Hofstettlers 20-minütige Portrait von Lilo Pulver aus dem Jahre 1990 zeigt die Stationen aus der Karriere nach dem "Vreneli". Etwas weniger anbiedernd ist das 8-minütige Interview mit Hannes Schmidhauser für "Schweiz Aktuell" von 1995, in dem auch die dunklen Seiten seiner Karriere ansprochen werden. Zu guter letzt ist der komplette Roman "Wie Uli der Knecht glücklich wird. Eine Gabe für Dienstboten und Landleute" als pdf-Datei zur erwähnen. Für das Betrachten am Bildschrirm aufbereitet, wurde ein so grosse Schrift gewählt, das die doppelte Seitenzahl im Vergleich zum Roman in Buchform nötig wurde. Das Ausdrucken der knapp 700 Seiten ist deshalb nur bedingt eine Option. Der Kauf der DVD lohnt sich da eher.


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11.08.2004 / rm

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