Bambi (1942)

Bambi (1942)

Oder: *klopf klopf*

Bambi

Close encounter of a cute kind

Irgendwo, irgendwann in einem Waldstück. Ein Rehkitz wird geboren. Der "Prinz des Waldes" ist endlich angekommen. Gruppen von Tieren scharen sich um das Neugeborene, das sichtlich schüchtern und noch unsicher auf den Beinen ist. Man nennt ihn "Bambi" und schnell schliesst das Kitz Freundschaft mit einem vorwitzigen Häschen namens "Klopfer". Dieser zeigt Bambi erst mal die nähere Umgebung und Hindernisse wie Baumstämme oder Blumen werden untersucht. Das Treffen mit dem schüchternen Stinktier "Blume" ist dabei ein fröhliches Ereignis.

Das höchste der Gefühle für die Rehe ist aber die Weide. Ein offenes Gelände mit saftigem Gras, das jedes Tier glücklich macht. Die Weide ist aber gleichfalls der gefährlichste Platz. Denn dort, im offenen Raum, sind die Tiere Zielscheiben für den Feind ihrer Art. Den Menschen. Und genau dieser schlägt dann auch unbarmherzig zu und nimmt in einer der traurigsten Szenen der Filmgeschichte, dem kleinen Bambi die Mutter.

Bambi

*huch*

Von seiner Mutter verlassen, muss sich das kleine Reh an den Leithirsch wenden, der es aufnimmt und auf die kommenden Gefahren und Aufgaben vorbereitet. Der kleine Prinz des Waldes wird erwachsen. Zurück im Waldstück treffen sich Jugendfreund wieder. Bambi, Klopfer und Blume. Von der allwissenden Eule über die Liebe und deren Folgen aufgeklärt, weigern sich die drei Freunde daran zu glauben, dass dieses sogenannte Gefühl auch sie bald beherrschen wird. Denn auch wenn im Frühling der ganze Wald im siebten Himmel schwebt, diese drei Kumpels werden sich dieser Sache nicht hingeben.

Natürlich dauerts nicht lange und die Liebe findet auch in den Leben dieser Drei Einzug. Während Blume und Klopfer sich ohne grosse Probleme mit ihren weiblichen Gegenparts amüsieren, hat Bambi noch einen weiten Weg vor sich. Denn nicht nur die Liebe ist ein kompliziertes und zeitweise schmerzvolles Unterfangen, sondern auch die Rolle im Leben selber. Und Bambi, als Prinz des Waldes, muss das grösste Abenteuer erst noch bestehen.


DVD-Rating

Eigentlich hätte der Film ja damals, in der guten alten Zeit des innovativen Hollywoods, bereits früher ins Kino kommen sollen. Doch der Meister himself, Walt Disney, war lange Zeit nicht zufrieden mit der Machart, den Zeichnungen und dem Film an sich, so dass in der Zwischenzeit erst Filme wie Disneys Pinocchio oder auch Dumbo veröffenlicht wurden. Da diese beiden Filme damals an den Kinokassen nicht den gewünschten Erfolg brachten, war die Veröffentlichung von Bambi ein grosses Risiko. Zwar hatte das die Geschichte die Auszeichnung vom "Buch des Jahres" erhalten. Aber ein Film?

Dass jedermann Bambi kennt, setze ich einfach mal stinkfrech voraus. Und wenn man sich in der heutigen Zeit von schnellen, flimmernden und actionreichen Trickfilmen an ein Werk wagt, dessen Langsam- und Ausführlichkeit den Zuschauer sofort berührt und packt, wird man schnell feststellen, dass früher halt einfach alles besser war. Die Musik ist hervorragend, die Animationen flüssig, die Figuren niedlich und die Geschichte vermag ebenfalls zu überzeugend. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Geschichte von Bambi mit dessen frühester Kindheit anfängt und sich dann durch die verschiedenen Jahreszeiten zieht und hauptsächlich die ersten Eindrücke verschiedener Impressionen und Gefühle des jungen Rehs zeigt. Da gibt's keine Actionsequenzen, keine Verschwörungen, keine Monster oder sichtbare Bösewichte. Der Wald ist ein kleines Paradies, aus diesem dann der Titelheld auf brutalste Weise entrissen wird.

Im Gedächtnis bleiben natürlich die herzigen Charaktere. Ein niedliches Bambi, das erwachsen wird. Ein mit dem Fuss klopfender Hase, der immer wieder von seiner Mutter an die Worte des Vaters erinnert wird und natürlich das Stinktier, dass sich gerne "Blume" nennen lässt und sonst ein bisschen schüchtern ist. Neben alle den schönen, herzigen und niedlichen Dingen hat vor allem eine Szene für Gesprächsstoff gesorgt. Der erste Tod in einem Disneyfilm. Obwohl man (oder genau "wegen") die eigentliche Tat nur akkustisch wahrnimmt, ist der Tod von Bambis Mutter etwas, dass für immer in den Gedächtnissen der Zuschauer haften bleibt. So hat zum Beispiel auch diese Szene durchaus ihre Berechtigung in den Listen der schlimmsten Filmtode.

Fazit: Als "Klassiker" ist er in die Geschichte des Filmes eingegangen und genau diese Bezeichnung verdient der Film auch. Er mag für die heutige Jugend ein wenig langweilig sein und was da so passiert ist definitiv nichts für Pokemon-Liebhaber und Freunde des Yu-Gi-Oh und Konsorten. Für alle anderen, die diese herrliche Geschichte um das Rehkitz endlich wiedermal schauen wollen und sich von einfachen, aber herrlich gezeichneten und vor allem herzig gesprochenen, Geschichten begeistern lassen, die haben hier einen Film vor sich, der in keiner Sammlung fehlen darf. Ganz grosses Trickfilmkino der alten Schule.

Zur Wiederveröffentlichung (und eventuell als vorgegangene Entschuldigung für den geplanten 2. Teil des Films) kommt die DVD fett verpackt und auf 2 Discs daher. Während auf der Ersten natürlich der Film an sich zu sehen ist, gibt es auch da bereits ein sehr interessantes Feature. So begrüsst uns Patrick Stewart zu einer ganz speziellen Version des Filmes. Es wurden in den Archiven der Disney-Studios Protokolle von Kreativ-Meetings gefunden, welche nachträglich vertont wurden und jetzt als Feature "über" dem Film gelegt, angehört werden können. Hier werden Ideen kurz besprochen, einzelne Szenen diskutiert und mehr als ein interessantes Detail preisgegeben. Vor allem bei der angesprochenen Todesszene hatte man eigentlich eine andere Idee... Tolles Feature und für Fans des Filmes ein Leckerbissen.

Auf Disc 2 sind dann die Bonusfeatures Marke Disney anwählbar. Angefangen mit einem Lexikon, das die Tiere des Waldes näher erklärt über Spiele bis hin zu einem (mageren) Abenteuer vom Hasen "Klopfer". Dazu ein ausführliches Making-of und ein Bericht über die Restauration eines solch alten Filmes und dessen Anpassung auf modernste Ansprüche. Dass es zu einem solchen Klassiker auch eine Fortsetzung geben wird, ist nicht jedermanns Geschmack, findet aber auch hier eine kurze Erwähnung als Feature, welches das "warum" und das "wieso" zu beantworten versucht. Schlussendlich wird man noch in die Geheimnisse des Zeichentricks eingeführt, macht mit einem der Zeichner einen Rundgang durch das imposante Archiv in den Disney-Studios und reist zurück in die Enstehungsjahre des Filmes. Abschliessen tut diese DVD ein Kurzfilm, welcher den Namen In the Mill trägt und ebenfalls aus frühester Trickfilmzeit stammt.

5.2 Sterne 4.0 Sterne
5.2 Sterne (34 Bewertungen) | 2 Kommentare

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29.01.2005 / muri


DVD-Infos

Special Edition, erschienen am 22.02.2005

  • Sprachen: Deutsch (Dolby 5.1), Englisch (Dolby 5.1)
  • Untertitel: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Türkisch, Italienisch
  • Extras: Im Kreativ-Meeting mit Walt Disney, Trailershow, Disney-Lexikon, Spiele, Abenteuerbuch mit Klopfer, Making-of, Bambi wird restauriert, Ein Meisterwerk wird fortgesetzt, Geheimnisse des Zeichentricks, in den Disney-Archiven, Mit Disney auf Zeitreise, Kurzfilm