Forum Movies - Reviews: DVDs & Blu-rays
Beitrag Winterreise
Winterreise oder: Fertig mit gut drauf Unter dem Filmtitel Winterreise würde man sicher einen eher ruhigen Film erwarten. Tatsächlich gibt es auch immer wieder sehr ruhige, fast schon lähmende Augenblicke. Womit man sicher nicht rechnet, ist die Briefvariante der berühmten Nigeria-Connection-E-Mails aus dem Internet. Am besten lässt sich die ganze Geschichte mit einer Achterbahnfahrt vergleichen. Langsam werden die Wagen hochgezogen, man betrachtet noch entspannt die Landschaft, freut sich am ungewohnten Ausblick. Um schliesslich hektisch und atemlos rauf und runter und um diverse Kurven zu fahren. Das Blut pulsiert in den Ohren und es ist, als ob die Fahrt nie zu Ende gehen würde. Winterreise besteht aus Nebenfiguren, über die man wenig erfährt und die hilflos stumm bleiben, wenn Brenninger jeden Vorwurf umkehrt und erbarmungslos zurückschlägt. Denn alles, worum es geht, ist Brenninger, der in einer Intensität lebt, dass es fast wehtut, dem zu zu sehen. Alle anderen sind Arschlöcher und unwichtig, für Brenninger gelten keine Rauchverbote oder Anstandsregeln. Dieser intensive Mann ist es auch, der die Spannung des Films aufrecht erhält. Der einen erschreckt, wenn er mit offenen Augen und regungslos daliegt nach einem Ausraster. Dem man das Leben wünscht, aber auch irgendwie den Tod. Der fasziniert und abstösst. Auch wenn die Nebenfiguren sehr blass bleiben neben dem übermächtigen Josef Bierbichler, leisten sie doch wunderbare Arbeit. Ihr Spiel ist zurückhaltend wie es die Rollen verlangen, doch man sieht, wie die Angehörigen und Freunde von Brenninger leiden, wie sie ihm meinerseits helfen wollen und andererseits brutal zurückgestossen werden. Sehr lobend zu erwähnen ist übrigens noch die Filmmusik. Es wurden sehr passende Stücke ausgewählt. Immer wieder singt der alte Brenninger Sätze aus berührenden Liedern, deren Sinn schliesslich noch erklärt wird. Die DVD ist sehr nett ausgestattet. Ein Making of darf natürlich nicht fehlen. Man erhält einen kurzen Einblick, wie "Eine Szene entsteht", wobei es schon fast ermüdend ist, wie der Regisseur jedes kleine Detail mit den beiden Darstellern bespricht. Doch das Resultat überzeugt. Sehr witzig ist "Schauspieler allein im Baumarkt". Philipp Hochmaier, der Brenningers Sohn, den Filialleiter eines Baumarktes spielt, erklärt dem Zuschauer, wozu diverse Werkzeuge zu brauchen sind. Ich bezweifele allerdings, dass man Besamungswerkzeug für Kühe und Säue im Baumarkt kaufen kann. Eine Fotogalerie mit Bildern von den Dreharbeiten, der Trailer zum Film und die Biografien von Cast und Crew rundet das ganze ab. Fazit: Sicher kein einfacher Film, den man eben mal schnell ansehen kann, doch wer sich darauf einlässt, bekommt eine beklemmende und spannende Geschichte geboten. |
Glaube es ging wohl eher darum Wilhelm Müllers depressive Winterreisegedichte, von Schubert sehr wirkungsvoll vertont, filmisch umzusetzen. http://fr.youtube.com/watch?v=vzQgbhnbf_I Der "Leiermann" etwa ab 2.45 ist echt klasse. [Editiert von euros am 2008-03-17 10:21:07] |

