Fort Apache (1948)

Bis zum letzten Mann

Fort Apache (1948) Bis zum letzten Mann

Oder: Eine andere Custer-Story

Fort Apache

Toughe Männer in wilder Natur!

Colonel Thursday (Henry Fonda) übernimmt die Führung eines Aussenpostens der US-Armee in Arizona. Unter dem Motto "alte Besen kehren gut, neue Besen kehren besser" zieht er seine armeehandbuchtreue Linie von Anfang an durch und kritisiert nicht nur die saloppe Kleidung seiner Mannen. Probleme bekundet er auch mit dem jungen Lieutenant O'Rourke (John Agar), allerdings stört sich Thursday nicht an dessen militärischer Qualifikation, sondern an der Tatsache, dass O'Rourke seiner 16jährigen Tochter Philadelphia (Shirley Temple) den Hof macht.

Fort Apache

Und Prost!

Als der Apachenhäuptling Cochise mit seinem Stamm das Reservat verlässt, weil er sich von Beamten der Regierung hintergangen fühlt, ruft Thursday entgegen dem Rat des erfahrenen Captain York (John Wayne) zum Schlag gegen die Indianer auf und will sie mit aller Gewalt zurück in das Reservat zwingen. Das löst nicht nur Unmut bei seinen Untergebenen aus, sondern natrülich auch Wut bei den Urweinwohnern. Es kommt zum unausweichlichen und unerbittlichen Kampf.


DVD-Rating

Fort Apache ist ein munter besetzter, fein umgesetzter Schwarzweiss-Western, der sich zwar inhaltlich mit einer für diese Ära eher ungewöhnlich kritischen Sichtweise der Indianerthematik, insbesondere im Genre des Westerns, befasst. Die Ähnlichkeiten zu Custers Fehleinschätzungen der Lage rund um Little Big Horn, die (absichtlich) missverstandenen Befehle und die nicht funktionierende Befehlskette sind sicher nicht zufällig gewählt. Henry Fonda als Colonel Thursday legt ein pfauenhaftes Gebaren an den Tag und missinterpretiert nicht nur die Lage um die Indianer, sondern auch die Lage seiner Truppe. Allerdings gleitet der Film desöfteren in eine mässig interessante Nebengeschichte (die Liebelei zwischen einem Lieutenant und der Tochter des Kommandanten) ab, die die eigentliche Tragik des Films nur am Rande streift.

Die später kaum wegzudenkenden Mannerismen des John Wayne sind in Fort Apache noch nicht so ausgeprägt, ausserdem agiert Wayne hier auch als einer unter vielen. Das sollte nur zwei Jahre später in Rio Grande, in dem er den Captain Kirby York ein weiteres Mal gab, dann aber in der Hauptrolle und zum Colonel promoviert, schon anders sein.

Fort Apache war übrigens ein weiterer Versuch, den einstigen Kinderstar Shirley Temple als ernsthafte Schauspielerin zu etablieren. Vergeblich. Nur ein Jahr später war Temples Karriere endgültig vorbei. Ähnlich erging es auch Henry Fonda, der zu jener Zeit in die Fänge der McCarthy-Kommunistenjagd geriet und jahrelang kaum mehr Rollen erhielt.

John Fords Erstling der sogenannten "Kavallerietrilogie", die allerdings nicht wirklich mit voller Absicht als Dreiteiler konzipiert war, liegt hier in zwei Fassungen vor: in der ungekürzten, 123 Minuten langen US-Version und in der um über 30 Minuten gekürzten deutschen Fassung. Diese Tatsache macht die DVD erst richtig interessant. Wer sich bei aktuellen Filmen über Eingriffe der deutschen Sittenwächter beschwert, und ich bin beleibe alles andere als ein Fürsprecher dieser Schnippeltätgkeit, der dürfte bei solchen Schnittmassnahmen wohl Bauchweh bekommen.

Grund der deutlich gekürzten deutschen Fassung dürfte aber schlicht und einfach die für dieses Genre sonst unübliche Überlänge von zwei Stunden sein. So wurden zu jener Zeit auch andere Filme von Ford wie She Wore a Yellow Ribbon, They Were Expendable oder The Grapes of Wrath um bis zu 30 Minuten verkürzt. Eine Unsitte. Umso schöner, dass man dank den DVDs die Filme in ihrem Originalzustand geniessen kann!

Dass man beide Fassungen (und zum Glück keine eingefärbte!) auf der DVD findet, ist der grosse Pluspunkt dieser DVD-Edition. Viel mehr Bonusmaterial ausser einigen Texttafeln liegt nicht drin. Das Bild geht für das Alter des Urpsungsmaterial in Ordnung, nicht jeder Film wird halt bildmässig feinsäuberlich rekonstruiert. Projeziert auf Leinwand weist es doch einige Grieseligkeiten und unsaubere Kantenzeichnungen auf. Im Fernseher kommt das Bild etwas besser weg. Auch mit dem Monoton kann man gut leben.

3.7 Sterne 2.6 Sterne
3.7 Sterne (2 Bewertungen) | 0 Kommentare

3.5 Sterne3.5 von 0.0-6.0
12.01.2009 / pb


DVD-Infos

DVD erschienen am 17.05.2000

  • Bildformat: 1.33:1
  • Sprachen: Deutsch, Englisch (Mono DD)
  • Untertitel: Deutsch
  • Extras: 2 Fassungen; Produktionsnotizen; Starinfos; Trailer