Night and the City (1950)
Night and the City (1950)
Oder: Als Wrestler noch echte Männer waren
Harry Fabian (Richard Widmark) ist ein Kleingauner, der mit ambitiösen Ideen immer und überall das grosse Geld wittert, allerdings ständig bei deren Ausführung scheitert. Bei seinem neuesten Projekt will er sich in seiner Heimatstadt London mit Mafioso Kristo (Herbert Lom) anlegen und dessen Monopol bei der Veranstaltung von Wrestling-Kämpfen angreifen. Schnell kann er den berühmten Wrestler Gregorius (Stanislaus Zbyszko) für sich gewinnen - nicht zuletzt, weil dieser sich gar nicht mit den Schaukämpfen seines Sohnes Kristo anfreunden kann. Fabian macht sich diese spezielle Konstellation zu Nutze, um zusammen mit dem Altwrestler eine Konkurrenzveranstaltung zu planen.
Um das notwendige Geld aufzutreiben, macht er überall Versprechen und spielt die Leute gegeneinander aus, stets mit dem Ziel vor Augen, nun endlich das grosse Geld zu machen. Doch leider kommt nicht alles so, wie sich das Fabian vorgestellt hat: Er hat die Rechnung ohne Kristo gemacht. Trotz der schlechten Aussichten gibt Fabian nochmals alles und versucht die Leute mit noch mehr Versprechen bei Laune zu halten...
Kinofilm-Rating
Jules Dassin hat Night and the City in London gedreht, nachdem er in den USA als Kommunist des Landes verwiesen wurde. Der Film erzählt die Geschichte nach der gleichnamigen Romanvorlage von Gerald Kersh und kann heute als Klassiker des film noir bezeichnet werden.
Ein essentielles Element dieses Films von Dassin ist die Beleuchtung: Die Licht-Schatten-Spiele in den Gassen von London wurden mit einfachen aber sehr wirkungsvollen Mitteln wunderbar umgesetzt. Doch nicht nur das Bild überzeugt, auch die passende Platzierung von Musik baut am richtigen Ort Spannung auf und macht Night and the City zu einem packenden Streifen.
Die Charaktere sind einfach gehalten und sehr stereotypisch: der Böse, die Gute, der Schnorri. Doch dies macht den Film auch sehr unterhaltsam, und der Zuschauer kann sich mehr auf die Geschichte konzentrieren. Sehr atypisch, allerdings durchaus passend ist eine überlange Kampfszene ausserhalb der grossen Anlässe, die aber den Hauptwendepunkt des Films darstellt. Die beiden Wrestler geraten nach einer Auseinandersetzung aneinander und keiner von beiden will die Schmach einer Niederlage einstecken. Ohne Specialeffekte und viele Schnitte geht es hier richtig zur Sache: man kann die Anstrengung der beiden Schauspieler förmlich auf der Leinwand spüren.
Ein weiteres Kuriosum für Filmgewohnte aus der heutigen Zeit: Cast & Crew werden im Vorspann präsentiert - der Abspann besteht lediglich aus einem "The End". Im Ende liegt der grösste Schwachpunkt des Films: Der sehr schnelle und abrupte Abschluss. Man erhält als Zuschauer fast den Eindruck, dass das Geld für einen angemessenen Schluss nicht mehr gereicht hat und man einfach noch kurz eine Filmminute zum Beenden der Geschichte zusammengeschnipselt hat. Schade, denn sonst hätte es diesem Film sicher zu einer Bestnote gereicht.
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