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Beitrag Le scaphandre et le papillon

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Le scaphandre et le papillon oder: Gefangen im eigenen Körper - Urteil, lebenslänglich


Lange galt die Autobiographie von Jean-Dominique Bauby als unverfilmbar. Das Problem ist leicht erkannt: Wie filmt man die Geschichte eines zur Bewegungslosigkeit verdammten Mannes in bewegten Bildern? Regisseur Julian Schnabel und seinem Team ist es gelungen, den inneren Monolog Baubys auf eine visuell auf- und anregende Art darzustellen. So wird etwa die erste Hälfte des Films ganz aus der Ich-Perspektive des Protagonisten erzählt. Janusz Kaminski (Kamera), mehrfacher Oskarpreisträger (Schindler's Liste, Der Soldat James Ryan), verfolgt dabei nicht Baubys Blick sondern lässt das Publikum durch dessen Augen sehen auf eine oft unfokussierte, verzerrte, sichtbeschränkte Welt. Zum Beispiel kann Jean-Do seinen Kopf nicht mehr bewegen. Was also nicht in seinem Gesichtsfeld ist, kann er (und zugleich die Zuschauer) nicht sehen. Das ist beeindruckend und beängstigend.

Bauby hat in seinem Buch nie nach Mitleid verlangt. Julian Schnabel und seinem Team ist es gelungen, einen Film zu drehen, der seinen Protagonisten weder bemitleidet noch ihn als Inspiration hochjubelt. Jean-Dominique Bauby ist, wer er ist, mit all seinen Fehlern und schwierigen Seiten. Drehbuchautor Ronald Harwood (Oscar für Der Pianist) versucht nicht, diese Ecken und Kanten zu polieren. Zynisch und schwarzhumorig lässt er Bauby aus dem Off seine Situation und seine Umwelt kommentieren. Das ist zugleich kurzweilig, berührend und oft auch lustig. Denn seinen Humor verliert der ehemalige Journalist mit den schriftstellerischen Ambitionen nie. Selbstironisch sinniert er etwa, ob sein "Locked-in Syndrome" eine Strafe sei, weil er vorhatte eine weibliche Version von Dumas' "Der Graf von Monte Christo" zu schreiben: "Man tändelt nicht mit Meisterwerken. Die Götter der Literatur und der Neurologie haben anders darüber entschieden."

Der Maler, Bildhauer und Regisseur Julian Schnabel, ein gebürtiger New Yorker, wollte Le Scaphandre et le Papillon (Schmetterling und Taucherglocke) erst in Englisch und mit Johnny Depp in der Hauptrolle verfilmen. Da dieser jedoch mit Pirates of the Carribbean zu beschäftigt war, kam er auf Mathieu Almaric und zur Erkenntnis, den Film nur an Originalspielplätzen und auf Französisch zu drehen. Mathieu Almaric ist Teil eines Ensembles, dass stark aufspielt und auch in Situationen natürlich bleibt, bei denen es andere Schauspieler sicher ‚gejuckt' hätte, ein "Oscar Take" zu machen. Der Effort vor und hinter der Kamera hat sich gelohnt. Entstanden ist ein visuelles und ergreifendes Meisterwerk, das vier Mal für den Oscar nominiert ist (Cinematographie Janusz Kaminski, Regie Julian Schnabel, Schnitt Juliette Welfing, Drehbuch Ronald Harwood).

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fra's Wertung: 5.5 Sterne

Julian Schnabel hat es geschafft, den erschütternden Roman von Jean-Dominique Bauby passend auf die Leinwand zu bringen. Der gesunde Geist im kaputten Körper, brutaler gehts fast nicht mehr, da konnte ich Baubys "Äusserung" "Je veux mourir" fast nachvollziehen.
Die Schauspieler sind alle sehr gut, wobei ich Max von Sydow (mir unvergesslich als "Karl Oskar" in Utvandrarna) den stärksten von allen finde. Der 92-jährige Papinou, der eine so enge Beziehung zu seinem Sohn hat und nicht mehr mit ihm sprechen kann, berührend und traurig.
Natürlich ist Le scaphandre et le papillon auch eine Ode an das Leben und zeigt, wie man auch mit Locked-In-Syndrom ein Leben führen kann.
Teilweise wurden die Szenen aber etwas in die Länge gezogen, ausserdem fand ich es schade, dass am Ende Jean-Dos Perspektive fast aufgegeben wurde.
Aber dennoch ein Meisterwerk und ein interessantes Stück Kino!

El Chupanebrey's Wertung: 5.0 Sterne

Faszinierende Kamera! Unglaublich wie die Bilder aus der Ich-Perspektive diesen Film miterleben lassen. Grosses Kino.

t-switch's Wertung: 4.0 Sterne

Gestern wars soweit. Und obwohl ich eigentlich ein Double Feature machen wollte ("Schmetterling und Taucherglocke" als anspruchsvoller Einstieg und "Jumper" als hirnspülender Abgang) habe ich mich dann doch dagegen entschieden. Hatte die Befürchtung dass "Jumper" mein positives Bild von Schnabels Film zu sehr trüben könnte.

Ich kenne das Original Buch von Bauby (der tragischen Hauptfigur in SuT) nicht, aber die Ausschnitte die man im Film zu hören bekommt erzeugen ein sehr feinfühliges und trotz allem optimistisches Bild vom Verfasser und seiner Lage. Dafür kenne ich das filmische Vorbild dass für Schnabels neusten Film Pate gestanden hat umso besser: Johnny Got His Gun

Bauby, der nach einen Schlaganfall ganzheitlich gelähmt und sprachunfähig wurde, lernt mit der Zeit lediglich durch ein Augenzwinkern mit seiner Umwelt zu kommunizieren und wächst dabei über sich hinaus. Den inszenatorischen Weg den Schnabel dabei folgte lehnte sich nah an den oben erwähnten Anti-Kriegsfilm an.
Die Hälfte des Films nimmt der Zuschauer die Welt aus der Sicht von Bauby war. Ein ständiges Spiel mit Tiefenunschärfen, Blenden und Wackeloptik das entgegen meiner Erwartung nie langweilig oder anstrengend wurde sondern die Faszination des Films viel mehr bis zum Ende hin steigerte. Hohe Kunst von Janusz Kaminski.
Dabei hört man ständig die Gedanken des Protagonisten was dem Film eine zusätzliche Tiefe verleiht. Man erfährt wie Bauby denkt und fühlt. Beobachtet wie er seine Umwelt beobachtet und trotz seines dahin siechenden Zustands mit klarem Kopf seine Mitmenschen mustert und studiert. Es ist faszinierend den Erinnerungen, Gedanken und Fantasien zu folgen und wie er dem ganzen eine ironische Seite abgewinnt.

Hauptdarsteller Mathieu Amalric legt eine etwas andere Glanzleistung hin. Man sieht ihn verhältnismässig wenig und wenn, dann ist ihm rollenbedingt nicht viel Aktion erlaubt. Dieses Manko kompensiert er jedoch mit seiner ständig präsenten Stimme die der Figur wirkliches Leben einhaucht. Darum, wenn ihr Mathieu Amalric ganze Performance erleben wollt, ist ein Besuch einer OmU Version unumgänglich.

Aber auch der restliche Cast, überwiegend seine weiblichen Betreuer und nicht zuletzt Max von Sydow als Baubys Vater, machen Eindruck. Die Liebe zu Bauby und die Tragik seiner Situation wird dem Zuschauer erst durch die Gesichter der Angehörigen und medizinischen Begleiter richtig spürbar. In dieser Hinsicht darf und muss sich SuT mit dem von mir kürzlich entdeckten Meisterwerk "Das Meer in mir" messen lassen. Es gibt einige Parallelen und Verwandtschaften zwischen den beiden Filmen und ihren Charakteren, und trotz allem genügt eine relativ kleine Unterschiedlichkeit um beide Filme in einem völlig andren Licht erscheinen zu lassen.

Spoiler zu "Schmetterling und Tacherglocke" und "Das Meer in mir":

Spoiler zum Lesen Text markieren

Ramon aus "Das Meer in mir" sehnt sich nach dem Tod obwohl er ein stabiles, ihn liebendes Umfeld besitzt und scheidet freiwillig aus dem leben. Bauby dagegen entwickelt einen eigenen Lebenswillen und schöpft seine Kraft aus seinem Umfeld und wird trotz allem aus dem Leben gerissen. Dabei ist zu beachten dass die Lage von Bauby wesentlich einschränkender und somit ernster ist als die von Ramon

Letztendlich bin ich sehr froh darüber dass die Handlung des Films ganz im Sinne seiner Vorlage in Frankreich belassen wurde und Johnny Depp aufgrund seiner Pirates Verpflichtung keine Zeit aufbringen konnte.

9/10 unterschiedliche Lebensauffassungen

P.S
Der Film hat mich so begeistert dass ich mir gleich Schnabels viel gerühmten "Before Night Falls" zulegen musste.

goodspeed's Wertung: 5.0 Sterne

Der Film hat sehr stark begonnen und ich fand das Konzept "sicht durch den Patienten" sehr gut. Ab der Hälfte des Films hatte ich das Gefühl, dass der Regisseur nicht mehr sicher war was er will. Das war auch der Zeitpunkt an dem mich der Film nicht mehr bewegen konnte. Schade.

sj's Wertung: 3.0 Sterne


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