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Waitress oder: The Story of the Anti-Mother


Filme, die als Romanze und Komödie bezeichnet werden und dazu noch einen entsprechend süssen Trailer bieten, gleichen meistens einem gewissen Schnittmuster, welches von Klischees getränkt ist und kaum mehr als die üblichen Herz-Schmerz-Szenen abliefert. Im Falle von The Waitress kratzt der Trailer hingegen nur an der Oberfläche. Was als "Eine Geschichte einer Frau, die ihr Glück sucht" zusammengefasst ist, entpuppt sich als tragische, untypische und ergreifende Geschichte einer Frau, die so viele Male vom Schicksal gebeutelt wurde, dass sie sich jetzt völlig verbittert in einer scheinbar auswegslosen Situation befindet und alles daran setzt, um eine Erlösung aus dem Teufelskreis zu erreichen.

Was an The Waitress vor allem gefällt ist, dass der Zuschauer am Anfang nur vermuten kann, wo überall die Krisenherde liegen. Er sieht die herzensgute Jenna, welche unter schlechtesten Bedingungen arbeitet und von allen Seiten ausgenützt wird. Doch dann beginnt The Waitress mit den drei Frauen in der Küche, den Gästen, dem neuen Doktor und natürlich Jennas Ehemann zu spielen und fügt weitere überraschende Ebenen zur Geschichte hinzu. Plötzlich erhalten die anfänglich beinahe stereotypen Figuren immer mehr Tiefe und dank grossartigen Dialogen und bitterbösen Szenen kriegt die anfänglich klassische Ausgangslage mehr und mehr Substanz. Vor allem haben sich die Autoren bemüht, selbst Nebenfiguren wie den brüllenden Boss oder den alten, verbitterten Shopinhaber sehr gut auszuarbeiten und so lassen diese mit der Zeit auch Schattierungen erkennen Sie können trotz wenig Screentime viel zur Geschichte beitragen.

Letztendlich geht es aber um die Kellnerin Jenna - welche grossartig von Keri Russell gespielt wird - und ihre tragische Geschichte. Mit viel Einfühlungsvermögen wird gezeigt, wie sie unter der Knute ihres Ehemannes zu leiden hat. Eindrücklich erlebt der Zuschauer, wie Jenna mit immer mehr Sarkasmus und Bitterkeit dem Alltag begegnet und selbst die Botschaft, dass sie schwanger ist, nur noch folgende Gefühlsregung auslösen kann: "Alkohol ist schlimmes Zeugs, dann mache ich so blöde Sachen, wie mit meinem Ehemann zu schlafen." Besonders makaber wird es, wenn Jenna mit dem Brief an ihr zukünftiges Baby beginnt und sie über den Vater und ihr Leben erzählt oder wie sie über das Baby fühlt. Da Jenna schon nach sehr wenig Spielzeit viele Sympathiepunkte gesammelt hat, interessiert man sich auch für ihr Schicksal und deshalb ziehen die Rückschläge auch nicht spurlos am Zuschauer vorbei, was The Waitress eine willkommene, emotionale Tiefe gibt.

Fazit: The Waitress ist sicher keiner der üblichen Herz-Schmerz-Komödien, welche immer nach dem gleichen Schema F abgefackelt werden. The Waitress ist eine sehr sorgfältig und feinfühlig erzählte Geschichte einer Frau, welche schon so viele Male in ihrem Leben enttäuscht wurde, dass sie kaum noch Freude daran findet. Bitterböser Humor, der direkt aus dem Alltag gegriffen scheint, sehr sympathische und gut ausgearbeitete Figuren, für die man sich auch interessiert und eine emotionale und packende Geschichte, sowie ein gelungener Schuss Humor zeichnen The Waitress aus. Das macht ihn zu einem Film, den ich gut und gerne jedem empfehlen kann, der auch mal einen ruhigen und romantischen Filmabend geniessen will.

Die DVD liefert den Film in einer sehr sauberen, scharfen und klaren Bildqualität, bei der auch die Farben gut zur Geltung kommen. Das Bonusmaterial setzt sich aus dem üblichen Audiokommentar und einigen informativen Featurettes zusammen. Nichts Weltbewegendes auf dieser Ebene.

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db's Wertung: 4.5 Sterne


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