Forum Movies - Reviews: DVDs & Blu-rays
Beitrag Rendition
Rendition oder: Kritisch! Ein wenig im Zuge von Lions for Lambs greift Rendition die derzeitige, kritische Stimmung gegenüber der teilweise wahl- und konzeptlosen Terrorbekämpfung à la Bush jr. auf. Dabei wird im Verlauf des Films immer klarer welche Stellung der Film einnimmt, nachdem er einen zuvor lange Zeit im Ungewissen lässt wie denn nun die jeweiligen Positionen bezogen werden. Oder besser: Regisseur Gavin Hood führt uns (und die Protagonisten) desöfteren auf eine falsche Fährte. Wir erleben die Geschehnisse fast wie Douglas Freemann (Jake Gyllenhaal) und wissen manchmal nicht, wie uns geschieht. Eindeutiger sind die Rollen von Meryl Streep als skrupellose Fädenzieherin oder Alan Arkin als Senator, der sich fein nach dem Wind dreht. Peter Saarsgard, der wieder grossartig spielt, als Assistent des Senators windet sich schon eher, hin- und hergerissen vom Schicksal von Isabella (Reese Whiterspoon) und seiner Aufgabe als Wahlkämpfer. Jake Gyllenhaal als CIA-Beamter hat eine ähnliche Aufgabe zu erfüllen: Pflicht für sein Heimatland. Aber eben, er ist Analyst und kein tougher Agent. In der ersten Hälfte des Films bekommt man das Gefühl, hier werden wieder die typischen Klischees verbraten: böser Moslem, guter Ami, harter Ami, konservativer Ami. Dem entkommt der Film auch bis zum Schluss nicht, doch weist er Feinheiten auf, die zwischen den Zeilen - oder eben zwischen den Bildern? - zu spüren sind. Und je mehr sich die Story zuspitzt, desto mehr klären sich Sachverhalte und Positionen auf. Das ist recht geschickt und durchaus überzeugend gemacht, verdammt gut gespielt und am Schluss durchaus zum Nachdenken anregend. Es ist nicht verwunderlich, dass der Film in den USA trotz der kippenden Stimmung kaum erfolgreich war. Nicht nur fordert er vom Zuschauer einiges an Aufmerksamkeit, auch die diversen untertitelten Passagen sind kaum dem grossen US-Publikum zuträglich zu machen (Ausnahmen bestätigen die Regel, wie immer). Und dann ist ganz klar: hier wird mit politischem Feuer gespielt und wenn Daten wie "11. September 2001" fallen, kriecht eben doch patriotisches Blut in die Hirnzellen. Rendition ist ein übersehener und unterschätzter Film, der jedem empfohlen sei, der starke Schauspielerleistungen würdigen kann und brisanten, durchaus intelligenten Filmen offen gegenüber steht. Extras: Neben dem Film hat man auf Wunsch des Regisseurs eine rund 25 Minuten lange Dokumentation zur Thematik der Verschleppung sogenannter (wichtig: sogenannter!) Terroristen mit Aussagen Betroffener beigefügt. Diese Doku ist natürlich recht einseitig und es fehlen die Widersprüche (wobei wohl seitens der Regierung kaum eine Stellungnahme zu erwarten war). Dennoch stimmt sie aus subjektiver Sichtweise sehr nachdenklich. Ausserdem sind zahlreiche entfallene und mit einem optionalen Audiokommentar des Regisseurs ausgestattete Szenen enthalten, von denen die meisten allerdings erweiterte Sequenzen sind, die einen weiteren Erzählstrang aufbauen (der im Film nur ganz kurz angetönt und dann leider fallen gelassen wurde). |
Sehr gut gespielt, da gebe ich dir recht pb (was wahrscheinlich nicht zuletzt auch am talentierten Cast liegt), ansonsten für mich leider nur guter Durchschnitt. Das heisst, Rendition bietet nicht viel, was man nicht schon so oft vorher gesehen hat. Die Geschichte mit Tochter Fatima war mir ausserdem zu lang und zu träge. The New York Times hat meiner Meinung nach den Nagel auf den Kopf getroffen: "A well-meaning, honorable movie. Which is not to say that it is a very good one." |


