The Great Dictator (1940)
Der Grosse Diktator
The Great Dictator (1940) Der Grosse Diktator
Oder: Und Stratz mit ze Üldensackt!
Tomanien ist im ersten Weltkrieg munter am mitmischeln. Die Armee hat eine neue Geheimwaffe entwickelt, welche nun getestet werden soll. Mit lausigen Ergebnissen. Ein Friseur (Charles Chaplin) kämpft wacker mit, stellt sich aber gar ungeschickt an, wenns darum geht, dem Feind eins auf die Rübe zu geben. Der Soldat rettet allerdings einem Offizier das Leben, in dem er diesen in sein Flugzeug packt und zurück Richtung Heimat fliegt. Dort stürzen sie im Wald ab und erfahren, dass der Krieg verloren ging. Ausserdem leidet der Friseur unter Gedächtnisverlust und wird in eine Anstalt gesteckt.
Dort verpasst er die Entwicklung seiner Heimat Tomanien. Ein neuer Führer erhebt sich. Adenoid Hynkel (Charles Chaplin) ernennt sich zum Diktator, träumt von einer arischen Rasse (Blond, Blauäugig und einem brünetten Führer dienend...) und plant den Nachbarstaat Osterlich einzunehmen. Doch dafür braucht er Geld und ausser den von ihm verfolgten Juden im Stadtteil „Ghetto" hat keiner die Mittel dazu. Als sich diese aber, aufgrund der vorangegangenen Verfolgungen, weigern, das Geld beizusteuern, lässt Hynkel die Menschen aus dem „Ghetto" in Konzentrationslager verfrachten.
In der Zwischenzeit ist unser Friseur aus der Anstalt geflohen und taucht ebenfalls in dieser Gegend wieder auf, wo er seinen Friseurladen wieder in Betrieb nimmt und die Bekanntschaft der netten Hannah (Paulette Goddard) macht. Schüchterne Annäherungen folgen, die allerdings jäh von der Invasion Hynkels Schergen unterbrochen wird. Zusammen mit Commander Schultz (Reginald Gardiner), den er im Krieg gerettet hat und der sich jetzt als Anführer der Revolution gegen Hynkel sieht, wird der Friseur in ein Konzentrationslager geführt, von dem sie aber bald wieder ausbrechen können.
Erst jetzt wird dem Friseur seine Ähnlichkeit zum Diktator bewusst. Als dieser nämlich fälschlicherweise für einen entflohenen Sträfling gehalten wird und der Friseur die Rolle des Diktators einnehmen muss, sieht der kleine jüdische Mann seine Chance gekommen, vor einem Millionenpublikum einen Appell an Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit auf die Welt los zu lassen.
DVD-Rating
Charlie Chaplin ist natürlich eine der bekanntesten Figuren in der Geschichte des Films und seine Figur „Tramp" hat in immens vielen Geschichten die Leute zum Lachen gebracht. 1940 probierte er zum ersten Mal den Tonfilm aus und schuf mit The Great Dictator einen Klassiker, der gleichzeitig irre komisch und tieftraurig und betrübt ist. In einer Zeit, in der der reale Weltkrieg vor der Haustür stand, wagte Charles Chaplin einen Film, der sich über Kriege, Diktatoren und das Millitär mockierte und der Star Hollywoods schuf sich damit mächtige Feinde. Er wurde zum abgestempelt, als Jude betitelt (obwohl er keiner war) und hatte danach grösste Mühe, weitere Projekte zu realisieren.
Die Geschichte beginnt wie ein klassischer Chaplin-Film. Die Figur des einfachen Mannes (oder in diesem Fall „einfachen Soldaten") stellt sich unglaublich schusselig an, kämpft mit den Tücken der Technik, liefert sich ein Duell mit einer sich drehenden Bombe und fragt sich im verkehrt herum fliegenden Flugzeug, warum jetzt das Wasser aus der Flasche plötzlich nach oben fliesst. Herrliche Szenen, die an die Stummfilmklassiker erinnern und auch mit entsprechender Slapstick-Musik unterlegt sind.
Als die Story in Richtung Politik geht, der Führer auftaucht und seine unverständlichen Worte brabbelt (meist sind nur deutsche Wörter wie „Wienerschnitzel" und „Sauerkraut" verständlich) wird es ein bisschen ernster, ohne jedoch den Klamauk zu vergessen. So ärgert sich Hynkel mit unfähigem Personal rum, findet keinen Kulli für die Unterschrift oder stellt uns seinen genau abgestimmten Tagesablauf vor.
Zudem kommen die lustigen Namen der Nebenfiguren, von denen „Garbitsch" und „Hering" nur Zwei von vielen Veräppelungen sind. So wird der italienische Staatsmann Napaloni getauft oder Italien als „Bacteria" betitelt. Dazu gibt es inzwischen klassische Szenen wie Hynkels Tanz mit dem Globus (der ihm schlussendlich um die Ohren fliegt), das „Wettrüsten" mittels Barbierstuhl und natürlich die herrlichen Ausfrufe des Diktators, der eigentlich ein ganz simpler Mann ist.
Man merkt es Charles Chaplin an. Die Slapstick-Szenen des Tramps sind auch in diesem Film ein Highlight und werden entsprechend vom Meister zelebriert. Erinnerungen an klassische Geschichten werden mehr als einmal geweckt und so darf auch eine kleine Essensschlacht nicht fehlen.
Charles Chaplin ist und war eine sehr interessante Person, die mit dem Film Chaplin eine sehr gelungene Biographie bekam. Für alle Fans des Komikers sei darum ein Blick in die angesprochene Produktion mehr als nur empfehlenswert. Denn Charles Chaplin war nicht nur der lustige kleine Tramp mit Fliege und Melone, sondern auch ein garstiger Filmemacher und Frauenheld.
Fazit: The Great Dictator ist einer der ganz grossen Klassiker aus Hollywood. Lustig, traurig, bitterböse und gleichzeitig wunderschön. So präsentiert sich der Film auch über 60 Jahre nach der Veröffentlichung und beweist, dass echte Filmkunst nie vergeht.
Auf der erschienenen und sehr gut überarbeiteten Special-Edition sind auf der zweiten Disc einige Reportagen zu finden, die sehr interessant sind. Einmal ein knapp einstündiger Vergleich der Leben von Charles Chaplin und Adolf Hitler, der ans Tageslicht bringt, dass der Unterschied dieser beiden Personen in ihren jeweiligen Leben und Karrieren gar nicht so unterschiedlich gewesen ist. (Der Tramp war nur vier Tage älter...) Es kommen viele Zeitzeugen, Autoren und Filmkritiker zu Wort und machen den Bericht noch interessanter. Zusätzlich sind Farbsequenzen von The Great Dictator und ein kleiner Kurzfilm aus 1919 abrufbar. Dort spielte Charles Chaplin bereits den Friseur, jedoch wurde diese Geschichte von damals nicht in diesen grossen Film miteinbezogen. Ein weiterer Ausschnitt, dieses Mal aus dem umstrittenene Film Monsieur Verdoux und einen kurzen Überblick über die Kurzfilme des Meisters schliessen die interessanten und zahlreichen Features ab.
Wie erwähnt ist der Film für diese Edition überarbeitet worden und vor allem der Ton wurde mächtig aufgerüstet. So kommt nun The Great Dictator im mehrheitlich klaren Dolby Digital-Sound daher. Trotzdem merkt man dem Film das Alter an, denn die Qualität hat zwischendurch ein paar Hänger. Ebenso beim Bild, dessen Übergänge mittendrin ein bisschen gar plötzlich sind und der Ton dann Mühe hat, diesen Schnitten zu folgen. Aber bei einen Film von 1940 sollte man über solche Kleinigkeiten echt nicht meckern.
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5.6 Sterne (30 Bewertungen) | 6 Kommentare
DVD-Infos
Chaplin Collection, erschienen am 23.10.2003
- Bildformat: 1.33:1 (4:3)
- Sprachen: Englisch (DD 5.1), Deutsch (Mono), Spanisch (Mono)
- Untertitel: Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch, Norwegisch, etc.
- Extras: The Tramp and the Dictator (55 Minuten), Making of in Farbe (25 Minuten), Charlie als Friseur (7 Minuten), Filmausschnitt (7 Minuten), Die Chaplin Filme (23 Minuten), Filmplakate




